Auszeichnung

Zwei bergische Projekte bekommen Preis für Kinderschutz

Hier knallten die Sektkorken: Große Freude beim Team der Ärztlichen Kinderschutzambulanz Bergisch Land (o.) sowie bei Nick Wüsthoff (u., l.) und Oliver Kröger von der Hilfsapp „Between the Lines“ über den „HanseMerkur Preis für Kinderschutz“. Fotos: KfW Stiftung/Abbi Wensyel Photography/HanseMerkur
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Hier knallten die Sektkorken: Große Freude beim Team der Ärztlichen Kinderschutzambulanz Bergisch Land.

Ärztliche Kinderschutzambulanz Bergisch Land erhält 20.000 Euro, die Hilfsapp „Between the Lines“ 10.000 Euro.

Von Melissa Wienzek

Solingen. Er ist der „Bambi“ unter den Sozialpreisen: der „HanseMerkur Preis für Kinderschutz“, der nun zum 40. Mal vergeben wurde. Zwei wichtige bergische Projekte wurden dabei für ihr Engagement ausgezeichnet: 20.000 Euro – und damit einer der beiden Hauptpreise – gehen an die Ärztliche Kinderschutzambulanz Bergisch Land, 10.000 Euro an die Hilfsapp „Between the Lines“. Zum ersten Mal wurden sechs Preise ausgelobt. Die Preisverleihungen fanden wegen der Pandemie an den jeweiligen Orten der Preisträger im kleinen Rahmen statt. 2022 sollen dann alle Preisträger der letzten 40 Jahre in Hamburg zusammenkommen.

„Umfassender Kinder- und Jugendschutz ist derzeit so wichtig wie nie zuvor. Denn Corona macht junge Menschen und ihre Not oft unsichtbar. Die Pandemie hat die Situation von Kindern, die unter belastenden oder gefährlichen Lebensumständen aufwachsen, an vielen Stellen noch verschärft“, erklärte Eberhard Sautter, Vorstandsvorsitzender der HanseMerkur, anlässlich der Vergabe des ältesten deutschen Sozialpreises für herausragende Kinder- und Jugendschutzarbeit. Zugleich hätten Institutionen oft sehr flexibel zu sein und müssten neue Wege finden, um ihre wertvolle Arbeit trotz der Einschränkungen fortzusetzen.

Wir sind für dieses Jahr noch nicht safe.

Birgit Köppe-Gaisendrees

An der Burger Straße knallten am Donnerstagmorgen die Sektkorken. „Wir haben uns sehr gefreut. Die Auszeichnung ist eine große Ehre für die Kinderschutzambulanz, zumal es ein sehr renommierter Preis ist“, sagt deren Leiterin Birgit Köppe-Gaisendrees, die kein Geheimnis daraus macht, dass die Einrichtung das Geld gut gebrauchen kann. Denn dieses Jahr muss der Verein ein Loch von 150.000 Euro stopfen. „Dennoch sind wir für dieses Jahr noch nicht safe.“ Denn viele Firmen, die sonst an die Kinderschutzambulanz spendeten, hätten dieses Jahr verständlicherweise auch Flutopfer bedacht.

Nick Wüsthoff (l.) und Oliver Kröger von der Hilfsapp „Between the Lines“ freuen sich über den „HanseMerkur Preis für Kinderschutz“.

Das Preisgeld der HanseMerkur fließt in die reguläre Arbeit der Einrichtung, die sich um vernachlässigte, missbrauchte und misshandelte Kinder kümmert. Diese Woche musste das Team schon wieder sieben Notfälle aufnehmen. Insgesamt 400 Kinder und Jugendliche betreut es pro Jahr. Tendenz steigend. Vorkommnisse wie die Missbrauchskomplexe in Münster, Lügde oder Bergisch Gladbach bringen auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an ihre Grenzen.

Für Oliver Kröger und sein mittlerweile 32-köpfiges Team – alle sind unter 25 – ist der „HanseMerkur Preis für Kinderschutz“ eine „echte Nummer“. „HanseMerkur hat erkannt, dass wir da etwas Großes für Jugendliche tun, was den Zahn der Zeit trifft. Und dass der Bedarf groß ist.“ Der Solinger, der als Fachkraft in der Kinder- und Jugendpsychiatrie am Sana-Klinikum Remscheid arbeitet und genau weiß, wo es bei den Jugendlichen brennt, hat 2016 gemeinsam mit dem damaligen Solinger Jugendstadtrat die Hilfsapp „Between the Lines“ ins Leben gerufen.

Aus dem ursprünglichen Projekt ist ein Verein geworden, der nun zur gemeinnützigen gGmbH wird. Die App, die es kostenlos für Android und iOS im App-Store gibt, unterstützt Jugendliche in Krisenlagen wie Essstörung, Depression, ungewollte Schwangerschaft. Neben validen Infos zu Anlaufstellen und ihren Angeboten gibt es Mutmachgeschichten von Heldinnen und Helden. „Wir haben unser Ziel sehr klar vor Augen: Wenn wir es schaffen, auch nur einem Jugendlichen mit unseren Tools zu helfen, haben wir schon gewonnen.“ Denn Krisen hätten Gesundheitsfolgen für das ganze Leben.

Mit dem Preisgeld in Höhe von 10.000 Euro kann das Team die Entwicklung der App vorantreiben. Der Aufwand ist hoch. Bisher ist „Between the Lines“ in einzelnen Regionen verfügbar, doch der bundesweite Ausbau schreitet voran. 2020 gelang dem Team ein Riesencoup: die Landeshauptstadt Düsseldorf stieg ein und unterzeichnete einen Vertrag. „Wir haben dort mit einer Kampagne rund 30.000 Jugendliche erreicht.“ Auch der Kreis Mettmann sowie das Bundesland Brandenburg haben Interesse.

Solingen und Wuppertal sind im Boot, Remscheid „leider noch nicht“, sagt Kröger. Er habe aber bereits Kontakt mit Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz aufgenommen, der die App dem Sozialdezernenten Thomas Neuhaus vorstellen will. „Der Kostenaufwand für die Kommune gemessen an den Entwicklungskosten ist lächerlich“, sagt Oliver Kröger. Kommunen zahlen dafür zwischen 30 und 50 Euro auf 1000 Einwohner.

Der Preis

Der Preis: Dieses Jahr ist der HanseMerkur Preis für Kinderschutz mit 80.000 Euro dotiert. Seit seinem Bestehen wurden insgesamt 1,4 Millionen Euro ausgeschüttet und so 169 Projekte unterstützt. Die Auszeichnungen für 2020 gehen an sechs Initiativen aus Dresden, Freiburg, Hamburg, Remscheid und Solingen. Schirmherrin ist die Goldmedaillengewinnerin im Kanusprint bei den Paralympics in Tokio, Edina Müller.

Video: Ein Video von den Preisverleihungen zeigt eine Reise durch vier Jahrzehnte Engagement im Kinderschutz:

hansemerkur.csr-engagement.de/kinderschutzpreis-2020

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