Pandemie

Geimpfte müssen nicht in Quarantäne - Schulen starten mit Distanzunterricht

11.000 Personen erhalten in den nächsten Tagen eine Einladung für die Impfung gegen das Coronavirus.
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11.000 Personen erhalten in den nächsten Tagen eine Einladung für die Impfung gegen das Coronavirus.

Ab Freitag können die Jahrgänge 1942 und 1943 einen Impftermin ausmachen – Einladungen sind noch nicht verschickt.

Solingen. Das Impfen nimmt Fahrt auf in Solingen. Der Spitzenwert von 850 Impfungen an einem Tag konnte zuletzt im Solinger Impfzentrum erreicht werden. Am Donnerstagnachmittag – ganz aktuell in die digitale Pressekonferenz der Stadt – kam diese Nachricht vom NRW-Gesundheitsministerium: Schon ab Freitag können auch die Geburtenjahrgänge 1942 und 1943 Impftermine über die Kassenärztliche Vereinigung (KV) ausmachen. „Das kommt jetzt sehr überraschend, zumal wir die Einladungsschreiben dafür noch gar nicht haben und frühestens Freitag verschicken können.“, so Stadt-Sprecher Lutz Peters.

Auch wenn jetzt deutlich mehr geimpft werden könne – Engpässe beim Impfzentrum sieht dessen Leiter Udo Stock nicht. „Gemessen an der Einwohnerzahl ist das Impfzentrum in Solingen groß bemessen. Wir können bis zu 1200 Menschen pro Tag impfen, das ist doppelt so viel wie vom Land vorgegeben.“

Positive Nachrichten mit Blick auf die Impfstrategie konnte auch Dr. Annette Heibges, Leiterin des Stadtdienstes Gesundheit, vermelden. So habe das Robert-Koch-Institut (RKI) die Quarantäneregelung mit Blick auf Geimpfte und Genesene angepasst. „Ab sofort müssen Menschen, die vollständig geimpft sind, also zwei Wochen nach der zweiten Impfung, oder die nach einem positiven PCR-Test mit Symptomen genesen sind und Antikörper gebildet haben, nicht mehr in Quarantäne.“ Ausnahme bilde die südafrikanische oder brasilianische Virusvariante, „aber die ist in Solingen noch nicht verbreitet“.

Neben den Impfungen seien Tests eine zweite Säule auf dem Weg aus der Pandemie. Das Angebot für die „Bürgertests“ in Testzentren, Apotheken und Arztpraxen werde gut angenommen. „Von Gründonnerstag bis Ostermontag ließen sich 8284 Solinger testen“, so Heibges. 0,5 Prozent der Schnelltests – die dann noch mit einem PCR-Test verifiziert werden müssen – waren positiv. Am Mittwoch waren von 1345 Schnelltests 10 positive Ergebnisse. Die Positiv-Rate scheine sich bei unter einem Prozent einzupendeln.

Anders im Testzentrum Bethanien, wo Abstriche von Kontaktpersonen und Menschen mit Symptomen genommen werden. Dort lag die Positivrate bei derzeit 300 bis 400 Tests pro Tag zuletzt bei acht Prozent. Weiterhin gebe es in Solingen keine größeren Ausbruchsgeschehen mit dem Coronavirus. „Die Menschen stecken sich hauptsächlich im familiären Umfeld an, bei 75 Prozent sei der eigene Haushalt der Ansteckungsort“, berichtete Heibges.

Solingen: Nachricht des NRW-Schulministeriums kam erst am Abend

Große Verwirrung gab es am Nachmittag noch mit Blick auf die Schulen, die am Montag nach zwei Wochen Osterferien wieder starten sollten. „Es ist eine unerträgliche Situation, dass Schulen, Schüler und Eltern am Donnerstagabend noch nicht wissen, wie es am Montag weitergeht“, kritisierte Schuldezernentin Dagmar Becker (Grüne) die Hinhaltetaktik des NRW-Schulministeriums. Erst nach Ende der Pressekonferenz kam am Donnerstag nach 18 Uhr die Nachricht des Ministeriums, dass am Montag alle Schulen – mit Ausnahme der Abschlussjahrgänge – für eine Woche mit Distanzunterricht starten.

In der Pressemitteilung bestätigte Ministerin Yvonne Gebauer (FDP) auch die angekündigte Testpflicht. Offen blieb aber die Frage, wie Lehrer reagieren sollen, wenn Schüler die Tests verweigern. „Es ist ja sogar noch unklar, ob die Test-Materialien bis spätestens Freitag in allen Schulen angekommen sind“, sagte Becker.

Gerne würde die Stadt auch die gemeinsam mit der Uni Köln entwickelten und bereits in den Kitas eingesetzten „Lolli-Tests“ in den Grund- und Förderschulen einsetzen, da diese von jüngeren Kindern deutlich einfacher zu handhaben seien. „Auf eine entsprechende Anfrage, ob diese vom Land anerkannt werden, haben wir aber noch keine Rückmeldung“, so Becker.

Die vielen offenen Fragen nutzte auch Oberbürgermeister Tim Kurzbach (SPD) zu einem Appell Richtung Düsseldorf: „Ich erwarte, dass endlich Klarheit für die Menschen geschaffen wird und dass es mehr Mut zu lokalen Lösungen gibt.“ Wenn Donnerstagabend nicht klar sei, was Montagmorgen passiert, sei das der gleiche Fehler, der seit Monaten gemacht werde.

In unserem Live-Blog finden Sie alle Informationen rund um das Coronavirus in Solingen. Der Blog wird laufend aktualisiert.

Impftermine

Schwangere: Bis zu zwei Kontaktpersonen von Schwangeren dürfen jetzt auch unter Vorlage von Mutterpass oder ärztliche Attest geimpft werden. Termine: über Gynäkologen oder das Impfzentrum unter Tel. 290-23 00.

Jahrgänge 1942/43: Termine: www.116117.de oder Tel. (0800) 116 117 01

Standpunkt

simone.theyssen-speich@solinger-tageblatt.de

Kommentar von Simone Theyßen-Speich

Die Erklärung, dass es für die Corona-Pandemie keine Blaupause gibt und man immer aktuell auf neue Gegebenheiten reagieren muss, ist richtig. Aber es ist keine Ausrede dafür, dass diese Reaktionen immer auf den letzten Drücker geschehen. Die Inzidenzwerte in den NRW-Städten haben sich in den vergangenen Tagen nicht so stark verändert, dass es eine Entschuldigung dafür wäre, mit der Verordnung, wie es ab Montag in den Schulen weitergeht, bis auf den letzten Tag zu warten. Für Schnellschüsse hatte zu Anfang der Pandemie jeder Verständnis. Aber das war vor einem Jahr. Leider ist seitdem für die Schulen nicht viel auf den Weg gebracht worden. Am Montag geht es vermutlich da weiter, wo vor den Ferien aufgehört wurde. Neue Konzepte? Fehlanzeige! Auch die Abschluss-Jahrgänge 2021 müssen, ebenso wie die Schüler im vergangenen Jahr, sorgenvoll darauf blicken, ob die Prüfungen halbwegs geordnet zwischen Infektions- und Quarantänegefahr stattfinden können. Für diese Fälle gibt es nach wie vor keinen Plan B. Alle Hoffnung ruht jetzt auf den Tests – zumindest das muss verlässlich gelingen.

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