Kundgebung und Mahngang

Solinger gedenken ermordeter Sinti

Ungefähr 80 Personen versammelten sich zur Kundgebung vor den Clemens-Galerien.
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Ungefähr 80 Personen versammelten sich zur Kundgebung vor den Clemens-Galerien.

Eine Kundgebung und ein Mahngang erinnerten an die Deportation nach Auschwitz.

Von Katharina Birkenbeul

Solingen. Auf einem Plakat steht die Aufschrift „Wir erinnern an die Deportation von 62 Solinger Sinti und Roma. Wir sind wachsam“. Damit wollen das Forum Toleranz und Zivilcourage und der Verein SOS Rassismus bei der alljährlichen Kundgebung vor den Clemens-Galerien auf den 77. Jahrestag der Deportation aufmerksam machen und gemeinsam mit anderen gedenken.

Am 3. März 1943 wurden 62 Solinger Sinti – und damit fast die gesamte Sintibevölkerung der Klingenstadt – aus den zwei städtischen Lagern, an der Potshauser Straße 10 und der Wörthstraße 24, in das Vernichtungslager abtransportiert. Ungefähr die Hälfte davon waren Kinder. Für 55 von ihnen bedeutete dies der Tod. Nach neuen Forschungen des Wuppertaler Historikers Stephan Stracke tauchen 67 Solinger Deportierte auf, drei davon seien nicht im Vernichtungslager angekommen, 59 seien sicher gestorben.

Solingen: Mahngang führte zum Mahnmal an der Trasse

„Es ist nicht irgendwo geschehen, es war nicht irgendwer, sondern es ist hier passiert in unserer Stadt und es waren Solinger“, betont Oberbürgermeister Tim Kurzbach (SPD) bei der Kundgebung und wiederholt es kurz darauf noch einmal, damit es wirklich bei jedem ankommt. Das Unvorstellbarste für ihn sei, dass so viele Kinder unter den Deportierten waren. „Wir haben uns versammelt, damit das niemals und nichts davon in Vergessenheit gerät“, sagt Kurzbach und fügt hinzu, dass er in großer Sorge sei, dass die Gesellschaft zu Beginn der 20er Jahre unseres Jahrhunderts nicht viel gefestigter ist als die der 20er Jahre des vergangenen Jahrhunderts. „Ich protestiere und rede gegen diese Taten. Aber wir müssen viele sein und aufstehen“, so der Oberbürgermeister. Kurzbach erläutert, dass die Stimmung auch durch die neusten Ereignisse mit dem Coronavirus hektisch seien, aber gerade jetzt bräuchten die Menschen Ruhe zum Nachdenken und zum Austausch.

Auch Finn Grimsehl-Schmitz, Jugendstadtratsvorsitzender, greift die jüngsten Ereignisse und damit den Anschlag in Hanau auf: „Als Weißer ohne Migrationshintergrund kann ich das Gefühl nicht nachvollziehen, das die Menschen dort durchgemacht haben.“ Er verweist damit auf die prekäre Lage, in der sich die Politik momentan befindet, die seiner Ansicht nach auch an den vergangenen Taten mit schuld war. „Das muss ein Stoppschild für uns sein“, sagt Grimsehl-Schmitz.

Beim anschließenden Mahngang trugen die Versammelten Rosen mit sich, die sie anschließend auf dem Mahnmal an der Korkenziehertrasse ablegten. „Die Rose hat eine doppelte Bedeutung: Zum einen steht sie für den Tod und zum anderen für die Liebe, in die ich mein tiefstes Vertrauen habe, dass sie gewinnt“, erklärt Kurzbach. Von den Clemens-Galerien zwischen der Deutschen Bank und der Clemenskirche durch über die Cronenberger Straße bis hin zur Korkenziehertrasse trugen einige der rund 80 Menschen weiße Schilder mit sich, auf denen die Namen einiger Verstorbener standen. Darunter auch Elisabeth Reinhardt, die von 1931 bis 1944 lebte und Burkhard Weiß, 1939 geboren und 1945 gestorben. Unter beiden standen die Worte „ermordet in Auschwitz“.

GIPSY-SWING IN SOLINGEN

KONZERT Am Freitag, 6. März, findet zusätzlich zu dem Gedenken ein Gipsy-Jazz- und Swing-Konzert statt. Das Konzert ehrt die Musik der Sinti. Im Walder Stadtsaal, Friedrich-Ebert-Straße 85 bis 87, musizieren dann Fapy Lafertin und Justin Geißer. Im Anschluss gibt es eine Session mit beiden Bands. Einlass ist um 18 Uhr, Beginn um 18.30 Uhr. Der Eintritt ist frei.

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