125. Jubiläum

Geburtstagskind Müngstener Brücke: Rundfahrten mit Dampfzug beeindrucken

Beliebtes Fotomotiv: Wie hier am Hauptbahnhof in Ohligs fotografierten viele die historischen Dampfloks und sich selbst.
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Beliebtes Fotomotiv: Wie hier am Hauptbahnhof in Ohligs fotografierten viele die historischen Dampfloks und sich selbst.

Schaulustige mit gezückten Kameras standen bereit, um mindestens eine Tour von sechs Dampflok-Rundfahrten durch das bergische Städtedreieck zu erleben.

Von Daniela Neumann

Solingen. Erstmals seit 2009 überquerte am Samstag wieder ein Dampfzug die Müngstener Brücke – zu deren 125. Geburtstag. Organisator Frank Jahncke vom Solinger Stadt-Team war mit der Tenderlok aus dem Jahr 1923 und den Waggons mit 50er-Jahre-Flair am Samstag vom Eisenbahnmuseum Bochum zum Start der bergischen Runde am Solinger Hauptbahnhof angereist. Hinten angekoppelt half eine alte Diesellok.

Beeindruckende Einfahrt in den Bahnhalt Solingen-Mitte, bevor es nach Schaberg und dann über Deutschlands höchste Eisenbahnbrücke auf 107 Metern über der Wupper nach Remscheid, Wuppertal und zurück ging.

Begehrt waren zum Auftakt um 10.56 Uhr nicht nur Restkarten, sondern auch Foto-Möglichkeiten mit Lokführer Michael Gödderz. „Das ist Maschinenbau nach alter Schule“, erzählte der gelernte Lokschlosser. Seit 36 Jahren macht er auch diesen Job, bei dem neben dem Heizer die Hände von Kohle oder Öl schwarz werden und (nicht nur) Kinderaugen leuchten.

So auch die von Ulrich Noldenhauer aus Altena und seinem fast sechsjährigen Enkel Max: „Für ihn gibt es gerade nichts anderes.“ In den Waggons, von Bistro über Komfort- bis Holzklasse, streiften auch Steppkes mit Eltern umher, mal angezogen wie ein Lokführer, mal mit Ohrschützern. Dann die Pfiffe, Winken, später „tschu tschu“: Es ging los. Wer in einem Abteil mit gepolsterten Plätzen unterkam, konnte sich gemütlich durch Solingen, Remscheid und Wuppertal schuckeln lassen. Mit 80 Stundenkilometern wurde es auch mal schneller.

In den Waggons gab es auch Postkarten und Aufkleber

„Pünktlich, gepolstert, nicht dreckig“, das war der erste, sehr positive Eindruck von Anneruth Simon. Mit ihrem Mann Reinhart war sie von einem befreundeten Ehepaar aus Solingen mitgenommen worden und stand vor ihrer ersten Fahrt über die Müngstener Brücke, wie sie als vor langem zugezogene Wuppertalerin preisgab. Jetzt hätten sie Zeit, die Gegend zu erkunden – um festzustellen, dass man doch zusammen was auf die Beine stellen könne, wie etwa den Brückenpark. Eine gemeinsame bergische Bundesgartenschau, das wäre es, bemerkte sie zu jüngsten Diskussionen. Jetzt genoss sie erstmal die Fahrt im „bergischen Orientexpress“, wie die Abteil-Gemeinschaft den Zug taufte, nur nicht mit Mord, wie etwa im Film. „Ich glaube, die Bahn ist heute ein reines Transport- statt Reisemittel“, überlegte Anneruth Simon.

125 Jahre Müngstener Brücke: Alles zum Programm am Wochenende

Sechs Sonderfahrten mit der historischen Tenderlok 78 468 von 1923 von Solingen-Ohligs aus gab es am Wochenende anlässlich des 125. Geburtstages der Müngstener Brücke.

So kam auch eher Hogwarts-Express- als Business-Stimmung auf, als vom Zugpersonal sowohl Getränke als auch Postkarten und Aufkleber nacheinander angeboten wurden. Spartanischer als im Zug aus den „Harry Potter“-Büchern war sicherlich der Eindruck vom „Abort“, der jedoch zeitlich auch wie aus einer anderen Welt erschien: „Es wird ersucht, den Abort während des Aufenthalts des Zuges auf einer Station nicht zu benutzen“, hieß es da auf einem Schild im Klo-Raum.

Kurze Stopps in Solingen-Mitte, Schaberg, am Remscheider oder Wuppertaler Hauptbahnhof sowie zuvor in Lennep und Oberbarmen ließen die Kameras innen wie außen glühen. Alter Gaskessel und gegenüber Schwebebahn–Endbahnhof, was für Eindrücke. Im Vorüberfahren hatten es zu Beginn alle geschafft, Blicke vom Geburtstagskind zu erhaschen. Im Park unterhalb der Müngstener Brücke nahe Schaberg war zu diesem Zeitpunkt noch nicht viel los. Dafür gab es auf der Tour immer mal wieder den Geruch von Feuer und Rauch, den Blick auf die Remscheider Werkzeugtrasse, die Bahnhöfe Vohwinkel und Haan-Gruiten.

Mitfahrerin Anja Sippel filmte aus dem Abteil für ihre noch in Wuppertal lebende Mutter und kaufte einen Aufkleber als Erinnerung. Mit Anneruth Simon tauschte sie sich über Sehenswürdigkeiten aus. Dazu gehört für beide: die Brücke.

Fahrplan und Infos: bergische-erlebniswelten.de

Störung

Wegen einer Stellwerksstörung kamen manche zu spät zur ersten Fahrt. Sie fuhren bei der zweiten mit, weswegen diese schnell ausgebucht war.

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