Tat hatte bundesweit für Aufsehen gesorgt

Höchststrafe: 28-jährige Solingerin zu lebenslanger Haft verurteilt

Die 28-jährige Mutter aus Solingen kurz vor der Urteilsverkündung.
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Die 28-jährige Mutter aus Solingen kurz vor der Urteilsverkündung.

Das Landgericht Wuppertal hat die 28-jährige Mutter aus Solingen im Fall der fünf Kindstötungen in der Hasseldelle verurteilt: Zusätzlich zur lebenslangen Haftstrafe stellte das Gericht im Urteil die besondere Schwere der Schuld fest. Die Verteidiger kündigen Revision an.

Solingen. Unter dem unablässigen Klicken der Kameras betrat die 28-jährige Angeklagte mit gesenktem Blick den Saal im Landgericht Wuppertal und wechselte ein paar flüchtige Worte mit ihren Verteidigern. Den hektischen Medienrummel um sie herum schien sie auszublenden – und nahm schließlich reglos ihr Urteil entgegen: lebenslange Haft bei besonderer Schwere der Schuld wegen heimtückischen Mordes in fünf Fällen.

Die Verteidiger Felix Menke (r.) und Thomas Seifert im Gespräch mit der Angeklagten. Sie wollen Revision gegen das Urteil einlegen.

Die Schwurgerichtskammer unter Vorsitz von Richter Jochen Kötter sah es als erwiesen an, dass die Solingerin am 3. September vergangenen Jahres in der Wohnung der Familie in der Hasseldelle fünf ihrer sechs Kinder getötet hat, indem sie die drei Mädchen und zwei Jungen zwischen einem und acht Jahren erstickte oder in der Badewanne ertränkte. Zuvor hatte sie den jungen Opfern freiverkäufliche Medikamente mit sedierender Wirkung verabreicht. Einzig der inzwischen 12-jährige, älteste Sohn der Familie überlebte die Tat wohl durch glückliche Umstände. Unmittelbar nach den Geschehnissen hatte die junge Frau noch versucht, sich am Düsseldorfer Hauptbahnhof das Leben zu nehmen, indem sie sich vor einen heranfahrenden Zug warf, den Suizidversuch aber schwer verletzt überlebt.

„Wir halten die Angeklagte für voll schuldfähig.“

Richter Jochen Kötter

Antworten auf die Frage nach ihren Beweggründen blieb die sechsfache Mutter bis zuletzt schuldig. Vor Gericht hatte sie sich nicht eingelassen und lediglich gegenüber zwei psychiatrischen Sachverständigen zu Protokoll gegeben, dass ein fremder, maskierter Mann in ihre Wohnung eingedrungen sei und sie gewaltsam zu der Tat gezwungen habe.

„Die Kammer ist überzeugt, dass es keinen fremden Mann gegeben hat“, machte der Vorsitzende deutlich und nahm der Reihe nach alle Aspekte der Geschichte auseinander, die aus Sicht der Kammer „logische Inkonsistenzen“ aufwies. So sei es höchst unwahrscheinlich, dass ein Fremder mit einer Tötungsabsicht derart lange am Tatort verweilt und sich noch die Mühe macht, das Badewasser abzulassen und die Leichen der Kinder in ihre jeweils richtigen Betten zu legen. „Das ist geradezu eine Slapstick-Vorstellung“, so Kötters Resümee.

Unabhängig vom unglaubwürdig anmutenden Narrativ der Beschuldigten über die Geschehnisse jenes Vormittags war das Verfahren von der Frage nach ihrer Schuldfähigkeit geprägt. Er könne verstehen, dass viele Menschen in einem solchen Fall geneigt seien, irgendein Krankheitsbild bei der Mutter zu vermuten, deren Verhalten sonst schwer erklärbar scheint, betonte Kötter. Für die Kammer aber stehe fest: „Wir halten die Angeklagte für voll schuldfähig.“

So sei weder eine von der Verteidigung behauptete Hirnschädigung bei ihr festgestellt worden, noch gebe es irgendwelche belastbaren Hinweise darauf, dass die 28-Jährige tatsächlich in ihrer Kindheit Opfer sexuellen Missbrauchs geworden ist – wenngleich ihr Vater einmal wegen Besitzes und Verbreitung von Kinderpornografie verurteilt wurde.

Den Knackpunkt des Geschehens vermutete die Kammer vielmehr in der zerbrochenen Ehe der Angeklagten. So hatte die Solingerin am Morgen der Tat ein Profilbild ihres Ehemanns bei Whatsapp entdeckt, das ihn mit seiner neuen Freundin zeigte. Damit war ihr Lebenstraum einer intakten Großfamilie endgültig zerplatzt. In Chats, die sie daraufhin mit ihrer Mutter und ihrem Ehemann führte, deutete sie die Tat bereits vage an.

Angeklagte wollte Ehemann laut Kammer „bestrafen“

Die psychiatrischen Sachverständigen sahen darin eine „narzisstische Kränkung“, die die Angeklagte nicht verwinden konnte. Die Richter beschreiben in der Urteilsbegründung ein Motivbündel: „Verzweiflung über die endgültige Trennung vom damaligen Ehemann, Wut, Demütigung und Kränkung sowie den Wunsch, diesen für die Trennung und das dadurch als gescheitert angesehene Lebenskonzept zu bestrafen“. Die starke Ich-Bezogenheit sei ein dominanter Wesenszug der Angeklagten, die in der Vergangenheit immer wieder versucht hatte, ihren Partner mit Eifersuchtsspielchen an sich zu binden und zu manipulieren. „Sie wollte die Strippen in der Hand halten“, fasste Kötter zusammen.

Alle Prozessbeteiligten hätten sich insgesamt fair verhalten, so der Vorsitzende. Die Verteidigung kündigte an, Revision gegen das Urteil einlegen zu wollen.

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