Solinger erhält Goldenen Meisterbrief

Goldschmied Berthold Hloschek: Über 60 Jahre mit Leidenschaft für das Handwerk

Seit mehr als 60 Jahren ist Berthold Hloschek Goldschmied. Jüngst hat er seinen Goldenen Meisterbrief erhalten.
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Seit mehr als 60 Jahren ist Berthold Hloschek Goldschmied. Jüngst hat er seinen Goldenen Meisterbrief erhalten.

Goldschmied Berthold Hloschek hat jüngst seinen Goldenen Meisterbrief erhalten – bis heute geht der 77-Jährige seinem Beruf nach.

Von Manuel Böhnke

Solingen. Berthold Hloschek ist Sportler. Für den SSC 95/98 spielte er Fußball, beim Wiescheider Tennisclub schlägt er in der Niederrheinliga auf, mit den Volleys gewann er unlängst die Deutsche Meisterschaft der Ü73 im Volleyball. „Ehrgeiz gehört dazu“, findet der 77-Jährige. Dieses Motto lebt er nicht nur auf Platz und Feld, sondern auch bei der Arbeit. „Jede Herausforderung ist gut“, sagt der Goldschmied. Seit mehr als 60 Jahren geht Hloschek diesem Beruf nach, der für ihn mehr ist als Broterwerb. Jüngst hat ihm die Handwerkskammer den Goldenen Meisterbrief überreicht.

Geboren ist der Sohn eines Uhrenmachermeisters im heutigen Tschechien, kam als Vertriebener nach Bayern, im Alter von zwölf Jahren nach Solingen. „Als Junge fand ich es toll, mit Holz zu arbeiten“, erinnert sich Hloschek. Dennoch nahm er keine Schreinerlehre auf, sondern ließ sich zum Goldschmied ausbilden. Er merkte sofort: „Das ist meins.“

Bis heute hat sich daran nichts geändert. Wenngleich seine Tochter Andrea Hloschek die Goldschmiede am Breidbacher Tor seit 2015 führt, ist der Gründer noch oft vor Ort, in der Regel viermal pro Woche. Mit den Aufgaben eines Geschäftsführers muss er sich nicht mehr herumschlagen. Er kann sich auf das fokussieren, was ihm Freude bereitet: das Handwerk.

„Goldschmied ist ein anspruchsvoller Beruf“, sagt Berthold Hloschek. Logisches Denken und handwerkliches Geschick seien essenziell, Kreativität ebenso. „Wir müssen täglich Lösungen finden.“ Das ist es, was den 77-Jährigen fasziniert: Menschen betreten das Geschäft mit mehr oder weniger klaren Vorstellungen, er steckt ab, was umsetzbar ist, setzt eigene Akzente. Je nach Komplexität können in einem Ring 20 bis 30 Arbeitsstunden stecken. An besondere Projekte kann er sich noch Jahrzehnte später erinnern.

„Goldschmied ist ein anspruchsvoller Beruf.“

Berthold Hloschek

Diese Akribie sei bis heute Teil der Firmenidentität, sagt Andrea Hloschek. Die Kunden, darunter viele junge, honorieren das. Verlobungs- und Hochzeitsringe kaufen sie am Breidbacher Tor, Schmuck für Geburtstage oder zu Weihnachten – gesucht wird Individuelles zu besonderen Anlässen.

„Ich habe immer versucht, die Liebe für meinen Beruf weiterzugeben“, betont Berthold Hloschek. Gelungen ist ihm das in der Familie. Nicht nur die Tochter ist in den Betrieb eingestiegen, auch Enkelin Mira Augustin und Jessica Augustin, die Ehefrau seines Enkels, gehören zum sechsköpfigen Team. Die drei Generationen sind sich einig: Aus einem Stück Metall etwas zu Schaffen und die Freude der Kunden zu sehen – Besseres gibt es nicht.

18 jungen Menschen bildete Berthold Hloschek aus. Auch diese Aufgabe hat seine Tochter übernommen, wenngleich es sich der Senior nicht nehmen lässt, mitzureden. Andrea Hloschek stört das nicht: „Wir profitieren sehr von seiner Erfahrung.“

Lange war Berthold Hloschek Lehrlingswart. Verständnis für Ausbilder, die ihre Nachwuchskräfte auflaufen lassen, fehlt ihm: „Ich kann nichtnachvollziehen, warum man jungen Menschen nicht weiterhilft.“ Freiraum müsse man ihnen geben, Fehler verzeihen. Entscheidend sei, dass sie für den Beruf brennen.

Er erzählt, dass einige seiner ehemaligen Schützlinge heute Meister sind, Geschäfte führen. Angst, Konkurrenz von morgen anzuleiten, habe er nie verspürt. Wenn sich jemand für das Handwerk einsetzt, sei das gut für alle. Zumal das Interesse an Ausbildungsplätzen nicht mehr so groß sei wie in früheren Jahren.

Er selbst hat das Fach bei Hess an der Kirchstraße gelernt. Als Geselle arbeitete er in unterschiedlichen Werkstätten, machte sich 1974 mit Ehefrau Sigrid selbstständig. Geschäft und Werkstatt am Breidbacher Tor existieren seit 1986.

Pausen gönnt sich der 77-Jährige eher selten. Vor knapp 20 Jahren erlitt er eine schwere Hirnblutung. Es dauerte zwei Monate, bis er wieder im Laden stand. „Ich hatte solche Energie, ich wollte Bäume ausreißen.“ Viel scheint er davon nicht eingebüßt zu haben. Seine 77 Jahre merkt man Berthold Hloschek nicht an. Derzeit arbeitet er an einem Verlobungsring. In die goldene Fassung kommt ein Brillant, 0,7 Karat. Zwölf Arbeitsstunden stecken darin. „Manchmal ist das wie Erholung.“

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