Nach zweijähriger Corona-Pause

Solingen genießt die Rückkehr der Kulturnacht

Gute Stimmung und weniger Gedränge als bei den vorherigen Ausgaben: Nach zweijähriger Corona-Pause hat sich die Solinger Kulturnacht am Samstag zurückgemeldet.
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Gute Stimmung und weniger Gedränge als bei den vorherigen Ausgaben: Nach zweijähriger Corona-Pause hat sich die Solinger Kulturnacht am Samstag zurückgemeldet.

Wegen mehrerer krankheitsbedingter Ausfälle war Improvisationstalent gefragt.

Von Jutta Schreiber-Lenz

Pünktlich zur vollen Stunde begann in der Merscheider Cobra eine spektakuläre Lasershow.

Solingen. Wer die Wahl hat, hat die Qual – dieses Motto stand am Samstagabend über der zehnten Solinger Kulturnacht. Viele Solingerinnen und Solinger hatten sich aus dem üppigen Angebot ein persönliches Programm zusammengestellt. Zwar sei das Interesse an den Eintrittsbändchen im Vergleich zu den Vorjahren etwas verhaltener ausgefallen, wie Dr. Vera Franke vom Kulturmanagement bei ihrer Begrüßung im Foyer des Theater und Konzerthauses anmerkte. Dennoch stand allen, die an der Veranstaltung gestrickt hatten, die Freude, Erleichterung und Dankbarkeit, das erste Mal seit 2019 wieder eine „echte“ Kulturnacht anbieten zu können, ins Gesicht geschrieben.

„Menschen brauchen Freude in Geselligkeit – gerade auch, um gegen Krisen gewappnet zu sein.“

Oberbürgermeister Tim Kurzbach, Schirmherr der Kulturnacht
Oberbürgermeister Tim Kurzbach (l.) freute sich als Schirmherr über die Rückkehr der Kulturnacht.

Die Vorzeichen waren besondere. Da waren zum einen die bedrückenden Gedanken über den Krieg in der Ukraine. Andererseits erinnerten die zu tragenden Masken an das noch immer omnipräsente Coronavirus. Dennoch stürzten sich die Solinger gut gelaunt in das kulturelle Getümmel. Mittendrin Oberbürgermeister Tim Kurzbach (SPD), der als Schirmherr zuvor ebenfalls seine Freude über die Rückkehr der Kulturnacht bekundet hatte, weil „Menschen Freude in Geselligkeit brauchen – gerade auch, um gegen Krisen gewappnet zu sein.“

Elke Heidenreichs Lesung zog viele Zuhörer in die Stadtbibliothek.

Farbige Linien, zu Fächern gebündelt, tanzten am Samstagabend in der Cobra ein spektakuläres Licht-Ballett: Zu passender Musik schickten sie die Fantasie des beeindruckten Publikums auf die Reise. Die Zuschauer fühlten sich wahlweise in eine Star-Wars-Episode oder ein Märchenland versetzt. 8 Minuten und 48 Sekunden dauerte die üppige Lasershow, die in dieser Spanne immer wieder neue Lichtpfeile zu Fächern zusammenfügte und so mit Farbeffekten überraschte. Pünktlich zur vollen Stunde, der für das Spektakel angesetzten Uhrzeit, füllte sich der große Saal auf, in dem zuvor ein überschaubarer Kreis dem groovigen Sound der Band „son de la goutte“ gelauscht hatte.

Kulturmorgen steht im Zeichen des Krieges

Die Cobra war am Samstagabend einer der zehn Orte, an denen die Fülle der Solinger Kultur sichtbar wurde. Nach zwei Jahren Corona- Pause hatten die Organisatoren, Veranstalter und Sponsoren wieder ein attraktives Paket zusammengeschnürt, um den Fans von Musik, Literatur und gestalterischer Kunst einen Abend lang ein Schlaraffenland an Möglichkeiten zu bieten.

Gedanken ans Infektionsrisiko waren nicht ganz wegzuwischen

Im Awo-Proberaumhaus Monkeys standen verschiedene Metal-Bands auf der Bühne.

Viel Publikum hatte sich etwa im Lichtsaal der Stadtbibliothek eingefunden, wo Elke Heidenreich gleich zwei ihrer Bücher vorstellte. Mal daraus lesend und noch mehr erläuternd und auf humorvolle und sympathische Weise plaudernd, hatte sie schnell ein Band zu ihrem Auditorium geknüpft, das sich sowohl über ihre autobiografischen Erinnerungen („Hier geht’s lang!“) als auch ihre Betrachtungen über die Bedeutung von Klamotten („Männer in Kamelhaarmänteln“) amüsierte.

Bluesalarm und Kotten Klub traten in der Musikschule auf – der Andrang war groß.

Auch ins Kunstmuseum hatte es viele gezogen. Zwar musste dort der Auftritt der Solinger Musikerin Leonora kurzfristig krankheitsbedingt abgesagt werden. Doch die beiden dort aktuell laufenden Ausstellungen in Ruhe und durch persönliche Erläuterungen von Leiterin Gisela Elbracht-Iglhaut und Dirk Balke als Kurator der „Zeitreise“ nahegebracht zu bekommen, war intensiv und bereichernd.

Derzeit mahnen und werben 200 überdimensionale Stoff-Mohnblumen vor dem Museum für Frieden, Freiheit, Verständigung und leiten über zur Ukraine-Krise. In der Ausstellung „Zeitreise“ greift Hiroyuki Masuyama Werke und Motive des Romantikers Friedrich August de Leuw auf und setzt in ihnen seine Akzente.

Zwischen den Veranstaltungsstätten verkehrten Sonderbusse, die selbst zu Kulturorten wurden.

In den großen Saal der Musikschule waren zwischenzeitlich so viele Gäste geströmt, dass Leiterin Birgit Walter „ein bisschen die Spielverderberin“ geben musste, wie sie es charmant ausdrückte. Alle, die keinen Stuhl ergattert hatten, bat sie ins angrenzende Flur-Forum. Auch dort konnte man, bei einem Glas Wein oder Wasser, den Dixie- und Bigband-Klängen von Bluesalarm und Kotten Klub lauschten, die der Kulturnacht „American Dreams“ bescherten. „Ich bin tatsächlich riesig begeistert über so viel Interesse, aber zugleich wegen des Infektionsrisikos besorgt“, sagte Walter.

Luisa Skrabic gab eins von zwei Exklusivkonzerten im Lichtturm.

Auch die für die Kulturnacht charakteristischen Kulturbusse fanden regen Anklang, wenngleich bei der diesjährigen Ausgabe sogar Chancen auf einen Sitzplatz bestanden. Das große Massengedrängel blieb aus. Vielleicht auch deshalb, weil in manchen Fahrzeugen das vorgesehene Programm nicht stattfinden konnten: Gleich mehrere Künstler hatten sich kurzfristig krankgemeldet und waren so schnell nicht zu ersetzen.

Hintergrund

Die Kulturnacht ist ein Angebot des städtischen Kulturmanagements in Kooperation mit dem City Art Project. Stadtwerke, Stadt-Sparkasse und Stadtmarketing unterstützen die Aktion, das Solinger Tageblatt und Radio RSG sind Medienpartner.

Kulturnacht bot viele Highlights

Das war die Kulturnacht Solingen 2022.
Das war die Kulturnacht Solingen 2022. © Tim Oelbermann
Das war die Kulturnacht Solingen 2022.
Das war die Kulturnacht Solingen 2022. © Tim Oelbermann
Das war die Kulturnacht Solingen 2022.
Das war die Kulturnacht Solingen 2022. © Tim Oelbermann
Das war die Kulturnacht Solingen 2022.
Das war die Kulturnacht Solingen 2022. © Tim Oelbermann
Das war die Kulturnacht Solingen 2022.
Das war die Kulturnacht Solingen 2022. © Tim Oelbermann
Das war die Kulturnacht Solingen 2022.
Das war die Kulturnacht Solingen 2022. © Tim Oelbermann
Das war die Kulturnacht Solingen 2022.
Das war die Kulturnacht Solingen 2022. © Tim Oelbermann
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Das war die Kulturnacht Solingen 2022.
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Das war die Kulturnacht Solingen 2022.
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Das war die Kulturnacht Solingen 2022.
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Das war die Kulturnacht Solingen 2022.
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Das war die Kulturnacht Solingen 2022.
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Das war die Kulturnacht Solingen 2022.
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Das war die Kulturnacht Solingen 2022.
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Das war die Kulturnacht Solingen 2022.
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Das war die Kulturnacht Solingen 2022.
Das war die Kulturnacht Solingen 2022. © Tim Oelbermann
Das war die Kulturnacht Solingen 2022.
Das war die Kulturnacht Solingen 2022. © Tim Oelbermann
Das war die Kulturnacht Solingen 2022.
Das war die Kulturnacht Solingen 2022. © Tim Oelbermann
Das war die Kulturnacht Solingen 2022.
Das war die Kulturnacht Solingen 2022. © Tim Oelbermann
Das war die Kulturnacht Solingen 2022.
Das war die Kulturnacht Solingen 2022. © Tim Oelbermann
Das war die Kulturnacht Solingen 2022.
Das war die Kulturnacht Solingen 2022. © Tim Oelbermann
Das war die Kulturnacht Solingen 2022.
Das war die Kulturnacht Solingen 2022. © Tim Oelbermann
Das war die Kulturnacht Solingen 2022.
Das war die Kulturnacht Solingen 2022. © Tim Oelbermann
Das war die Kulturnacht Solingen 2022.
Das war die Kulturnacht Solingen 2022. © Tim Oelbermann

Standpunkt: Nichts verlernt

Von Manuel Böhnke

manuel.boehnke@solinger-tageblatt.de

Ein mulmiges Gefühl bleibt. Trotz aller Sicherheitsvorkehrungen dürfte Birgit Walter, Leiterin der Musikschule, nicht die Einzige gewesen sein, die sich am Samstagabend nicht gegen Gedanken an die Corona-Pandemie wehren konnte. Angesichts der derzeitigen Infektionszahlen ist das kein Wunder. Doch in dieser Phase der Pandemie ist es vertretbar, dass wieder Großveranstaltungen stattfinden. Mit der Impfung steht ein Werkzeug zur Verfügung, das schwere Krankheitsverläufe unwahrscheinlicher macht. Hinzu kommt, dass die Omikron-Variante statistisch gesehen weniger schwere Erkrankungen auslöst als ihre Vorgänger. Wird über die Zeit nach der Corona-Pandemie gesprochen, ist häufig von einer „neuen Normalität“ die Rede. Veranstaltungen wie die Kulturnacht machen Mut, dass sich dieser Zustand nicht nennenswert vom alten, liebgewonnenen Leben unterscheiden wird. Die Kultur kann beim Weg in den postpandemischen Alltag eine Lotsenfunktion einnehmen. Die Künstler haben in den vergangenen zwei Jahren jedenfalls nichts verlernt – und das Publikum offenkundig auch nicht.

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