Projekt

Gläserne Werkstatt: Start wohl erst im Frühjahr 2022

Die „Gläserne Werkstatt“ entsteht im alten Appelrath-Cüpper-Gebäude. Das Innere das früheren Modehauses wurde in den vergangenen Monaten ausgebaut. Foto: Christian Beier
+
Die „Gläserne Werkstatt“ entsteht im alten Appelrath-Cüpper-Gebäude. Das Innere das früheren Modehauses wurde in den vergangenen Monaten ausgebaut.

Vorbereitungen laufen auf Hochtouren - Vor dem Start wird das Gebäude saniert

Solingen. Erneut wird nach Angaben der Städtischen Entwicklungsgesellschaft (SEG) der Start der Gläsernen Werkstatt an der Hauptstraße verschoben. Statt Herbst nennt die von Stadtdirektor Hartmut Hoferichter und dem städtischen Beamten Carsten Zimmermann geführte Gesellschaft nun das Frühjahr 2022. Hauptgrund für die Verzögerungen sind Absprachen mit den Eigentümern des Gebäudes über den Umfang der Renovierungen gewesen, da es einen langjährigen Sanierungsstau durch die Nichtnutzung des Gebäudes gegeben habe. Das habe sich etwas verzögert, erklärt Hoferichter. Derweil laufen parallel die Vorbereitungen weiter, die Werkstatt vom Start weg mit Leben zu füllen.

Die Gläserne Werkstatt ist Teil eines gemeinsamen Projekts der Stadt Solingen mit der Bergischen Struktur- und Wirtschaftsförderungsgesellschaft (BSW), die für sieben Projekte 4,4 Millionen Euro erhielt. Dieses Regio.NRW genannte Förderprogramm wird aus Mitteln des Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) und des Landes NRW finanziert. Mit einem Eigenanteil investiert die Stadt Solingen knapp zwei Millionen Euro in das Projekt. Eröffnet werden sollte eigentlich schon im Herbst 2019. Im März 2019 hatte Oberbürgermeister Tim Kurzbach (SPD) erklärt: „Dieses Projekt fördert das Zusammenspiel in der Bergischen Region und schafft einen interessanten Anziehungspunkt für Einheimische und Touristen in der Innenstadt.“

Es hakte an den Absprachen zwischen den Eigentümern und der Stadtentwicklungsgesellschaft

„Das Gebäude wurde zehn Jahre lang nicht genutzt“ Stadtdirektor Hartmut Hoferichter zum Grund für den Sanierungsstau.

Ursprünglich war der Förderzeitraum bis Ende 2022 angesetzt. Über diesen Zeitpunkt blicke man hinaus, erklärt Stadtsprecherin Sabine Rische. Es gehe jetzt auch darum, die Zeit nach der Förderung gleich mit zu planen, damit die Werkstatt zukunftsfähig aufgestellt wird. Doch es hakte offensichtlich bisher an den Absprachen zwischen den Eigentümern des Geschäftshauses, in dem früher Appelrath Cüpper saß, und der Stadtentwicklungsgesellschaft.

Dazu erklärt die städtische GmbH: „Das Gebäude wurde zehn Jahre lang nicht genutzt, sein Zustand ist überholt. Wie groß der Erneuerungsaufwand tatsächlich ist, haben Untersuchungen gezeigt, die zum Teil aber erst durchgeführt werden konnten, nachdem alle Bauteile freigelegt waren.“ Inzwischen sei eine Verständigung mit den Eigentümern erfolgt, berichtet Stadtdirektor Hartmut Hoferichter. Diese Gespräche beschrieben das Vorgehen: Brandschutz, Elektroinstallation oder Lüftungssysteme müssen jetzt komplett erneuert werden. Zudem wurden im Objekt Schadstoffe gefunden, die es zunächst zu entsorgen gilt. Die Kosten seien ermittelt und die Stadt führe als Mieter der Gläsernen Werkstatt die Arbeiten jetzt für das gesamte Gebäude durch. Voraussichtlicht sind laut Hoferichter bis September die Arbeiten ausgeschrieben und können dann sofort durchgeführt werden.

Das Gebäude wurde zehn Jahre lang nicht genutzt.

Hartmut Hoferichter, Stadtdirektor

„Schneiden“ und „Geschnittenes“ sind die Themen des Markenkerns der Gläsernen Werkstatt, der mit Unternehmen, Verbänden und Vereinen erarbeitet wurde. Auch steht bereits fest, dass es einen Empfangsshop geben wird. Passend zur Themenwelt werden eine Schneidwarenwerkstatt sowie weitere Werkstatträume zur flexiblen Nutzung errichtet. Ein modulares System aus Kuben, die ganz individuell zur Präsentation oder als kleine Werkstatt aber auch zum Verkauf genutzt werden können, gehören ebenso zur Ausstattung der Werkstatt. Dazu soll sich noch eine Präsentationsküche gesellen, die für Workshops genutzt werden kann. Schließlich wird es noch ein Innovationsforum geben. Es soll als Dialog- und Demonstrationsplattform funktionieren und zudem auch die Möglichkeit bieten, Produkte und Produktwege zu testen.

Obwohl es bereits Interessenten gibt, müssen sie sich noch einem Auswahlverfahren stellen. Das soll auch noch in diesem Jahr starten. Sie sollen sich mit ihren Angeboten auch diesem Grundsatz der Gläsernen Werkstatt orientieren: Regionale Produkte und Produzenten erhalten eine Plattform, um Schneidwaren zu präsentieren, Teil der Visionsschmiede und des Innovationslabors zu sein.

Ablauf

Im September beginnt die Schadstoffsanierung im Gebäude an der Hauptstraße. Auch alle anderen Arbeiten am Gebäude, die im Anschluss ab Oktober starten sollen, koordiniert die Stadtentwicklungsgesellschaft Solingen (SEG) für die Eigentümer. Sobald die Sanierungen abgeschlossen sind, kann die Gläserne Werkstatt eingerichtet werden. Auch das ist Aufgabe der SEG.

www.seg-solingen.de

Standpunkt: Werkstatt braucht Tempo

philipp.mueller@solinger-tageblatt.de

Kommentar von Philipp Müller

Die Verzögerung der Öffnung der Gläsernen Werkstatt ist zunächst ein Ärgernis. Vollmundig wurde sie vom Rathaus seit 2018 angekündigt. Erst für den Herbst 2019, jetzt irgendwann vor dem Sommer 2022. Doch man darf auch Nachsicht mit dem Rathaus haben. Die Idee, sich für ein solch modernes Angebot das lange leerstehende Gebäude von Appelrath Cüpper, vormals Klasing & Baumann, auszusuchen, hat nämlich auch Charme. Es steht für den Wandel von der Zeit, in der alles auf die Karte Einzelhandel gesetzt wurde, hin zum Zeitalter der mehrfachen Nutzung von Innenstadt-Immobilien. Doch die Blaupause für die Wiederbelebung der City an noch so manche Stellen hat Eselsohren. Es zeigt sich, dass Eigentümer mitspielen müssen, will man neuen Konzepten nicht die Wege zustellen. Das scheint am Standort Hauptstraße jetzt zu gelingen. Glattgebügelt ist damit die Blaupause aber noch nicht. Jetzt muss auch Leben in die Bude. Zeit wurde bisher genug verschenkt. Da muss jetzt Tempo rein, soll das als Leuchtturm gedachte Projekt zukunftsweisend leuchten.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Mordprozess Hasseldelle: Gutachter stufen Angeklagte als voll schuldfähig ein
Mordprozess Hasseldelle: Gutachter stufen Angeklagte als voll schuldfähig ein
Mordprozess Hasseldelle: Gutachter stufen Angeklagte als voll schuldfähig ein
Wer erkennt das Gebäude?
Wer erkennt das Gebäude?
Wer erkennt das Gebäude?
Psychische Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen: Diagnose ist der erste Schritt
Psychische Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen: Diagnose ist der erste Schritt
Psychische Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen: Diagnose ist der erste Schritt
83-Jähriger verstirbt nach Verkehrsunfall am Werwolf
83-Jähriger verstirbt nach Verkehrsunfall am Werwolf
83-Jähriger verstirbt nach Verkehrsunfall am Werwolf

Kommentare