Tüftler aus Leidenschaft

Günter Wiethoff möchte junge Menschen zu innovativem Denken ermutigen

Seit mehr als 50 Jahren ist Günter Wiethoff als Tüftler auf der Suche nach Innovationen. Foto: Günter Wiethoff
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Seit mehr als 50 Jahren ist Günter Wiethoff als Tüftler auf der Suche nach Innovationen.

Mit den Kritikern der Corona-Maßnahmen hat Günter Wiethoff nichts zu tun. Bereits lange vor Ausbruch der Pandemie bezeichnete er sich als Querdenker.

Von Manuel Böhnke

Solingen. „Wenn man einmal damit angefangen hat, kann man gar nicht mehr anders“, sagt der 74-Jährige über seine Sicht auf die Welt. Wann immer er ein Produkt, eine Technologie sieht, fragt sich der Solinger: „Warum wurde das Problem nicht anders gelöst?“ Das ist der Ausgangspunkt eines Innovationsprozesses, der in den vergangenen 50 Jahren rund 100 Patente, Gebrauchsmuster und Designschutzurkunden hervorgebracht hat.

Zu Beginn von Wiethoffs Berufsleben deutete eher wenig auf diese Entwicklung hin. Bei der Barmer Ersatzkasse absolvierte er eine Ausbildung zum Sozialversicherungsfachangestellten. Nach langen Diskussionen entschied er sich Ende der 1960er Jahre, in die schwiegerelterliche Cuno Melcher KG einzutreten. Bei dem Produzenten von Sport- und Schreckschusswaffen begannen die Tüfteleien: „Die Branche war mir fremd. Deshalb habe ich anders gedacht.“

Den Start des zweiten Lockdowns im November 2020 nutzte Günter Wiethoff, um die Ergebnisse seines Schaffens zu sortieren. Gerne zurück denkt er an die von ihm entwickelten Scheren mit Teil-Titanbeschichtung. Die Idee dazu kam im Baumarkt auf: „Dort hatten die Bohrer eine Titanbeschichtung, damit sie länger halten“, erinnert sich Wiethoff. Er überlegte, wie man dieses Prinzip auf Schneidwaren übertragen könnte. Die Lösung: Eine Scherenhälfte erhält eine Titanbeschichtung. Durch die unterschiedliche Beschaffenheit der Oberflächen stelle sich ein Selbstschärfungseffekt ein. „Die Schneidleistung war nach über 100 000 Schnitten praktisch wie neu“, sagt Wiethoff. Dies habe die Versuchs- und Prüfanstalt Remscheid bestätigt. Das Vorgehen, vorhandene Lösungen auf andere Produkte zu übertragen, ist für ihn der Kern innovativen Denkens.

Die von Wiethoff entwickelten Produkte könnten vielfältiger kaum sein. Da ist etwa ein Kochmesser, das auf der einen Seite einen Normal- und auf der anderen einen Wellenschliff hat. Oder ein Schulterholster, das nicht für Waffen, sondern Portemonnaie, Handy und Papiere gedacht ist. „Damit macht man Taschendieben das Leben schwer.“ Während der Tagesschau kam Wiethoff vor 18 Jahren die Idee für ein Besteck, das in eine Scheckkartenhülle passt. Den größten wirtschaftlicher Erfolg brachte jedoch ein 1974 entwickelter 6-mm-Kleinkaliber-Revolver. „Mir geht es aber nicht ums Geld. Ich möchte meine Artikel einfach auf den Markt bringen“, sagt er. Dafür sucht er sich in der Regel Produktionspartner.

1999 musste Günter Wiethoff die Cuno Melcher KG verkaufen: „Der Kursverlust des russischen Rubels und die Änderung des deutschen Waffengesetzes brachte uns als exportorientierte Firma vor allem in Osteuropa in Schwierigkeiten.“ Vier Jahre später gründete er die Simbatec GmbH. Obwohl er die Großhandelsfirma 2013 aus gesundheitlichen Gründen an Christian Giesen übergab, vertreibt sie bis heute seine Innovationen.

„Natürlich haben nicht alle Ideen funktioniert“, gesteht der Solinger. Uhren in besonderen Formen – etwa des Schlosses Neuschwanstein – setzten sich nicht durch. „Und das, obwohl wir dem damaligen US-Präsidenten George W. Bush eine Army-Truck-Uhr geschickt haben“, erinnert sich Wiethoff lachend.

Der 74-Jährige möchte junge Menschen ermutigen, sich als Tüftler auszuprobieren. „Wir brauchen Innovationen“, ist Günter Wiethoff überzeugt. Er selbst tritt – zur Zufriedenheit seiner Frau – etwas kürzer. Untätig ist er allerdings nicht. Im Gegenteil: „Ich arbeite gerade an einem neuen, etwas verrückten Projekt.“ Darüber sprechen könne er aber noch nicht. Man möchte schließlich niemanden auf Ideen bringen.

Seit September 2020 ist Philipp Bürling Geschäftsführer des Düsseldorfer Unternehmens Priavoid.

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