ST vor Ort

Große Hoffnung auf Entwicklungskonzept in Wald

Rainer Francke, Mitinhaber des Bücherwalds im Rundling, ist seit vielen Jahren Vorsitzender des Walder Werberings. Foto: Tim Oelbermann
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Rainer Francke, Mitinhaber des Bücherwalds im Rundling, ist seit vielen Jahren Vorsitzender des Walder Werberings.

Rainer Francke, Vorsitzender des Walder Werberings, setzt auf Mix aus Bildung, Sport, Kultur und Handel.

Von Simone Theyßen-Speich

Herr Francke, Wald hat sich aufgemacht, den Stadtteil nach vorne zu bringen – und dann kam Corona. Wie ist die aktuelle Situation besonders bei den Händlern und Gastronomen?

Rainer Francke: Der Handel ist seit Monaten gebeutelt, besonders die Gastronomie und Reisebüros sind stark betroffen. Man sieht die Mitarbeiter in den Reisebüros seit Wochen arbeiten - nur um zu stornieren und Geld zurückzuzahlen. Für alle ist es extrem wichtig, dass jetzt – auch mit Einschränkungen – Handel wieder anläuft.

Wie ist Ihre persönliche Situation als Buchhändler im Bücherwald?

Francke: Wir haben fünf Wochen lang während des Lockdowns die Bestellungen ausgeliefert, wir wollten keine öffentlichen Mittel in Anspruch nehmen und die Mitarbeiter nicht in Kurzarbeit schicken. Das ist uns gelungen, aber es war eine sehr anstrengende Zeit, die Ungewissheit war schon sehr beängstigend.

Geht es jetzt, nach Öffnung der Geschäfte, wieder bergauf?

Francke: Man merkt in Wald, dass die Menschen sehr solidarisch sind, großes Interesse am Stadtteil haben und bewusst vor Ort kaufen. Teilweise haben wir auch neue Kunden hinzugewonnen, Menschen, die sagen, dass sie den Handel bewusst unterstützen möchten. Aber natürlich bleibt angesichts wieder steigender Coronazahlen die Ungewissheit mit Blick auf den Herbst.

Was hat in der Coronazeit besonders gefehlt?

Francke: Die Gastronomie geschlossen zu sehen, war schon tragisch. Unsere Restaurants und Cafés sind extrem wichtig für die Atmosphäre im Stadtteil. Auch der Ausfall der Walder Theatertage war sehr traurig. Das Zusammenspiel von Kultur und Handel ist etwas Besonderes hier im Stadtteil. Auch „Wald leuchtet“ wird es wohl in der gewohnten Form nicht geben, Menschen, die in Massen zu Aktionen in die Geschäfte strömen, sind derzeit nicht zu verantworten. Wir versuchen jetzt, in kleinem Format etwas auf die Beine zu stellen.

Parallel zum aktuellen Umgang mit den Pandemie-Beschränkungen arbeitet Wald auch am Integrierten Stadtteilentwicklungskonzept (ISEK). Wie ist da der Stand?

Francke: Es ist toll, dass es das ISEK gibt. Wenn die geplanten Maßnahmen umgesetzt werden, wird sich in Wald viel verändern. Für das Grossmann-Grundstück beispielsweise kann ich mir gut eine gemischte Nutzung vorstellen zwischen Wohnen und kleinen innovativen Gewerben oder Start-ups. Ich persönlich hätte mir in dem Konzept noch mehr innovative Ideen gewünscht, etwa einen Coworking Space, bei dem sich kleine Unternehmen Büros und anderes teilen, oder eine Schnellbus-Verbindung zur Uni Wuppertal. Wichtig ist auch, die Jugendlichen einzubeziehen und zu erfahren, was sie sich für ihren Stadtteil wünschen.

Gibt es denn ausreichend Ideen für den Handel?

Francke: Die beste Belebung für den Handel sind Menschen. Die Ideen des ortsnahen Wohnens, auch die geplante Wohnbebauung auf dem Gelände von Breuer & Schmitz, sind da der richtige Ansatz. Es hängt ja so vieles zusammen. Wenn Ärzte aus dem Stadtteil weggehen, gehen auch die Apotheken. Ein Problem vor Ort ist, dass wir, außer bei Edeka und Rossmann, im Ortskern nur kleine Handelsflächen von maximal 200 Quadratmetern haben. Wir brauchen aber auch Gewerbesteuerzahler.

Für 2022 ist im ISEK die Aufwertung der Stresemannstraße vorgesehen. Wie wichtig ist das?

Francke: Die Anbindung zu verbessern, ist ein großes Ziel, dazu gehört auch eine Attraktivierung des Zugangs zu Kaufland. Die Grundversorgung ist ja in Wald gegeben. Aber kleine besondere Geschäfte wie Bdruckt oder Missfilz, die machen den besonderen Charme aus. Es gibt viele Gründe, warum Menschen gerne in Wald leben.

Was wünschen Sie sich für den Stadtteil?

Francke: Ich hoffe, dass ISEK die gewünschten Ergebnisse bringt und dass ein Lenkungskreis, bestehend aus Kirchen, Sportvereinen, Schulen, Handel und allen anderen Akteuren, das Projekt erfolgreich begleitet.

ISEK

Beschluss: Das ISEK wurde im Juni von Stadtplanungsausschuss und Bezirksvertretung Wald beschlossen.

Investition: Bis 2030 sollen 22,8 Millionen Euro in den Stadtteil Wald investiert werden, 15,1 Millionen kommen dabei von Bund und Land.

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