Städtebund

Solingen gehört nicht mehr der Hanse an

1469 wird die Klingenstadt erstmals als Mitglied des Städtebundes erwähnt.

Von Andreas Erdmann

Solingen. Solingen war in früherer Zeit eine Hansestadt. Bis zum Sommer gehörte die Stadt dem Städtebund der neuen Hanse an. Mittlerweile ist Solingen ausgetreten. „Dieses Städtebündnis, das sich 1980 neu formierte, hat ja nichts mit der Hanse des Mittelalters zu tun“, erklärt der Pressesprecher der Stadt, Lutz Peters. „Es dient nicht dem Handel, sondern vorrangig der Vermarktung einzelner Städte als Seestädte.“ An einer Marketingidee „Hansestadt Solingen“ aber liege der Klingenstadt nicht viel. Man habe einen ganz anderen Fokus: das Bergische Land, Wupperberge und Wälder, Schleifkotten, Schloss Burg, Müngstener Brücke. „Zudem haben wir die Stadtwerbung nach dem Jahr 2000 abgeschafft. Seitdem ist unsere Mitarbeit in der Hanse 20 Jahre lang eingeschlafen. Wir hatten auch gar keine Möglichkeit mehr, Hansetreffen wie die regelmäßigen internationalen Hansetage personell zu beschicken.“ Er selber bedauere dies. „Ich nahm früher gerne an Hansetagen im Ausland teil.“

1469 werden in Köln die bergischen Städte Düsseldorf, Ratingen, Solingen, Wipperfürth, Lennep erstmals als Hansestädte erwähnt. Eine Erklärung der Stadt Köln aus dem Jahr 1554 gegenüber den Vorstehern des Hanse-Kontors in Brügge besagt: „Das gesamte bergische Land gehört zur Hanse. Und das ist seit dem 13. Jahrhundert so.“

Seither galt der Rechtsschutz, den bergische Kaufleute durch den Herzog von Berg genossen, im gesamten hansischen Raum. Der Bund regulierte den ungehinderten Warenaustausch zwischen Nordost- und Nordwesteuropa und garantierte Steuer- und Zollfreiheit. Auf dem ersten Hansetag 1358 in Lübeck schlossen die norddeutschen Hansestädte ein engeres Bündnis, um sich gegenüber der wachsenden Konkurrenz englischer, italienischer und süddeutscher Kaufleute sowie der Erstarkung der Exportländer zu behaupten. Zeitweise war die Hanse so mächtig, dass sie zur Durchsetzung wirtschaftlicher Interessen Wirtschaftsblockaden gegen Königreiche und Fürstentümer verhängte. Im Ausnahmefall führte sie sogar Kriege wie 1227 und 1367 in Dänemark. In ihrer Blütezeit war die Hanse in 200 Städten in sieben Ländern vertreten. Dies betraf vorwiegend Seestädte wie Hamburg, Bremen, Lübeck, Danzig oder Riga. Im Ausland unterhielt man Kontore als zentrale Umschlagplätze, so in Brügge, London, Bergen und im russischen Nowgorod. Deutsche Kaufleute unterhielten dort eigene Gebäude und Gerichte. Zudem unterhielt die Hanse über halb Europa verteilt zahlreiche kleinere Niederlassungen.

„Heimische Stahlwaren gelangten auf dem Seeweg bis auf die Märkte im chinesischen Kaiserreich.“

Lutz Peters, Pressesprecher der Stadt

In der Stadtchronik von Heinz Rosenthal zeigt sich, dass Solingen nicht nur auf Handelsvermittlung durch Köln angewiesen, sondern selber schon früh im Fernhandel tätig war. Gehandelt wurde mit Metallwaren, aber auch Stoffen und Wachs. So ist von einem „Solinger Kaufmann, Hinrik Puste“, zu lesen, „der 1488 in Lübeck eine Forderung aus Seidenverkauf geltend machte“. Andere Kaufleute aus Solingen werden „1468 im Fernhandel in den südlichen Niederlanden“ genannt. Und „1487 waren die Kaufleute Johann Storck und Johann Kouskyn in Lothringen“ tätig. Im 16. Jahrhundert erschlossen sich hansische Fernkaufleute einen wirtschaftlichen Einflussbereich weit über Europa hinaus. „Dabei war der Fernhafen für die Klingenstadt damals der Hafen in Monheim“, berichtet Lutz Peters. Von dort aus seien die Waren rheinabwärts verschifft und auf Überseeschiffe umgeladen worden. Zum Monheimer Hafen gelangten die Waren auf Pferdefuhrwerken. „Der Export Solinger Stahlwaren expandierte zusehends. Im 17. Jahrhundert gewannen die niederländischen Ost- und Westindischen Handelskompanien für Solinger Kaufleute stark an Bedeutung. Heimische Stahlwaren gelangten auf dem Seeweg bis auf die Märkte im chinesischen Kaiserreich.“

Mit dem 30-jährigen Krieg verlor die Hanse an Macht. Ihr Handelsraum wurde zerstört, an einen geordneten Warenverkehr in Europa war nicht mehr zu denken. Die Fürsten unterwarfen sich die Städte. Der Atlantikhandel blühte. 1669 fand in Lübeck der letzte originäre Hansetag statt. Der Fernhandel Solingens mit den Niederlanden und somit nach Übersee aber florierte weiter und erreichte Ende des 18. Jahrhunderts einen Höhepunkt. „Die meisten und besten Klingen werden heute zu tage in Solingen gemachet“, heißt es 1789 in einem internationalen Handelsbuch.

An die historische Hanse erinnern heute noch mächtige Kirchen und Rathäuser in großen Hansestädten sowie der Name „Lufthansa“ und der Zusatz „H“ für „Hansestadt“ auf einigen Autokennzeichen.

Der Städtebund

Die Hanse: Der Städtebund der neuen Hanse wurde 1980 im niederländischen Zwolle gegründet. Er versteht sich als ein Netzwerk für Wirtschaft und Wissenschaft zwischen Städten, die im Lauf der Geschichte zum Bündnis der Kaufmannsstädte, also zur historischen Hanse, gehörten. Man führte wieder Hansetage ein. Der jüngste fand vom 19. bis 22. August dieses Jahres im lettischen Riga statt.

www.hanse.org

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