Heimatwerkstatt

Gräfrathern fehlt eine Begegnungsstätte

Jonathan Bürger (M.) führte durch Ketzberg. Hier ist er im Gespräch mit Peter Wilhelm Steinheuer (l.) und Hartmut Ober.
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Jonathan Bürger (M.) führte durch Ketzberg. Hier ist er im Gespräch mit Peter Wilhelm Steinheuer (l.) und Hartmut Ober.

Heimatwerkstatt: Verein bat bei vier Rundgängen um Anregungen.

Von Moritz Berger

Solingen. Auf dem Weg in die Zukunft ist der Stadtteil Gräfrath mit besonderen Herausforderungen konfrontiert. Es gilt, neue Ideen auszuprobieren und zugleich die Traditionen dieses Ortes zu erhalten. In diesem Spannungsfeld möchte die Heimatwerkstatt Gräfrath vermitteln, Altes und Neues miteinander vereinen. Aus der Auseinandersetzung mit der vertrauten Umgebung will der Heimatverein Gräfrath, der das Projekt betreut, Ideen für die Zukunft schöpfen.

„Wir schauen, was da ist und was sein könnte, um unseren Stadtteil attraktiver zu machen“, erklärte Thomas Zühlke. Der Projektleiter der Heimatwerkstatt hatte für den vergangenen Samstag zu verschiedenen Spaziergängen durch den Bezirk eingeladen. Dabei erkundeten 20 Bürgerinnen und Bürger den Stadtteil, um Besonderheiten herauszuarbeiten und sich der Alleinstellungsmerkmale Gräfraths bewusst zu werden.

„Wir haben es geschafft, Menschen zu motivieren, die sich für die Zukunft von Gräfrath engagieren möchten.“

Thomas Zühlke, Projektleiter Heimatwerkstatt

Die hochsommerlichen Temperaturen, die die Spaziergänge beschwerlicher hatten werden lassen, tauschte man gegen den kühlen Gemeindesaal der evangelischen Kirche an der Zwinglistraße. Bei Getränken und Schnittchen konnten die Teilnehmer des Workshops „Besonderes Gräfrath“ ihre Beobachtungen miteinander teilen. Dabei wusste etwa jene Gruppe, die rund um den historischen Ortskern unterwegs war, zu berichten: Der Brandteich sei eine Fläche mit viel Potenzial, ebenso wie der Innenhof des Klingenmuseums, der zudem noch einen schönen Ausblick verspreche. Mit Blick auf den Marktplatz regte man zusätzliche Fahrradständer, eine größere Barrierefreiheit der Terrassen und „vor allem mehr Begrünung“ an. In diesem Zusammenhang wünschten sich einige Teilnehmer auch „mehr Mut für eine verkehrsberuhigte Zone“; ein Vorschlag, auf den die Gegenrede an diesem Abend nicht lange auf sich warten ließ.

Gräfrath soll attraktiver für junge Menschen werden

Weitere Spaziergänge führten auch durch die Wälder an den Wupperhängen und in den Bereich Central bis nach Nümmen, wo es nach Ansicht der Teilnehmer seit Einstellung der Kleinbuslinie kaum eine Alternative zum Auto gebe. In Ketzberg fehle dagegen vor allem ein Treffpunkt für die Bewohnerinnen und Bewohner, den sich die Spaziergänger dieses Workshops auf dem Hof der Grundschule oder dem Kirchplatz vorstellen könnten.

Doch einen Ort zu finden, sei nicht das Problem, ebenjener müsse jedoch auch belebt werden. Immer wieder fällt am Samstag auf, dass den Teilnehmern vor allem soziale Begegnungsstätten fehlen und damit Orte, an denen das Leben stattfindet. Dabei „wollen wir auch die Jugend und ihre Vorstellungen für Gräfrath hören“, betonte Projektleiter Thomas Zühlke. Das Motto der Heimatwerkstatt „Traditionen bewahren und Zukunft wagen“ spiegele nämlich auch ein Generationenproblem im Stadtteil wider. Während die Bewohner Gräfrath sehr treu sind, ist auch ihr Altersdurchschnitt relativ hoch, so Zühlke. Gleichzeitig wolle man den Bezirk auch für junge Menschen attraktiver machen.

Eine Gelegenheit, um diesen Dialog zu führen und neue Ideen zu sammeln, biete daher die Heimatwerkstatt Gräfrath. Inzwischen habe man rund 140 Menschen miteinander ins Gespräch gebracht. Für Thomas Zühlke nimmt das Projekt eine „immer größere Eigendynamik“ an, so dass er „guter Hoffnung“ auf den Abschluss im Oktober blickt. Dann soll die Ideensammlung an die Stadtverwaltung übergeben werden.

Bis dahin thematisiert ein weiterer Workshop der Heimatwerkstatt die Situation der Jugendlichen in Gräfrath, ein anderer möchte die Vereine im Stadtteil zusammenbringen. Derweil freut sich Zühlke über das bisherige Engagement der Bürgerinnen und Bürger, denn viele Menschen seien zurzeit mit anderen Problemen beschäftigt. „Trotzdem haben wir es geschafft, Menschen zu motivieren, die sich für die Zukunft von Gräfrath engagieren möchten“.

Hintergrund

Die Heimatwerkstatt Gräfrath wird mit Mitteln eines Förderprogramms des NRW-Heimatministeriums unterstützt und vom Heimatverein organisiert. Dabei sollte das Projekt bereits im Jahre 2020 stattfinden, musste jedoch pandemiebedingt verschoben werden. Der nächste Workshop zur Situation der Jugendlichen findet am 3. September statt, am 8. Oktober stehen die Vereine im Mittelpunkt. Beginn der zwei- bis dreistündigen Workshops ist jeweils um 17 Uhr. Die Ergebnisse der Heimatwerkstatt werden am 22. Oktober bei der Abschlussveranstaltung auf dem Gräfrather Markt präsentiert.

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