Mein Blick auf die Woche in Solingen

Handel der Zukunft braucht kluge Konzepte

bjoern.boch@solinger-tageblatt.de
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Die Zukunft des Handels ist nicht nur online, meint ST-Lokalchef Björn Boch, denn der stationäre Handel ist keinesfalls tot. Wir Konsumenten entscheiden, so wie kluge Konzepte des Handels.

Die Geschichte der geplanten Immobilien- und Standortgemeinschaften (ISG) in Solingen ist so lang wie wechselhaft. Bereits 2012 hatten IHK und Stadt zu einer ersten Infoveranstaltung im Walder Stadtsaal eingeladen. Rund zehn Jahre später ist in dieser Woche eine gesetzliche ISG in Wald gescheitert. Vorerst.

Das Aus ist mehr als bedauerlich, wird aber nicht das letzte Wort sein. Falls die Walder neidisch nach Ohligs schauen, wo eine ISG 2018 ihre Arbeit aufgenommen hat, so sei daran erinnert, dass ein erster Anlauf auch dort scheiterte. Das Gebiet war zu groß gefasst, zu viele Eigentümerinnen und Eigentümer waren gegen verpflichtende Investitionen. In Wald sah man erst gar keine Chance, die notwendige Zweidrittelmehrheit zu erreichen. Und will jetzt auf eine freiwillige ISG setzen.

Womit wir bei den Eigentümern von Immobilien sind: Ohne sie geht es nicht. Das Engagement der Händlerinnen und Händler ist in der Regel groß, besonders, wenn sie in Händlergemeinschaften organisiert sind. Sie wissen: Mit rechtzeitigen Investitionen steht und fällt ihre Zukunft. Bei einigen Eigentümern hat sich diese Erkenntnis noch immer nicht vollständig durchgesetzt – zu schön war die Zeit, in der man Mieter aussuchen und Preise diktieren konnte. Krassestes Beispiel: der jahrelange Leerstand Appelrath-Cüpper, den man eigentlich nach dem früheren Eigentümer hätte benennen müssen, der jahrelang jede Lösung blockierte. Jetzt kommt zwar mit der „Gläsernen Werkstatt“ ein öffentliches Projekt und kein privates, aber man hofft auf Strahlkraft. Von privater Seite geschah in Mitte lange wenig, öffentliches Geld als Zuschuss beim Hof- und Fassadenprogramm wurde oft erfolglos angeboten, einen ernsthaften ISG-Versuch gab es hier nicht.

Zwar spricht absolut nichts dafür, stationären Handel in früheren Dimensionen anzustreben – in Mitte wird ein Großteil der Fläche von Kaufhof und P&C durch Wohnraum ersetzt. Es spricht allerdings ebenso wenig dafür, die Zukunft des Handels nur online zu sehen. Der Internetstar „El Hotzo“ präsentierte seinen mehr als eine Million Followern jüngst diese Idee für Online-Shops: dezentrale Mini-Lager („Hubs“), in denen Waren direkt besichtigt oder anprobiert („Real Reality“) und am Ausgang („Real Virtual Checkout“) bezahlt werden. Ladenlokale also. Das war in erster Linie ein sehr guter Witz. Und dennoch: Der stationäre Handel ist keinesfalls tot. Der Hofgarten meldet gerade wieder eine Besucherfrequenz wie 2019.

Selbst wenn das ein kurzfristiger Trend sein sollte, eine andere Entwicklung zeichnet sich ab: Menschen achten verstärkt auf Qualität und wollen mehr über die Herkunft von Produkten wissen. Das muss man sich leisten können – es ist also eine interessante Zielgruppe für den Handel. Und wird wichtiger, da natürliche Ressourcen schwinden. Es kann auch nicht ewig so weitergehen mit den kostenlosen Lieferungen und Retouren bei Online-Bestellungen. Ob der Handel dann noch da ist, um kluge Konzepte umzusetzen, liegt nicht zuletzt an den Menschen, die ihm den Raum dafür vermieten. Und natürlich an uns allen als Konsumenten.

Weitere Themen in dieser Woche: 

Grundsteuer: Regierungspräsidentin Radermacher mahnt - Risiko für Grundsteuererhöhung

Klinikum: So sieht der Masterplan aus

Clankriminalität: Polizei nimmt vier Männer fest

Haarig: Solinger Friseur macht Prominenten die Haare schön

Messe: Solingen arbeitet an der digitalen Zukunft

Natur: Rat beschließt Zukunft der Kleingärten am Bussche-Kessel-Weg

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