Ausstellung im Klinikum

Gewalt gegen Frauen: So läuft die anonyme Spurensicherung ab

Erklärten Hintergründe (v. l.): Dorothea Grabe, Sandra Steverding, Dr. Manfred Hilscher, Dr. Melanie Bentin, Dr. Martin Eversmeyer und Beate Schwemin
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Erklärten Hintergründe (v. l.): Dorothea Grabe, Sandra Steverding, Dr. Manfred Hilscher, Dr. Melanie Bentin, Dr. Martin Eversmeyer und Beate Schwemin

Der internationale Gedenktag „Nein zu Gewalt gegen Frauen und Mädchen“ am 25. November ist weltweit zum Symbol geworden, sich gegen Unrecht an Frauen zu wehren.

Von Jutta Schreiber-Lenz

Solingen. Das Klinikum nimmt den Tag zum Anlass für eine Ausstellung über anonyme Spurensicherung nach sexualisierter Gewalt. Sie läuft bis zum 5. Dezember. Erklärt wird darin, wie das Verfahren funktioniert und wo Betroffene Hilfe und Beratung finden.

Dem Ausstellungsort im Solinger Klinikum (SKS) kommt dabei eine besondere Bedeutung zu. Seit drei Jahren nämlich bieten die Ärztinnen und Ärzte der Zentralen Notfallambulanz in Zusammenarbeit mit anderen SKS-Fachabteilungen Frauen die Möglichkeit an, die Spuren der Tat nach sexuellen Übergriffen anonym sichern zu lassen. Diese können dann bis zu zehn Jahre später noch abgerufen und für ein Strafverfahren verwendet werden.

„Dieses bewusst niederschwellige Angebot bietet betroffenen Frauen die Möglichkeit, die erfahrene Gewalt erst einmal sacken zu lassen und einen klareren Kopf zu bekommen“, sagt Dorothea Grabe, Gleichstellungsbeauftragte im Klinikum. „Später kann sie in Ruhe zu entscheiden, ob sie eine strafrechtliche Täterverfolgung möchte oder nicht.“ Grabe hat das Projekt, gemeinsam mit der Frauenberatungsstelle, im Klinikum verankert. Oftmals seien die Täter im Familien- oder Freundesumfeld der Frauen, erläuterte Beate Schwemin. „Entsprechend scheuen Frauen oft zurück bei dem Gedanken an eine Anzeige. Sie sind oftmals emotional belastet, haben Angst, schämen sich oder suchen gar die Schuld bei sich selbst.“ Die Möglichkeit, weder den Namen noch Personalien oder eine Krankenkasse abgeben zu müssen – vor der umfangreichen ärztlichen Untersuchung zur Spurensicherung, schaffe erst einmal Luft. Das Personal in der Notfallambulanz sei für solche Fälle geschult und leite die Frauen schnellstmöglich zur ärztlichen Betreuung weiter, erläutert Dr. Melanie Benthin, Oberärztin in der gynäkologischen Klinik.

„Wir pflegen die Untersuchungsergebnisse in eine Software ein, die uns mithilfe einer Fallnummer ermöglicht, die gespeicherten Daten abzurufen, wenn das später doch einmal gewünscht werden sollte. Nach sorgfältiger und sensibler Diagnostik nehmen wir uns Zeit, um die nun möglichen Wege für die hilfesuchende Frau aufzuzeigen“, sagt Benthin. Kontakt zur Frauenberatungsstelle aufzunehmen, stehe dabei ganz oben. „Wir wiederum geben psychologische Betreuung an die Hand und stehen als Lotse und Backup zur Verfügung“, sagt Beate Schwemin. Manchmal liefe der Weg auch andersherum: „Frauen, die sexualisierte Gewalt erfahren haben, rufen uns an – und wir versuchen dann zu überzeugen, das eine anonymisierte Spurensicherung in jedem Fall gut ist.“ Natürlich gelte für die Beweissicherung das Prinzip: „so schnell wie möglich“ Aber eben auch: „Besser später als gar nicht“.

Ausstellung soll das Thema ins Bewusstsein rücken

Wie viele der zunächst anonymisierten Fälle später doch noch angezeigt werden, bleibt im Dunkeln. „Wir reden im Jahr im Schnitt über fünf Frauen, die zu uns gekommen sind, seit das Kooperationsprojekt hier im Klinikum angedockt ist“, sagt Benthin und betont: „Diese fünf Frauen wären ohne die Möglichkeit, anonym zu bleiben, nicht gekommen.“

Die neue Ausstellung, die aus mehreren Comiczeichnungen in Plakatgröße besteht und im Klinikum im Hauptdurchgang zu den Aufzügen hängt, soll Blicke auf sich ziehen und das Thema ins Bewusstsein der Gesellschaft rücken. Auf diese Weise werde schlicht, aber korrekt und schnell erfassbar erläutert, wie eine anonymisierte Spurensicherung im Klinikum abläuft. Die verschiedenen Stationen vom Erstkontakt am Eingangstresen über die Untersuchung bis zur Beratung sind plastisch dargestellt.

Ausstellung

Neben der Frauenberatungsstelle zeigt auch das Rathaus, die Stadtsparkasse Solingen im Hofgarten und in Ohligs, die Volkshochschule und der Personalbereich des Gerhard-Berting-Hauses die Ausstellung.

Kontakt: Frauenberatungsstelle Solingen, Tel. (02 12) 5 54 70

www.frauenberatung-sg.de

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