Manches wird aber günstiger

Solinger müssen beim Tierarzt mehr zahlen

Tierarzt Ulrich Pries untersucht Manuela Kades Hund Locky in seiner Tierarztpraxis in Aufderhöhe.
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Tierarzt Ulrich Pries untersucht Manuela Kades Hund Locky in seiner Tierarztpraxis in Aufderhöhe.

Die neue Gebührenordnung tritt in Kraft. Einzelne Behandlungen werden auch günstiger.

Von Kristin Dowe

Solingen. Tierhalter müssen bei der medizinischen Versorgung ihrer Lieblinge ab Dienstag tiefer in die Tasche greifen. Grund dafür ist die neue Gebührenordnung für Tierärztinnen und Tierärzte (GOT), die am 22. November in Kraft tritt. Viele tiermedizinische Leistungen, die bislang kostenfrei waren, können von den Veterinären nun erstmals überhaupt berechnet werden oder werden teurer als bisher.

„Auf der anderen Seite werden manche Leistungen aber auch günstiger. So ist zum Beispiel der Preis für eine Röntgenuntersuchung gesunken“, erklärt die Solinger Tierärztin Dr. Kristin Breithardt, die eine Praxis in Ohligs betreibt. Sie wirbt um Verständnis für die Änderungen – eine Anhebung der Gebühren sei zwingend notwendig, damit die Praxen überhaupt wirtschaftlich arbeiten können.

„Zum jetzigen Zeitpunkt kann eine tiermedizinische Fachangestellte als Single von ihrem Gehalt nicht leben. Das ist aus meiner Sicht nicht hinzunehmen.“ Von der nun der seit langem feststehenden Novelle der Gebührenordnung profitierten auch die Helferinnen. Gleichzeitig seien die Preiserhöhungen nicht exorbitant hoch, sondern lägen durchschnittlich bei etwa 20 Prozent, gibt Dr. Breithardt zu bedenken. „Die Untersuchung eines Heimtiers war jahrelang extrem günstig.“ Zum Vergleich: Kostete die Untersuchung einer Katze bislang 8,98 Euro und die eines Hundes 13,47 Euro, schlage diese Leistung nun bei beiden Tieren mit 23,62 Euro zu Buche.

Dass manche Tierhalter Veterinärmediziner angesichts der Neuerungen als „Abzocker“ verurteilten, sei Teil des Problems. „Tierärzte sind die am schlechtesten bezahlten Akademiker Deutschlands. Auch deshalb haben wir einen enormen Tierarztmangel.“

So gibt es in Solingen aktuell keinen tierärztlichen Notdienst – bei einem Notfall müssen sich Tierhalter an die Tierklinik Neandertal in Haan wenden. Perspektivisch ist in NRW eine verpflichtende Notdienstregelung für Veterinäre geplant, wie es in allen anderen Bundesländern bereits praktiziert wird. Solingen, Wuppertal und Remscheid hätten dann einen gemeinsamen Notdienst für das Städtedreieck. Dies sei zwar notwendig, um Tierkliniken zu entlasten, doch brauche es in der Veterinärmedizin weitere strukturelle Verbesserungen, ist Dr. Breithardt überzeugt: „Natürlich ist der Zeitpunkt für die Gebührenänderung in der jetzigen Krise ungünstig. Aber sie ist seit langem geplant – und anders geht es nicht.“

Ähnlich sieht das ihr Kollege Ulrich Pries, der in seiner Tierarztpraxis in Aufderhöhe in den vergangenen Wochen verstärkten Andrang zu verzeichnen hatte. „Die Menschen wollten noch mal sparen, bevor die Kosten steigen.“ Auch er hält eine „moderate Anpassung“ der Gebühren für notwendig, um Praxismieten und Apparaturen finanzieren und kostendeckend arbeiten zu können.

Veterinärin Petra Scheunert weist darauf hin, dass die neue Gebührenordnung im Zuge der wissenschaftlichen Fortschritte auch die Berechnung von Leistungen vorsieht, die es früher noch gar nicht gab. Sie befürworte die Änderungen grundsätzlich, wünsche sich für Halter dafür aber Entlastungen bei der Mehrwertsteuer von 19 auf 7 Prozent. „Tierhaltung sollte nicht zum Luxusgut werden.“

Derweil wünscht sich René Mitsch, Mitarbeiter beim Solinger Tierheim und zugehörigen Tierschutzverein, „dass Halter beim Tierarzt nicht am falschen Ende sparen“. Auch auf das Tierheim kämen nun höhere Kosten zu – dabei müsse die Einrichtung für medizinische Grundleistungen wie das Impfen und Entwurmen bei Fundtieren meistens selbst aufkommen. Gleichzeitig wünsche er sich von Haltern ein stärkeres Bewusstsein für die finanzielle Verantwortung, die ein Haustier mit sich bringt: „Eine gut gepflegte Katze kostet über ihre Lebenszeit 10  000 Euro.“

Hintergrund

Tipp: Eine Tierkrankenversicherung, wie sie von Tierärzten und auch der Verbraucherzentrale empfohlen wird, kann Tierhalter vor finanziellen Risiken schützen. Bei den vielfältigen Angeboten sollten die Policen aber genau verglichen werden. Weitere Informationen dazu gibt es auf den Seiten der Verbraucherzentrale.

Passend zum Thema: Erste Hilfe: Was tun, wenn der Hund in Not ist?

Standpunkt von Kristin Dowe: Hohe Verantwortung

kristin.dowe@solinger-tageblatt.de

Keine Frage, die neue Gebührenordnung, nach der Halter künftig für viele Behandlungen ihrer tierischen Mitbewohner höhere Kosten zu tragen haben, kommt angesichts von Wirtschaftskrise und Ukraine-Krieg für viele Menschen zur Unzeit. Doch zur Wahrheit gehört auch, dass unzureichende Verdienstmöglichkeiten in der Tiermedizin sowohl aufseiten der Veterinärmediziner selbst als auch bei den tiermedizinischen Fachangestellten ein Mitgrund für den seit Jahren wachsenden Personalmangel in diesem Segment sein dürften. Auch die faire Entlohnung ihrer Arbeit gebietet unter Tierfreunden die Fairness.

Zudem lohnt ein differenzierter Blick auf die neue Gebührenordnung, die schließlich auch Vergünstigungen bei einigen Behandlungen bereithält. An der notwendigen medizinischen Versorgung ihres Tieres sollten Halter keineswegs sparen. Die Anschaffung eines Haustieres sollte mehr denn je gut durchdacht sein. Hund, Katze und Co. bereichern sicherlich das Leben vieler Menschen, bringen aber auch viel Verantwortung mit sich.

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