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Gräfrath: Ateliers sind fester Bestandteil des Künstlerdorfs

Andre Peer hat 1982 In der Freiheit das frühere Atelier von Ulle Huth übernommen. Oft arbeitet er aber auch auf Mallorca.
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Andre Peer hat 1982 In der Freiheit das frühere Atelier von Ulle Huth übernommen. Oft arbeitet er aber auch auf Mallorca.

Gräfrath ist seit Jahren ein Schwerpunkt der kreativen Solinger Szene.

Von Karl-Rainer Broch

Solingen. Gräfrath war bereits ein Künstlerdorf, als noch niemand in Solingen an die Güterhallen dachte. Den Anfang machte 1980 Ernst Walsken als Vorsitzender des Vereins Solinger Künstler, als er vorschlug, dass das Haus Küllersberg 1 ausschließlich an Künstler vermietet werden sollte. Die Stadt als Besitzerin folgte dem Rat. Neben der Galerie von Jan Boomers (heute Art-eck Dirk Balke) und dessen Atelier war Hans Brunne 1980 erster Mieter, ihm folgte 1985 Ulle Huth.

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Von Huths Atelier im obersten Stock hat man einen prächtigen Blick auf den Marktplatz. Sie war auch viele Jahre Vorsitzende der Solinger Künstler und für viele Impulse verantwortlich. Sie malt abstrakte Bilder („immer ohne Titel“) und nahm dreimal von 1990 bis 1992 an der Bergischen Kunstausstellung teil.

Ihr Kollege Hans Brunne, inzwischen mit 86 Jahren der Nestor im Solinger Kunstgeschehen, fertigt im Erdgeschoss-Atelier ebenfalls Abstraktes, aber großflächig und mit immer neuen Materialien. „Mein Werkverzeichnis im Internet ist aber noch nicht vollständig“, erklärt er. Im ersten Stock des Künstlerhauses malt der Vietnamese Tuan Anh Do, der 2020 zu den Künstlern gehörte, die ihre Bilder in Solingen auf Großleinwänden ausstellten.

Ulle Huth war bereits während der Anfangszeiten in den 1980er Jahren im Künstlerhaus am Küllersberg dabei.

Impulsgeber des Gräfra-ther Kunstgeschehens ist zweifellos Dirk Balke, der nicht nur in seiner Galerie Künstler aus der ganzen Welt nach Solingen bringt, sondern auch lokale Interpreten berücksichtigt. Er kehrte vor einigen Wochen aus Düsseldorf in seine Heimatstadt zurück und arbeitet jetzt in seinem neuen Atelier neben seiner Wohnung In der Freiheit. „Mein Ziel ist es, bei großen Festen wie Lichterzauber oder Kunst und Kostbarkeiten Künstler, Geschäftsleute und Gaststätten zu gemeinsamem Tun zu bewegen.“

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Im Atelier, das jetzt unterteilt ist für Malerei, Skulptur, Büro und Lager, arbeitet er an einem lebensgroßen Dobermann-Hirsch. „Dafür habe ich vom Land wieder ein Künstlerstipendium bekommen.“ Balke hatte im vergangenen Jahr mit seinem ersten Corona-Stipendium einen Unterstand auf dem Gräfrather Friedhof ausgeschmückt.

Dirk Balke ist der Impulsgeber des Gräfrather Kunstgeschehens. Er hat seinen Schaffensschwerpunkt wieder nach Gräfrath verlegt.

Auch Christine Koester, die zusammen mit ihrem Mann Gerhard Lauster ebenfalls In der Freiheit wohnt und arbeitet, hat ein NRW-Stipendium erhalten. Zwei ihrer vier Objekte aus polierter Bronze sind bereits fertig: „Sie heißen Fokus und Balance, für die Dritte, die durch das Stipendium finanziert wird, habe ich noch keinen Namen, ebenso wie für das geplante vierte Objekt.“

Das Künstlerpaar wohnt an einem historischen Gräfrather Ort, der ehemaligen Gießerei „Mell’sche Hötte“. Gerhard Lauster ist stolz auf die im Grünen gelegenen Gebäude: „Die Hinterhof-Fabrik wurde ab 1850 betrieben, ist also eines der ältesten Gebäude in Gräfrath.“ Er hat als gelernter Ziseliermeister für namhafte Künstler Modelle entworfen, zum Beispiel den „Großen Herkules“, eine 18 Meter große Skulptur von Markus Lüpertz, einem der bedeutendsten deutschen Gegenwartskünstler. Er selbst hat sich als Autodidakt auf Fundstücke vom Schrott spezialisiert, die er zu Skulpturen verarbeitet. „Ich mache aus Kaffeepads Porträts und Figuren, ebenfalls Schmuck aus alten Schlüsseln.“

Christina Koster und Gerhard Lauster wohnen und arbeiten In der Freiheit. Ihr Atelier ist in einer alten Hinterhof-Fabrik.

Ebenfalls In der Freiheit findet man die Ateliers von Malerin Heike Buschkotte-Leichsenring (Galerie Bukolei seit 2013) und Andre Peer. Dieser hatte 1982 das Atelier von Ulle Huth übernommen, blickt auch auf den Marktplatz, ist aber selten in Solingen, sondern öfters in seiner Galerie auf Mallorca.

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