Markt

Gräfrather verabschieden „Käse-Carmen“

Der Gräfrather Heimatverein hatte am Karsamstag eine kleine Verabschiedung für Carmen Kretzer (vorne rechts) organisiert. Blumen und andere Geschenke überreichte unter anderem der Gräfrather Bezirksbürgermeister Peter Hanz (vorne links). Foto: Michael Schütz
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Der Gräfrather Heimatverein hatte am Karsamstag eine kleine Verabschiedung für Carmen Kretzer (vorne rechts) organisiert. Blumen und andere Geschenke überreichte unter anderem der Gräfrather Bezirksbürgermeister Peter Hanz (vorne links).

Carmen Kretzer verkaufte am Karsamstag zum letzten Mal auf dem Marktplatz.

Von Jutta Schreiber-Lenz

Solingen. Zum Abschied gab es Blümchen und herzliche Dankesworte: Sowohl Karl-Gerd Hankammer als Vorsitzender des Gräfrather Heimatvereins als auch Bezirksbürgermeister Peter Hanz (SPD) hatten es sich nicht nehmen lassen, Carmen Kretzer festlich in den selbstgewählten, endgültigen Ruhestand zu verabschieden. Auch Udo Feck war als Stammkunde da, um ein letztes Mal bei seiner „Käsefrau“ einzukaufen. „Damit geht der letzte Mohikaner auch noch, und der Gräfrather Markt ist wieder Geschichte“, sagte Peter Hanz bedauernd.

Vor 14 Tagen erst hatte die Betreiberin des beliebten Käsestandes ihre Kunden über das Aus informiert. Im letzten Jahr sei dieser Gedanke in ihr gereift, sagt Carmen Kretzer in einer kurzen Pause zwischen zwei Kunden, denen sie in gewohnter Manier vier Scheiben hiervon, drei Scheiben davon und fünf Scheiben einer weiteren Käsesorte abschneidet und sorgfältig abgewogen in Papier verpackt. „Aber ich werde, für mich an diversen kleinen Zipperlein spürbar, nicht jünger.“ Das eigentliche Aus hatte die 73-Jährige sogar schon für Weihnachten geplant, dann aber doch noch mal verschoben: bis Ostern eben.

Leicht falle ihr der Abschied nicht, bekennt die herzliche Fachverkäuferin, die ihre berufliche Laufbahn in einer Metzgerei an der Schulstraße gestartet hatte und nach diversen Zwischenstationen sieben Jahre auf dem Gräfrather Marktplatz stand. „Jeden Samstag, bei Sonne, Regen oder Schnee“, wie Karl-Gerd Hankammer in seinen Abschiedsworten betonte.

Als Gemüsehändler Dirk Stenzel vor ein paar Jahren zu einem Wiederaufleben der Wochenmärkte in den Stadtteilen Gräfrath, Höhscheid und Unterburg aufrief, war Carmen Kretzer sofort und voller Überzeugung dabei. Nicht nur in Gräfrath, auch in Unterburg verkaufte sie ihre Waren. „Aber bis auf Gräfrath waren das leider alles keine Erfolge“, erinnert sie sich bedauernd. „Hier hat es noch am längsten ganz gut geklappt.“ Zwar waren recht schnell außer ihr nur noch ein Metzger, ein Bäcker und der Gemüsestand von Stenzel vor Ort - aber „wir haben uns immer wieder nach anderen Markt-Beschicker-Kollegen umgesehen, um entstandene Lücken zu füllen und so lief das Ganze ein Weilchen ganz gut“, sagt sie.

Der Knick sei dann mit dem Ausscheiden von „Motor“ Dirk Stenzel gekommen: Aus gesundheitlichen Gründen zog dieser sich recht plötzlich zurück – „und von da an ließ sich die Abwärtsspirale nicht mehr aufhalten“. Carmen Kretzer konnte sich in all den Jahren über mangelnden Zuspruch aber nicht beschweren. „Meine Kundschaft wurde gefühlt immer treuer, und das Ganze wurde immer persönlicher.“ Ehrensache also, dass jeder, der am Samstag noch einmal gekommen war, ein zusätzliches Päckchen zum Einkauf dazu bekam: zum Beispiel ein Stück des bei ihren Kunden besonders beliebten Rahm-Käses.

„Meine Kundschaft wurde gefühlt immer treuer.“

Carmen Kretzer

Kein Wunder, dass Carmen Kretzer am Samstag auch ein paar Tränen verdrückte. Sie werde den Stand vermissen, bekannte sie ehrlich. Die Beratung interessierter Käse-Freunde, die Schwätzchen mit ihnen am Rande und die schöne Kulisse im Herzen von Gräfrath. Trotzdem freue sie sich auf das neue Lebenskapitel, das nun vor ihr liegt. Nur auf dem Sofa sitzen, kommt für die rührige Person hingegen nicht in Frage. Dass sie sich ehrenamtlich engagieren wird, steht fest. Noch sei aber nicht entschieden, wo. „Als Vorlese-Patin vielleicht“, sagt sie und hofft auf ein schnelles Ende der Ausnahmesituation aufgrund der Pandemie.

Wochenmarkt

Als der Gräfrather Wochenmarkt unter der Regie von Dirk Stenzel neu gestartet wurde, setzten alle große Hoffnungen in ihn. Schließlich fehlt im Ortsteil bis heute ein naher Supermarkt. Viele Kunden genossen zunächst das Einkaufen im alten Ortskern. Nach dem Ausscheiden von Dirk Stenzel kam René Möller aus Haan mit seinem Gemüsestand, blieb aber nur kurz. So wie für viele Standbetreiber an dieser Stelle, rechnete sich für ihn der Aufwand auf lange Sicht nicht. Auch in Höhscheid, wo er Stenzel ersetzte, gab er wieder auf.

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