Adventszeit

Gute Chancen auf Weihnachtsmärkte in Solingen

Die Veranstalter hoffen auch für dieses Jahr wieder auf einen City-Weihnachtsmarkt in den Clemens-Galerien. Archivfotos: Christian Beier
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Im vergangenen Jahr gab es wegen der Coronavirus-Pandemie keine Weihnachtsmärkte in Solingen.

Veranstalter warten auf Genehmigungen – Pflicht zu Mehrwegbechern bereitet Probleme.

Von Björn Boch und Kristin Dowe

Solingen. Die Stadt macht den Weg frei für die Weihnachtsmärkte. Das bestätigte der Stadtdienst Ordnung auf ST-Anfrage. „Die Weihnachtsmärkte werden derzeit genehmigt, sofern alle notwendigen Unterlagen eingereicht wurden und die Beteiligungs- und Anhörungsverfahren abgeschlossen sind“, teilte Stadtsprecher Thomas Kraft mit. Dass die Märkte noch nicht endgültig genehmigt seien, liege nicht an Corona – sondern daran, dass die Verfahren noch nicht abgeschlossen seien.

Vor vier Wochen klang das noch zurückhaltender: Zu den Möglichkeiten und Konzepten der Weihnachtsmärkte müsse die Entwicklung von Corona-Inzidenz und Hospitalisierung und die dann gültige Schutzverordnung abgewartet werden, hieß es damals. Nun zeichnet sich aber ab, dass Weihnachtsmärkte nicht an Inzidenzen geknüpft werden. Laut derzeitiger Schutzverordnung des Landes gilt lediglich die 3G-Regel – und zwar für „Veranstaltungen im Freien mit gleichzeitig mehr als 2500 aktiv Teilnehmenden“. Falls Abstände nicht eingehalten werden könnten, werden Masken empfohlen.

Weihnachtsmärkte in Solingen: Es gibt noch planerische Hürden

„Die Märkte werden nun genehmigt, um eine rechtliche Grundlage für die Ausführung zu schaffen“, so Kraft. Klar sei weiterhin: Sie könnten nur stattfinden, wenn es Corona-Lage und Schutzverordnung zuließen. Gegebenenfalls seien Anpassungen am Konzept notwendig. „Da müssen Stadt und Veranstalter flexibel bleiben.“

Auch wenn die offiziellen Genehmigungen für die Weihnachtsmärkte noch nicht vorliegen, haben die meisten Veranstalter eine informelle Einschätzung von der Stadt erhalten, ob der Markt stattfinden kann. Bislang deutet vieles darauf hin, dass die angemeldeten Märkte grünes Licht erhalten. Die Freude darüber ist bei Frauke Pohlmann, die den Markt in Ohligs am zweiten Adventswochenende (3. bis 5. Dezember) für die Ohligser Werbe- und Interessengemeinschaft (OWG) mitorganisiert, zwar groß. Dennoch sieht sie einige planerische Hürden. „Die Auflage der Stadt, dass auch bei den Getränken ausschließlich Mehrweggeschirr benutzt werden muss, bereitet uns noch Bauchschmerzen.“

„Verschiedene Imbissstände haben uns schon abgesagt.“

Wolfgang Müller, Walder Bürgerverein, über die Mehrwegpflicht

Die Regelung sei eine Konsequenz aus der vom Solinger Rat beschlossenen Nachhaltigkeitsstrategie, nach der neben Einwegbechern und -flaschen auch Portionsverpackungen etwa für Ketchup oder Senf verboten sind. Die seit Mai 2019 bestehende Auflage kam schon beim Dürpelfest oder bei der Bierbörse zum Tragen.

Gleichzeitig schreibt die Coronaschutzverordnung vor, dass benutztes Geschirr aus hygienischen Gründen bei mindestens 60 Grad gespült werden muss. Zwar dürfe es prinzipiell auch kälter gespült werden, sofern „eine ausreichende Menge Spülmittel verwendet“ wird und andere hygienische Bestimmungen eingehalten werden, um den Infektionsschutz zu gewährleisten. Bei der Bierbörse habe dies auch funktioniert, teilt die Stadt weiter mit. Frauke Pohlmann sieht dennoch einen höheren Strombedarf und entsprechende Energiekosten auf die Veranstalter zukommen. „Es gab die Überlegung, ein Spülmobil zu installieren. Dafür benötigen wir aber zum einen mehr Personal und zum anderen den Platz.“

Mit der Mehrwegpflicht bei den Getränken hat sich auch Wolfgang Müller vom Walder Bürgerverein auseinandergesetzt, der den Walder Weihnachtsmarkt – ebenfalls am zweiten Adventswochenende – mitverantwortet. „Verschiedene Imbissstände haben uns deshalb schon abgesagt.“ Der Verein bemühe sich aber, eine Lösung zu finden.

Guter Dinge ist auch Frank Decker mit Blick auf den Weihnachtsmarkt in der Innenstadt. Mehr als die Spülproblematik beschäftige ihn zurzeit die Baustelle am Mühlenplatz. „Ich hoffe, dass die Arbeiten dort tatsächlich rechtzeitig beendet sein und die Bauzäune abgebaut werden, wie die Stadt es angekündigt hat.“ Ansonsten seien die Weichen für den Markt vom 12. November bis zum 22. Dezember gestellt.

Erstmals an vier Wochenenden, jeweils von Freitag bis Sonntag, soll der Romantische Weihnachtsmarkt auf Schloss Grünewald stattfinden. „Wir gehen zu 99 Prozent davon aus, dass es klappt“, sagt Anke Peters vom Veranstalter Open Mind Management.

Hintergrund

Auch das Weihnachtsdorf am Fronhof, veranstaltet vom Werbe- und Interessenring Solinger Innenstadt (W. I. R.), soll am 11. und 12. Dezember, parallel zum verkaufsoffenen Sonntag, über die Bühne gehen.

In Höhscheid wird es keinen Weihnachtsmarkt geben, da im bisherigen Veranstaltungsort, dem Gründer- und Technologiezentrum (GuT), ein Corona-Testzentrum untergebracht ist.

Standpunkt

kristin.dowe@solinger-tageblatt.de

Kommentar von Kristin Dowe

Eines vorweg: Die Marschrichtung der Stadt ist vollkommen richtig, im Zuge der Nachhaltigkeitsstrategie unnötigen Verpackungsmüll zu vermeiden, wo immer es geht. Schätzungen zufolge bestehen 85 Prozent des Mülls in den Weltmeeren aus Kunststoff, der dort schon viel zu viel irreversiblen Schaden angerichtet hat. Im Hinblick auf die Weihnachtsmärkte in Solingen ist es für die Veranstalter in diesem Jahr aber gar nicht mal so einfach, die Vorgaben des Umweltschutzes einzuhalten, wenn sie gleichzeitig die Auflagen der Corona-Schutzverordnung zu berücksichtigen haben. Sie müssen Geld und Personal bereitstellen, um benutztes Geschirr hygienisch bei hohen Temperaturen spülen zu können. Bei diesen Fragen sollte die Stadt ihnen zumindest beratend zur Seite stehen, zumal die Maßgabe, dass alternativ „ausreichend Spülmittel“ verwendet werden kann, doch einigen Interpretationsspielraum zulässt. Dies wird für die Veranstalter ein organisatorischer Spagat – wenn auch zwischen absolut berechtigten Interessen.

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