Treffen

„Große Portion Heimat- und Opel-Liebe“

ST-Mitarbeiter Jonathan Hamm (l.) durfte einen Teil der Rallye mit Opel-Liebhaber Axel Prietz bestreiten. Das Auto sei nicht nur „Entschleuniger“, sondern auch Zeitmaschine: „Wer einsteigt, der nimmt in einem anderen Zeitalter des Automobils Platz“, schreibt Hamm.
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ST-Mitarbeiter Jonathan Hamm (l.) durfte einen Teil der Rallye mit Opel-Liebhaber Axel Prietz bestreiten. Das Auto sei nicht nur „Entschleuniger“, sondern auch Zeitmaschine: „Wer einsteigt, der nimmt in einem anderen Zeitalter des Automobils Platz“, schreibt Hamm.

Beim Oldtimer-Treffen der Marke mit dem Blitz gab es Raritäten zu bestaunen – wir sind mitgefahren.

Von Jonathan Hamm

Solingen. Mit großer Souveränität und Lebenserfahrung rollte die „Dicke Berta“ am Samstag über die bergischen Straßen. Die „Dicke Berta“, ein Opel Rekord C Coupé Baujahr 1969, ist die große Leidenschaft von Axel Prietz. „In modernen Autos habe ich es immer eilig“, erzählt er. Nicht jedoch, wenn er hinter dem Steuer seiner Berta sitzt: „Diese Autos sind nicht zum ‚rasen‘, sie sind zum ‚cruisen‘ gemacht“, sagt er. „Für mich hat es einen entschleunigenden Effekt vom Alltag.“ Das Auto ist nicht nur „Entschleuniger“, sondern auch Zeitmaschine, denn wer einsteigt, der nimmt in einem anderen Zeitalter des Automobils Platz. Keine Servolenkung, kein ABS, kein Drehzahlmesser – keine Sicherheitsgurte. Die Gurtpflicht gilt in Deutschland seit 1974, ältere Modelle müssen nicht nachgerüstet werden.

Mit seiner Liebe zu den Autos der Marke aus Rüsselsheim ist Axel Prietz nicht allein. Früher als Alltagsauto und Nutzgegenstand, heute als Heimat zahlreicher Kindheitserinnerungen und Verwirklichung von Jugendträumen, haben die Wagen eine große Fangemeinde. Vom 28. bis 31. Juli fand in Solingen ein Treffen der Modelle Rekord C und Commodore A statt. Ein voller Erfolg, findet Mitorganisator Udo Feck von der Alt-Opel-Interessengemeinschaft ().

Bereits zum zweiten Mal traf man sich zum Typgruppentreffen in Solingen: „Diesmal wollten wir noch einen draufsetzen“, erklärt er. Ungefähr 60 Teilnehmer seien gekommen – auch internationale Gäste zog es nach Solingen: „Das ist erstmalig, dass wir sechs Länder hier haben“, freut er sich. „Die Alt-Opel IG ist ein weltweiter Club in mehr als 20 Ländern – und mit mehr als 2700 Mitgliedern der größte Zusammenschluss von Anhängern der alten Opel-Modelle.“ Mit einer „ganz großen Portion Heimat- und Opel-Liebe“ sei das Programm auf die Beine gestellt worden, erzählt Udo Feck.

„Man wird mit dem Opel-Blitz auf der Stirn geboren.“

Arndt Lixfeld, Teilnehmer

Gestartet wurde das Treffen am Donnerstag und gipfelte am Samstag in einem großen Korso. Vom Galileum aus ging es bei strahlendem Sonnenschein Richtung Straußenfarm Emminghausen, bevor man nach Gräfrath fuhr. Dort warteten bereits zahlreiche Oldtimer-Fans gespannt auf die Kolonne. Und so rollten die liebevoll erhaltenen Zeitkapseln auf Rädern über den Marktplatz.

Zum ersten Mal dabei waren Elvira und Roland Blum. Wie jedes Auto, das mitfuhr, hat auch ihr Opel Rekord C Caravan Baujahr 1968 eine eigene Geschichte zu erzählen. „Früher ist damit Käse ausgeliefert worden“, weiß Roland Blum. Danach stand der ausgemusterte Lieferwagen länger als 40 Jahre in einer Tiefgarage, bis er ihn 2019 gekauft und dem alten Auto neues Leben eingehaucht habe. Ein Jahr lang habe er intensiv daran geschraubt und ungefähr 500 Stunden Arbeit reingesteckt. „Dass es ein Opel ist, ist kein Zufall.“ Die Marke habe in seiner Familie Tradition. Auch sein Vater und sein Bruder führen Opel. Einmal habe er sich einen Mustang gekauft: „Das hat Ärger gegeben“, erinnert er sich lachend.

Sobald Roland Blum über seinen Wagen spricht, gerät er ins Schwärmen: „Wenn du dich in so ein Auto setzt – das ist komplett anders als ein modernes Auto“, erklärt er. „Man bekommt die Straße viel stärker vermittelt.“ Keine Klimaanlage, kein Radio – viel Luxus bietet der Rekord C Caravan nicht. Doch das mache den Charme eines solchen Autos aus. „Man könnte ein Radio nachrüsten, aber dann hört man den schönen sonoren Klang des Motors nicht mehr.“

Das findet auch Arndt Lixfeld: „Was man absolut nicht braucht, ist ein Radio. Alles drumherum ist genug Musik.“ Sein Opel Commodore A stellt in jeglicher Hinsicht eine Rarität dar. Nur vier Stück wurden jemals von der Firma Karmann zum Cabriolet umgebaut. „Im Prinzip Prototyp“, erklärt er stolz. Gekauft hat er den Wagen des Baujahrs 1967 im Jahr 2007. Fast 25 Jahre lang habe er darauf gewartet. „Es ist mein Traumauto“, stellt er klar – und ergänzt mit einem Augenzwinkern: „Man wird mit dem Opel-Blitz auf der Stirn geboren.“

Alt-Opel IG

Die Alt-Opel IG (Interessengemeinschaft) wurde 1972 gegründet und ist ein Club für alle Anhänger der Marke Opel. Regelmäßig treffen sich die Mitglieder zu Jahres- oder Typgruppentreffen, um sich auszutauschen und gemeinsame Ausfahrten zu unternehmen.

Weitere Informationen online: www.alt-opel.eu

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