Jubiläum

Hartkopf feiert 150-jähriges Bestehen

Gisela Goslich und Thilo Möller (l. o.) sehen die Hartkopf-Gruppe im 150. Jahr ihres Bestehens gut aufgestellt. Die Gesenkschmiede mit eigenem Werkzeugbau (l. u.) produziert unter anderem Halbfertigware für Werkzeughersteller aus der Region.
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Der Solinger Werkzeughersteller feiert Jubiläum.

Die Gesenkschmiede kämpft mit hohen Energiekosten, sieht sich aber gut aufgestellt.

Von Manuel Böhnke

Gisela Goslich und Thilo Möller (l. o.) sehen die Hartkopf-Gruppe im 150. Jahr ihres Bestehens gut aufgestellt.

Solingen. Es ist laut an der Bismarckstraße. Dutzende Hämmer krachen im Sekundentakt auf glühende Schmiedeteile. In den benachbarten Hallen werden sie weiterverarbeitet. Die Gebr. Hartkopf GmbH & Co. KG ist ein energieintensiver Betrieb. Schwanken die Ausgaben für Strom und Gas, hat das erhebliche Auswirkungen auf die Kalkulation der Gesenkschmiede. Für 2023 rechnet Thilo Möller mit Mehrkosten in Höhe von einer Million Euro – eine Verdopplung. Das sei eine große Herausforderung, räumt der Geschäftsführer ein. Doch er sieht das Unternehmen, das in diesem Jahr Jubiläum feiert, gut aufgestellt: „Wir haben 150 Jahre überlebt, wir werden auch diese Krise meistern.“

Die heutige Unternehmensgruppe besteht aus zwei Einheiten. Da ist zum einen die Julius Kirschner & Sohn GmbH & Co. KG. Die Gesenkschmiede ist auf Rohlinge für Messerklingen spezialisiert und gehört seit 1998 zur Hartkopf-Gruppe. Rund 25 Beschäftigte sind für Kirschner an der Lüneschloßstraße tätig.

Die Gesenkschmiede mit eigenem Werkzeugbau produziert unter anderem Halbfertigware für Werkzeughersteller aus der Region.

Viermal so viele sind es an der Bismarckstraße. Dort hat die Firma Gebr. Hartkopf seit 1888 ihren Sitz. 16 Jahre zuvor hatten sich die Brüder Carl und August Hartkopf selbstständig gemacht. „Sie wollten sich aus ihrer harten Heimarbeitersituation als Lohnschmiede befreien und ihre innovativen Ideen zur Effizienz des Schmiedevorgangs umsetzen“, blickt Gisela Goslich zurück. Sie ist die Enkelin von Carl Hartkopf und zählt zum achtköpfigen Gesellschafterkreis.

„Unsere DNA sind Handwerkzeuge“, berichtet Thilo Möller. Zangen und Co., die Hartkopf unter anderem für Werkzeughersteller im Bergischen fertigt, machten früher rund 85 Prozent des Umsatzes aus, heute sind es 50. Die andere Hälfte wird mit Teilen für landwirtschaftliche Maschinen, Straßenbaumaschinen sowie Gebäude- und Verbindungstechnik erzielt.

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Erheblichen Anteil an diesem Diversifizierungsprozess hatte Norbert Grobosch. Von Anfang 1990 bis Ende Juli dieses Jahres war er Geschäftsführer der Gesenkschmiede. Sein Nachfolger bekennt, dass ihm ein einfacherer Start lieber gewesen wäre. „Es ist eine interessante Zeit“, sagt er schmunzelnd. Der 50-Jährige war lange in der Unternehmensberatung tätig. Vor rund zehn Jahren wechselte er die Seiten und führte mittelständische Unternehmen aus den Bereichen Draht und Maschinenbau. Ein Jahr war er für die Julius Kirschner & Sohn tätig, am 1. Juni übernahm er die Verantwortung für die Hartkopf-Gruppe.

Die Gesenkschmiede mit eigenem Werkzeugbau produziert unter anderem Halbfertigware für Werkzeughersteller aus der Region.

Die Gesenkschmiede setzt in der Produktion auf verschiedene Energieträger. Der Rundstahl wird entweder konduktiv oder induktiv per Strom auf mehr als 1200 Grad Celsius erhitzt. Die dritte Variante bilden Gasöfen. In anderen Bereichen, etwa in der Härterei, ist die Abhängigkeit vom Gas größer. Thilo Möller geht davon aus, dass der Umsatz um 80 Prozent zurückginge, würde das Unternehmen kein Gas mehr erhalten. Ein harter Schlag wäre das, betont der Geschäftsführer. Jedoch sei Hartkopf gesund, die Liquidität gut, Bankschulden gebe es nicht.

Außerdem habe man vor einigen Monaten einen Liefervertrag über drei Jahre abgeschlossen. Einstweilen scheint die Versorgung gesichert – wenn auch zu erheblich höheren Kosten. Die gibt die Schmiede teils an ihre Kunden weiter. Einen Energieteuerungszuschlag in Höhe von 9,2 Prozent erhebt das Unternehmen. Die Reaktionen darauf reichen von Akzeptanz bis zu Abwehrschreiben.

„Wir wollen zeigen, dass wir ein modernes Unternehmen sind.“

Thilo Möller, Geschäftsführer

„Es besteht die Gefahr, dass Kunden angesichts der hohen Energiepreise in Deutschland wieder chinesische Lieferanten vorziehen“, sagt Thilo Möller. Bislang könne sich das Unternehmen gegen die Konkurrenz aus Fernost behaupten. Ein Grund: die „Mehrfachlage“. Die Technologie ermöglicht es den Solingern, bei einem Schmiedevorgang bis zu 24 Produkte zeitgleich zu fertigen. Die Gesenke entstehen im hauseigenen Werkzeugbau. Das wirke sich positiv auf die Wettbewerbsfähigkeit aus.

Zudem seien einige Kunden wegen der Lieferkettenproblematik und der Unberechenbarkeit von zugesagten Lieferterminen aus Asien dazu übergegangen, wieder stärker in Deutschland und Europa zu kaufen. Dies sei „eine äußerst erfreuliche Entwicklung“, von der Hartkopf profitiere. „Die zum Teil hausgemachte Energiekostenexplosion wird diese Entwicklung hoffentlich nicht umdrehen“, sagt Möller.

Noch verzeichnet die Hartkopf-Gruppe gut gefüllte Auftragsbücher. Zwar gebe es Kunden, die wegen der angespannten Lage Projekte zurückstellen. Andere sind dagegen bestrebt, ihre Lager mit Halbfertigware zu füllen, weil sie wegen ausbleibender Gaslieferungen Versorgungsengpässe im Winter befürchten.

Derweil möchte Thilo Möller die allgemeine Weiterentwicklung der Gruppe vorantreiben. Sein Ziel ist es, den Kundenstamm der Schmiede noch breiter aufzustellen. Zudem müsse es darum gehen, die Produktionskosten zu optimieren – mit Automatisierung und möglichst geringen Materialschrott. Ein weiteres Ziel des Geschäftsführers ist es, die Darstellung von Hartkopf attraktiver zu gestalten – nach innen und außen. „Wir wollen zeigen, dass wir ein modernes Unternehmen sind. Mit 150 Jahren Tradition.“

Jubiläum

Das 150-jährige Bestehen hat die Hartkopf-Gruppe Ende Mai mit Mitarbeitern und Kunden bei einer Schifffahrt auf dem Rhein gefeiert. Für den 29. Oktober ist darüber hinaus im Klingenmuseum ein Festakt mit geladenen Gästen geplant.

www.hartkopf.de

Passend zum Thema: Energiepreise - Wissenschaftler fordern Gaspreisdeckel im Strommarkt

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