Politik

Solinger Grüne geben sich in der K-Frage gelassen

Fraktionschefin Juliane Hilbricht (links) setzt auf Inhalte. Sprecherin Silvia Vaeckenstedt (rechts) hat keinen Favoriten.
+
Fraktionschefin Juliane Hilbricht (links) setzt auf Inhalte. Sprecherin Silvia Vaeckenstedt (rechts) hat keinen Favoriten.

Statt um Baerbock oder Habeck geht es der lokalen Parteibasis eher um Inhalte.

Von Andreas Tews

Solingen. Dass es in der eigenen Partei um die Frage einer Kanzlerkandidatur geht, ist für die Grünen noch sehr ungewohnt. Das räumen viele Solinger Mitglieder der Partei ein. In der Debatte, ob es Annalena Baerbock oder Robert Habeck werden soll, geben sich die Funktionsträger des Kreisverbandes gelassen. Beide seien geeignet, heißt es unisono.

Die Grünen wollen angesichts guter Wahlergebnisse und Umfragewerte am Montag erstmals in ihrer Geschichte einen Kanzlerkandidaten benennen. Dass die Partei in dieser Lage ist, sei eine große Verantwortung, sagt der grüne Bürgermeister Thilo Schnor. Seine Partei sei aber bereit dazu, diese zu übernehmen.

Manch einer glaubt zwar, dass es eher auf Baerbock hinausläuft. Präferenzen äußert aber keiner. Im Gegenteil: Die Vorsitzende der Grünen-Ratsfraktion, Juliane Hilbricht, findet es sogar „schade“, dass so intensiv über die Personalie diskutiert werde. Es gebe wichtigere Themen. Und die seien inhaltlicher Natur.

Bei den Parteimitgliedern kommt es gut an, dass die Personaldiskussion recht geräuscharm über die Bühne geht. Es gehe nur um Personen, nicht aber um inhaltliche Flügelkämpfe, sagt Schnor. Der frühere Kreisparteisprecher Reiner Daams führt die Art der Debatte auf die „hohe Professionalität“ bei den Grünen zurück. Er ergänzt: „Wir trauen es beiden zu, darum gibt es keinen Ärger.“

Inhaltlich werde in der Partei aber sehr wohl diskutiert, beteuert Hilbricht. Dies geschehe aber geräuschloser als früher. Wichtig sei, hinterher geeint zur gemeinsamen Position zu stehen, und diese gelinge den Grünen. Die Partei stürze sich nicht mehr auf Details, erklärt Grünen-Kreissprecherin Silvia Vaeckenstedt. „Wir sind realistischer unterwegs.“ Der Verantwortung, für Klimawandel und soziale Gerechtigkeit einzustehen, sei man sich dabei bewusst.

Solingen: Selbst mit Prognosen halten sich alle zurück

Aus ihrer Sicht stehen beide möglichen Kanzlerkandidaten zu diesen Positionen. „Im Auftreten sind sie unterschiedlich“, sagt Vaeckenstedt. „An ihrer Haltung in der Sache ändert dies aber nichts.“ Darum, so betont ihr Co-Sprecher Marius Rauh, sei es vielen Grünen nicht so wichtig, wer im Wahlkampf personell an der Spitze stehe. „Mit beiden wird es eine gute Sache.“

Diesen Optimismus teilen auch die Sprecherinnen der Solinger Grünen Jugend. „Wichtig ist, dass am Ende jemand Grünes im Kanzleramt ist“, hofft Sinja Waldmann. Sie sähe zwar gerne weiterhin eine Frau als Bundeskanzlerin, ergänzt Lara Hundeborn, schränkt aber sofort ein, dass „beide einen guten Job machen“ würden.

Allgemein gehen die Solinger Grünen davon aus, dass sowohl Habeck als auch Baerbock nach der Wahl eine wichtige bundespolitische Rolle spielen werden. Wer von beiden im September größere Chancen bei den Wählern haben werde, ist laut Daams derzeit nicht abzusehen.

Standpunkt: Erstaunlich abgeklärt

Von Andreas Tews

andreas.tews@solinger-tageblatt.de

Die Stimmung an der grünen Basis ist so gut wie schon seit Jahren nicht mehr. Umso erstaunlicher erscheint es, wie abgeklärt die Parteimitglieder damit umgehen, dass die Grünen nicht nur erstmals einen Kanzlerkandidaten aufstellen, sondern dass sie sich auch Hoffnungen machen können, dass ihre Partei sogar den Nachfolger oder die Nachfolgerin von Angela Merkel stellen wird. Manch ein Parteimitglied mag aber bangen, ob sich die Grünen nicht doch wieder ihre Chancen durch unbedachte Äußerungen selbst zerstören.

Die Diskussionen um einen Benzin-Literpreis von 5 D-Mark oder um einen Veggie-Day sind noch in unguter Erinnerung. Dies mag eine Erklärung dafür sein, dass sich selbst die Protagonisten der Parteibasis mit Äußerungen zur Kanzlerkandidatur zurückhalten. „Bloß nichts falsch machen“, scheint die Devise zu sein. Bleibt zu hoffen, dass die Grünen ihre Streitbarkeit nicht generell verloren haben. Es stehen viele Themen an, über die eine inhaltliche Diskussion dringend nötig ist und bei denen auch die Grünen zu einer demokratischen Meinungsvielfalt beitragen sollten.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesen

Nach Zusammenstoß: Autofahrer eingeklemmt
Nach Zusammenstoß: Autofahrer eingeklemmt
Nach Zusammenstoß: Autofahrer eingeklemmt
Inzidenz über 50: Diese Corona-Regeln gelten in Solingen ab Montag
Inzidenz über 50: Diese Corona-Regeln gelten in Solingen ab Montag
Inzidenz über 50: Diese Corona-Regeln gelten in Solingen ab Montag
Zwei verletzte Personen nach Unfall
Zwei verletzte Personen nach Unfall
Zwei verletzte Personen nach Unfall
Corona: Inzidenz fällt leicht - Inzidenzstufe 3 ab Montag - Weiter höchster Wert im Bund
Corona: Inzidenz fällt leicht - Inzidenzstufe 3 ab Montag - Weiter höchster Wert im Bund
Corona: Inzidenz fällt leicht - Inzidenzstufe 3 ab Montag - Weiter höchster Wert im Bund

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Kommentare