Veränderungen im Stadtteil

Gesetzliche ISG Wald ist gescheitert

Hans-Joachim Marten (v. l.), Werner Krautmacher, Dirk Gebel und Bernd Reinzhagen hatten sich für eine ISG eingesetzt.
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Hans-Joachim Marten (v. l.), Werner Krautmacher, Dirk Gebel und Bernd Reinzhagen hatten sich für eine ISG eingesetzt.

Initiatoren können das erforderliche Quorum von zwei Dritteln bei den Immobilieneigentümern nicht erfüllen.

Von Kristin Dowe

Solingen. Nach gut zwei Jahren intensiver Bemühungen dürfte diese Entwicklung bei den Initiatoren für Enttäuschung sorgen: „Wir sehen momentan nicht die Möglichkeit, eine gesetzliche ISG in Wald umzusetzen“, sagt Pfarrer Bernd Reinzhagen, der sich gemeinsam mit weiteren Mitstreitern in Wald für eine Interessen- und Standortgemeinschaft für den Stadtteil nach Ohligser Vorbild eingesetzt hatte. So hätten die Initiatoren im Einvernehmen mit der Stadt die Entscheidung getroffen, die Bemühungen für das Vorhaben einzustellen. Erforderlich wäre ein Quorum von zwei Dritteln unter den Immobilieneigentümern gewesen, die sich offenbar nicht von dem Vorhaben überzeugen ließen. „Das Interesse daran war einfach nicht groß genug“, so Reinzhagen.

Auch eine Verkleinerung des vorgesehenen Satzungsgebiets, das sich in der ursprünglichen Planung vom ehemaligen Rathaus über die Friedrich-Ebert-Straße in Richtung der evangelischen Kirche Wald erstrecken und auch Teile des Walder Schlauchs umfassen sollte, sei für den Verein keine Option, macht Reinzhagen deutlich. „Das rechnet sich einfach nicht für uns.“

Der Verein wolle sich aber die Möglichkeit offen halten, perspektivisch im Sommer eine ISG auf Vereinsebene ohne gesetzlichen Status zu gründen, wenn das Integrierte Stadtteilentwicklungskonzept (ISEK) bald Fahrt aufnimmt.

Rainer Francke wünscht sich frischen Wind für Wald

„Schade“ findet auch Gloria Göllmann, Geschäftsführerin der ISG Ohligs, das Aus einer gesetzlichen ISG für Wald. Sie hatte den Walder Verein zunächst bei seinen Plänen beraten. Warum eine ISG in Ohligs funktioniert und in Wald nicht, lasse sich aber kaum pauschal beantworten, da beide Stadtteile strukturell zu unterschiedlich seien. „Anders als in Wald haben in Ohligs die Eigentümer ja selbst die Initiative für die Gründung einer ISG übernommen“, erinnert sich Göllmann. Zudem dürfte hinzukommen, dass in Ohligs zahlreiche Einzelhändler auch Immobilien besitzen und ein dementsprechend großes Interesse daran haben, etwa in die Erneuerung der Fassaden zu investieren.

Die Ladenbesitzer erhoffen sich für Wald eine Aufbruchstimmung durch das Integrierte Stadtteilentwicklungskonzept.

Doch auch ohne gesetzliche ISG wünscht sich Rainer Francke, Inhaber der Buchhandlung „Bücherwald“, frischen Wind für den Stadtteil: „Ich hoffe, dass durch ISEK wieder eine Aufbruchstimmung in Wald spürbar wird und die Maßnahmen jetzt zügig auf den Weg gebracht werden.“ Das ISEK sieht unter anderem eine Anbindung des Grossmann-Geländes und eine Aufwertung des Walder Marktplatzes vor, der abseits vom Marktgeschehen zurzeit ausschließlich als Parkplatz fungiert. Auch der Walder Stadtsaal, der derzeit zum Verkauf steht, und der Stadtpark könne „wunderbar als Einheit gestaltet werden“, regt Franke an. Die nächsten Schritte des ISEK will die Stadt nun in Angriff nehmen, gestern Abend fand ein Rundgang durch Wald mit Beteiligten für die weitere Planung statt.

Fluktuation und vereinzelte Leerstände in Ladenlokalen

Derweil zeigt sich in den Ladenlokalen in Wald aktuell eine gewisse Fluktuation: Aus Altersgründen wird der Bioladen „Flausch und Flocken“ zum Juli hin schließen, und auch die Zeeman-Filiale an der Friedrich-Ebert-Straße wird den Betrieb einstellen. „Letzter Verkaufstag wird voraussichtlich der 10. August sein“, heißt es aus der Pressestelle des Unternehmens.

Neues Leben kehrt dafür in das zurzeit leerstehende Ladenlokal neben Edeka ein: Dort wird wieder ein Waschsalon den Betrieb aufnehmen, der sich früher schon einmal dort befand. Auch für den Teeladen an der Friedrich-Ebert-Straße hat sich eine Nachmieterin gefunden, die das Geschäft weiterführt. Trotz einzelner Leerstände sieht Bezirksbürgermeisterin Birgit Zeier (SPD) die Situation in Wald positiv: „Wir sind ein kleiner Stadtteil und der tägliche Bedarf ist gedeckt. Außerdem gibt es bei uns noch einige Besonderheiten wie zum Beispiel das schöne Schreibwarengeschäft an der Poststraße. Da können wir uns nicht beklagen.“

Gesetzliche ISG

Voraussetzungen: Anders als bei einer freiwilligen Standort- und Interessengemeinschaft verpflichten sich die Immobilieneigentümer eines Satzungsgebietes bei einer gesetzlichen ISG, sich für maximal fünf Jahre an den Kosten eines Maßnahmenkonzepts zu beteiligen. Auch der Stadtrat hätte einer gesetzlichen ISG zustimmen müssen.

Standpunkt von Kristin Dowe: Kein Grund für Frust

kristin.dowe@solinger-tageblatt.de

Bedauerlich ist es schon, dass die Bemühungen für eine gesetzliche ISG in Wald gescheitert sind, sind gewisse Ziele mit diesem rechtlichen Status doch leichter umzusetzen als in einer freiwilligen ISG. Einem Großteil der Immobilienbesitzer in Wald war die Investition gemessen an dem zu erwartenden Nutzen offenbar am Ende zu hoch. Diese Entscheidung ist natürlich zu respektieren. Denn auch dies ist kennzeichnend für die Stadt Solingen − jeder Stadtteil tickt anders und was in dem einen funktioniert, muss nicht zwingend ein gangbarer Weg für den anderen sein.

Grund zum Frust haben die Walder dennoch nicht, schafft es der Stadtteil doch immer wieder mit besonderen Veranstaltungsformaten wie den Walder Theatertagen oder neuerdings auch Beats & Trödel die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Wenn die Maßnahmen des ISEK nun zügig auf den Weg gebracht werden, wird der Stadtteil hoffentlich noch einmal an Strahlkraft gewinnen.

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