Gericht

Geschädigter verweigert im Raubprozess die Aussage

Im Landgericht Wuppertal findet ein Prozess gegen einen Solinger statt.
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Das Landgericht in Wuppertal.

Unerwarteter Auftakt bei einem Raubprozess vor dem Landgericht

Von Dirk Lotze

Solingen. In einem Prozess um bewaffneten Raub im Treppenhaus eines Wohngebäudes an der Hasselstraße verweigert der 22 Jahre alte Geschädigte seine Zeugenaussage. Er will zuerst mit einem Anwalt sprechen. Mit dieser Wendung zum Verhandlungsbeginn am Montag musste das Landgericht Wuppertal umplanen.

Ausgelöst hatten dies neue Versionen von zwei der vier Angeklagten vom mutmaßlichen Geschehen am 28. Januar 2021: Der 22-Jährige sei nicht Raubopfer, wie die Staatsanwaltschaft anhand der Ermittlungsergebnisse annimmt. Er soll von sich aus angegriffen und verletzt haben.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die drei angeklagten Männer und eine Frau im Alter zwischen 21 und 25 Jahren aus der Stadtmitte im Internet eine Falle stellten: Es würden eine Markenjacke und Schmuck zum Verkauf stehen.

Der 22-Jährige sollte als Kaufinteressent 1600 Euro zu einem Treffpunkt mitbringen, dem späteren Tatort. Dort hätten ihn die beiden älteren Angeklagten beim Warten am Aufzug abgefangen. Sie hätten ihn mit einer Spielzeugpistole bedroht und mit einem Schlagstock verletzt.

Nach Gegenwehr sollen die Angreifer vor das Haus geflohen sein, wo der jüngste Angeklagte in einem Auto gewartet habe. Das habe nicht wegfahren können, weil die Ausfahrt blockiert war. Darauf seien die Hauptangeklagten und die Frau geflohen.

Laut einem Zeugen soll das Opfer die Polizei gerufen haben. Die sei binnen Minuten erschienen. Im Lauf von zwei Monaten wurden die Verdächtigen nach und nach ermittelt; die Hauptangeklagten befinden sich in Untersuchungshaft.

„Wir haben gerade gehört, dass Sie von sich aus erhebliche Gewalt angewendet haben sollen.“

Vorsitzende Richterin zum mutmaßlich Verletzten

Die neue Version kam im Landgericht quasi scheibchenweise zum Vorschein: Nachdem der erste Angeklagte seinen Anwalt eine Aussage hatte vorlesen lassen, zog sich der Zweite mit seinem Verteidiger zurück – und bearbeitete seine Version. Auch die wurde vorgelesen. Der 22-Jährige habe seinerseits eine Falle mit einem angeblichen Drogenangebot gestellt – um selbst zu rauben. Das Gericht verwies auf abweichende Ermittlungsergebnisse zu Spuren und Aussagen in den Akten, durfte aber bei beiden Angeklagten nicht nachfragen. Die beiden Übrigen schweigen.

Den mutmaßlich Verletzten musste die Vorsitzende Richterin anschließend informieren: „Wir haben hier gerade gehört, dass das Ganze auf Sie zurückginge und dass Sie von sich aus erhebliche Gewalt angewendet haben sollen.“ Der Zeuge reagierte in Sekundenbruchteilen: „Kann ich einen Anwalt sprechen?“

Das kann er. Vorläufig bis zum nächsten Verhandlungstag wird der Mann keine Angaben machen. Bis dahin soll er sich beraten lassen.

Fortgesetzt werden soll der Prozess am kommenden Montag.

Gerade erst war am Landgericht ein 27-Jähriger nach einem brutalem Kiosk-Raub verurteilt worden.

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