Prozess

Haftstrafe wegen gefährlicher Körperverletzung

Die Polizei sperrte die Mühlenstraße kurz nach der Tat im Januar. Ein Busfahrer hatte der Frau Erste Hilfe geleistet. Archivfoto: Christoph Petersen
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Die Polizei sperrte die Mühlenstraße kurz nach der Tat im Januar. Ein Busfahrer hatte der Frau Erste Hilfe geleistet.

Mann griff seine Frau mit einem Messer an, weil sie nicht kochen wollte – Gericht sieht keinen Tötungsvorsatz.

Von Kristin Dowe

Solingen. Wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilte das Landgericht Wuppertal am Mittwoch einen 54-jährigen Mann aus Ohligs zu drei Jahren und drei Monaten Haft, weil er seine Ehefrau während eines Streits mit einem Küchenmesser attackiert und sie damit schwer verletzt hatte. Die Tat hatte Ende Januar dieses Jahres für Aufsehen gesorgt – die Geschädigte war nach dem Angriff blutüberströmt aus der gemeinsamen Wohnung an der Mühlenstraße geflüchtet und auf der Straße zusammengebrochen.

Zahlreiche Fahrgäste eines Nachtbusses hatten die Situation während der Fahrt beobachtet; ein Busfahrer hatte seine Fahrt abgebrochen und Erste Hilfe geleistet. Bei der Tat war der 54-Jährige leicht alkoholisiert, wie eine ärztliche Untersuchung ergab. Das aus dem Irak stammende Paar hat 11 gemeinsame Kinder und ist seit 38 Jahren verheiratet. Die Familie flüchtete wegen religiöser Verfolgung aus dem Irak und lebt seit 2009 in Deutschland. Der Iraker soll Probleme mit der emanzipatorischen Entwicklung seiner Frau gehabt haben, hieß es im Prozess. Diese hatte im Gegensatz zu ihm regelmäßig Sprachkurse besucht, die er verweigert hatte und wurde zunehmend selbstbewusster.

Der Tat war ein heftiger Streit zwischen den Eheleuten vorausgegangen. Der Beschuldigte kehrte nachts angetrunken aus einer Kneipe zurück und forderte seine Frau auf, ihm eine warme Mahlzeit zu kochen, was diese verweigerte. Der Iraker stamme „aus einer patriarchalischen Gesellschaft mit einer klaren Rollenverteilung“, hieß es weiter.

„Er hatte die Absicht, seine Frau zu disziplinieren“, so formulierte es Verteidiger Patrick Lauterbach in seinem Plädoyer – eine Tötungsabsicht habe sein Mandant aber nie gehabt. Dafür seien die Schnitte nicht tief genug gewesen, auch habe der Beschuldigte gezielt nach einem kleineren Messer gegriffen, obwohl größere Exemplare zur Verfügung gestanden hätten.

Argumente, welche die Kammer in Teilen wohl überzeugten, denn mit ihrem Urteil blieb sie unter der Forderung der Staatsanwaltschaft. Diese hatte ein Strafmaß von vier Jahren und zehn Monaten beantragt und warf dem Beschuldigten einen bedingten Tötungsvorsatz vor. Dass dieser seine Frau, wie der Iraker es in seiner Einlassung zu Protokoll gegeben hatte, mit dem Messer nur ein wenig „gepikst“ haben will, bezeichnete Staatsanwalt Rüdiger Ihl als „die Untertreibung des Jahres“. Zudem habe der Angeklagte seine Frau mit dem Messer am Hals in gefährlicher Nähe der Halsschlagader sowie in der Nähe anderer lebenswichtiger Organe wie Herz und Brust verletzt. Ihren möglichen Tod habe er somit billigend in Kauf genommen.

Der Vorsitzende Richter Jochen Kötter räumte in der Urteilsbegründung ein, dass für die Kammer viele Fragen offen bleiben müssten – nicht zuletzt, weil die Kinder des Paares, aber auch die Geschädigte selbst von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch machten und eine Aussage verweigerten. „Da bleibt ein nicht zufriedenstellendes Gefühl zurück“, so Kötter.

Strafmildernd wertete das Gericht die Tatsache, dass der Angeklagte sich teilweise geständig gezeigt und mit seiner Einlassung seinen Kindern eine Aussage vor Gericht erspart habe. Anhaltspunkte für eine mögliche Beeinträchtigung der Schuldfähigkeit sah die Kammer nicht und folgte damit der Einschätzung eines psychiatrischen Gutachters.

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