Bund und Land diskutierten neue Regeln

Gesundheitsamt will so wenig Quarantänen wie möglich

Das Testergebnis landet innerhalb von 24 Stunden auf der Corona-App.
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Das Testergebnis landet innerhalb von 24 Stunden auf der Corona-App.

Die von Bund und Land diskutierten neuen Regeln für die Schulen sind noch keine Rechtsgrundlage für die Stadt.

Von Simone Theyßen-Speich

Dr. Annette Heibges leitet den Stadtdienstes Gesundheit.

Solingen. Bei Infektionen in den Schulen nur noch die Sitznachbarn für mindestens fünf Tage in die Quarantäne zu schicken – das ist das Ergebnis der bundesweiten Beratungen. NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann will bei nur einem Fall in einer Lerngruppe sogar nur das infizierte Kind in Quarantäne schicken. All das wird derzeit diskutiert. „Es gibt aber noch keinen Erlass und keine Rechtsgrundlage, die uns ermöglicht, unser Verfahren vor Ort umzustellen“, erklärt die Leiterin des Stadtdienstes Gesundheit Dr. Annette Heibges.

Derzeit richte man sich in Solingen nach wie vor nach den aktuellen Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts (RKI) und der geltenden Corona-Schutzverordnung. „Unser Ziel ist es, Quarantänen möglichst zu vermeiden“, erklärt Heibges. So betrachte man jeden Einzelfall ganz genau, wenn möglich, werden nur enge Kontakte in Quarantäne geschickt.

Als Beispiel nennt sie einen Sportkurs, der mit Maske Völkerball gespielt hat und in dem ein Junge infiziert war. „Die Jungen mussten in Quarantäne, weil sie ohne Maske in der Umkleide eng beisammen waren, die Mädchen mussten nicht in Quarantäne.“ Bei Ganztagsgruppen, die längere Zeit beim Mittagessen zusammensitzen und spielen, müsste die Gruppe, die isoliert werden muss, manchmal größer gefasst werden. „Aber wir versuchen, wo immer es geht, Quarantänen zu vermeiden“, betont Dr. Annette Heibges.

Das sei angesichts der aktuell hohen Zahl von infizierten Schülern aber nicht immer möglich. 1587 Solinger sind aktuell in Quarantäne, abzüglich der 424 Infizierten sind somit 1163 Menschen in Kontaktquarantäne. Darunter waren, Stand Mittwoch, 706 Kinder und Jugendliche aus Kitas und Schulen, 100 von ihnen selbst infiziert. Die höchste Inzidenz gibt es bei den 10- bis 14-Jährigen, die Rate bei den 6- bis 9- und den 15- bis 18-Jährigen liege etwa gleich auf.

Trotz der hohen Zahlen könne das Gesundheitsamt bei den Neuinfizierten tagesaktuell reagieren. „Das Informieren der Kontaktpersonen ist natürlich abhängig davon, wie schnell wir die Liste von dem Infizierten bekommen“, so Heibges. Ausbrüche in Schulen könnten hingegen kaum tagesaktuell abgearbeitet werden. Wenn etwa in den Grundschulen und Kitas bei den Lolli-Tests, die als gesammelter Pool-Test der ganzen Gruppe ins Labor gehen, ein positiver Fall ist, müssen erst noch die einzelnen Tests der Kinder geprüft werden. Dann werden mit der Einrichtung die Kontakte gecheckt und erst dann die Familien informiert. „Schneller zu sein, bedeutet größere Gruppen in Quarantäne zu schicken, und genau das wollen wir ja nicht.“

Auf 100 Personen ist das Team, das die Kontakte anruft, im Gesundheitsamt wieder aufgestockt. „So lange ein großer Teil der erwachsenen Bevölkerung noch nicht geimpft ist, bleibt es schwer, die Pandemie in den Griff zu bekommen“, befürchtet Heibges.

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