Corona-Pandemie

Grundschulen machen ab Montag den doppelten Lollitest

„Die liberale NRW-Schulministerin muss Schulen liberale Entscheidungen zugestehen“, sagt Dezernentin Dagmar Becker (Grüne).
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„Die liberale NRW-Schulministerin muss Schulen liberale Entscheidungen zugestehen“, sagt Dezernentin Dagmar Becker (Grüne).

Zum Start der Schulen im neuen Jahr gilt Präsenzunterricht. Dezernentin Dagmar Becker fordert Plan B.

Von Simone Theyßen-Speich

Solingen. Nach gut zwei Wochen Weihnachtsferien starten am Montag die Schulen wieder. Geplant ist – so die am Donnerstag veröffentlichte Schulmail des Landes –, dass alle Kinder und Jugendlichen weiterhin Präsenzunterricht haben. Auf der anderen Seite steigen die Infektionszahlen auch in Solingen rasant. „Angesichts der Omikron-Welle muss es deshalb einen Plan B geben, der Schulen flexible Gestaltungsmöglichkeiten gibt“, fordert Schuldezernentin Dagmar Becker (Grüne).

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Wenn auch die Infektionen und Kontakte mit entsprechenden Quarantänen bei Lehrern und Erziehern anstiegen, würden Schulen und Kitas sonst schnell an ihre Grenzen stoßen. „Die liberale NRW-Schulministerin muss den Schulen auch liberale Entscheidungen zugestehen“, so Becker. Online-Unterricht oder kleinere Lerngruppen müssten im Notfall individuell möglich sein.

Gespannt warten die Solinger Schulen auf die bundesweite Entscheidung zur Quarantäne-Regelung am Freitag. „Eine Verkürzung der Quarantäne muss natürlich vom Gesundheitsaspekt begründbar sein, etwa weil die Infektionszeit bei Omikron kürzer ist“, so Becker, die grundsätzlich die Wichtigkeit des Schulbetriebs betont. „Müssen Kinder wieder zu Hause betreut werden, fehlen die Eltern in ihren Berufen.“

Regelmäßige Tests sollen ein Stück Sicherheit bringen. Eine Neuerung gibt es dabei an den Grundschulen. „Die Lollitests werden weiterhin zweimal pro Woche, aber jetzt gleich in doppelter Ausführung durchgeführt“, erklärt Sabine Riffi, Leiterin der Grundschule Uhlandstraße und eine von zwei Solinger Grundschul-Sprecherinnen.

Bislang wurden alle Lollitests einer Klasse als Pooltest im Labor untersucht. War dieser Pool positiv, wurden die Eltern abends, teilweise auch erst am nächsten Morgen informiert und gebeten, das zweite Kontrollröhrchen abzugeben. „Bis das Ergebnis vorlag, waren alle Kinder der Klasse einen Tag in Quarantäne“, so Riffi.

Ab Montag werden die Kinder an jedem Testtag gleich zwei Lollitests machen. Der erste Abstrich ist für den Pool, der zweite, die Rückstellprobe, wird als Einzel-Kontrollröhrchen für den Notfall gleich mit ins Labor geschickt. „Das wird in der Schule zwar etwas mehr Zeit in Anspruch nehmen, verhindert aber den Quarantänetag der gesamten Klasse“, so Riffi.

Regelmäßige Tests ab Montag für alle Schüler

An der Uhlandstraße haben die Lehrer die Materialien schon für die erste Woche vorbereitet. 50 Etiketten mit individuellem QR-Code stehen für jedes Kind bis Ostern zur Verfügung, um die Röhrchen zu bekleben. Zudem mussten die Eltern in den Weihnachtsferien einmalig ihr Kind für das Verfahren registrieren. Die Schulleiterin hofft, dass regelmäßige Tests, Maskenpflicht und die steigende Impfzahl auch bei den Kindern ab fünf Jahren den Regelbetrieb in den Schulen sichern.

In allen Schulformen wird ab Montag regelmäßig getestet, an weiterführenden Schulen mit Antigen-Selbsttests dreimal wöchentlich, an Grund- und Förderschulen mit PCR-Lollitests zweimal pro Woche. Auch für vollständig immunisierte Schüler sind die Tests wieder verpflichtend.

Laut jüngster Schulmail des Landes ist der Test für alle Schüler, Lehrer und alle an Schulen Beschäftigten verpflichtend. „Gerade nach den Ferien mit vielen Urlaubsrückkehrern ist das unumgänglich“, so Andreas Tempel, Leiter der Alexander-Coppel-Gesamtschule, der mit diesem Vorschlag schon vor den Ferien an die Öffentlichkeit gegangen war.

Standpunkt: Impfen als soziale Geste

Ein Kommentar von Simone Theyßen-Speich

simone.theyssen-speich@solinger-tageblatt.de

Genauso wie die Corona-Infektionen eine momentan nicht abreißende Kettenreaktion sind, so sind es auch deren Folgen. Wenn immer mehr Lehrer und Erzieher in Quarantäne müssen oder gar infiziert sind, brechen die Systeme in Kitas und Schulen zusammen. Flächendeckendes Homeschooling, bei dem Eltern ihre Kinder wieder zu Hause betreuen müssen, bedeutet aber, dass diese Väter und Mütter in ihren Berufen bei Polizei, Feuerwehr, Energieversorgern, in den Krankenhäusern und in vielen anderen wichtigen Berufen fehlen. Die Omikron-Welle also auszusitzen, auch wenn sie – hoffentlich – nicht ganz so viele schwere Krankheitsverläufe mit sich bringt, ist somit keine Alternative. Es muss darum gehen, die Infektionszahlen möglichst im Griff zu halten. Konsequente Maskenpflicht ist da längst überfällig. Und die Impfkampagne muss bei Erst- wie bei Booster-Impfungen dringend vorangehen. Wer keine Impfnotwendigkeit als persönlichen Schutz vor der schweren Krankheit sieht, sollte überlegen, ob das nicht als gesellschaftlicher Beitrag, etwa um Schulen und Kitas offen halten zu können, zu sehen ist.

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