Reihe „Vom Gurbet zur Heimat“

Geburtstagsfeier beweist gewachsenes Miteinander

Die türkische Generalkonsulin Aysegül Gökçen hielt ihre Rede im Industriemuseum auf Türkisch. Die Übersetzung lag schriftlich auf jedem Platz. Foto: Christian Beier
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Die türkische Generalkonsulin Aysegül Gökçen hielt ihre Rede im Industriemuseum auf Türkisch. Die Übersetzung lag schriftlich auf jedem Platz.

60 Jahre deutsch-türkisches Anwerbeabkommen.

Von Jutta Schreiber-Lenz

Solingen. Rund 70 Gäste waren ins LVR-Industriemuseum gekommen, um die Abschlussveranstaltung der Reihe „Vom Gurbet zur Heimat“ miteinander zu feiern. Hintergrund war das Anwerbeabkommen mit der Türkei, das am 30. Oktober 1961 unterzeichnet wurde und folglich den 60. Geburtstag hat. Es begünstigte die Entsendung von Arbeitskräften aus der Türkei nach Deutschland.

„Viele kamen“, erinnerte zum Beispiel, Dr. Yasar Aydin, Soziologie-Dozent an der Hochschule Hamburg, in seinem Gast-Referat. „Und unterm Strich war es für beide Staaten, aber auch für die jeweiligen Menschen, trotz Hürden und zu bewältigender Schwierigkeiten, ein Gewinn: Devisen für die Türkei, Wohlstand für die Auswanderer und gewonnene Arbeitskräfte für Deutschland.“ Inzwischen sind aus den damaligen „Gastarbeitern“ Mitbürger in Deutschland geworden, die hier eine neue Heimat gefunden haben und deren Kinder und Enkel hier geboren und aufgewachsen sind.

Diesen Gedanken drückte auch Oberbürgermeister Tim Kurzbach aus, als er bewusst zu Beginn „alle Solinger“ begrüßte und sich dankbar zeigte für die Kultur-Bereicherung, die mit den türkischen Wurzeln der damals „Neuen“ nach Solingen gekommen sei. Auch für das „intensive Mitarbeiten am Aufbau unserer Stadt“, sagte er ausdrücklich „Danke“.

Für die jahrelange Diskriminierung, für Missstände und arrogante Ausgrenzung der türkischstämmigen Bürger und Bürgerinnen hingegen bat er innig um Entschuldigung. „Wir sind froh, dass unsere Stadt heute farbiger, offener und toleranter ist als vor 60 Jahren.“

Neben ihm sprach auch die türkische Generalkonsulin Aysegül Gökçen Karaarslan, die, ebenso wie Kurzbach, unter anderem an den Brandanschlag von 1993 erinnerte, aber auch die immer besser funktionierende Integration lobte. „Ich möchte allen Beteiligen für die Freundschaftsbrücken danken, die inzwischen zwischen der Türkei und Deutschland gebaut sind.“

Auch Nasser Firouzkah als Vorsitzender des Zuwanderer- und Integrationsrats (Zuwi) der Stadt schaute zurück auf die Jahre, in denen es nicht gelungen war, die türkischen Solinger von ihrer Position am Rand der Gesellschaft in die Mitte zu holen. Er freute sich, dass dies nun schon länger besser klappe.

Museumsleiterin und Gastgeberin Nicole Scheda betonte, „ihr“ Museum habe von Anfang an allen Solingern offen gestanden. „Es ist genau richtig, heute just hier des Anwerbeabkommens zu gedenken, denn solche Arbeitsstätten waren es, wo in den 60er und 70er Jahren viele der zugereisten türkischen Menschen mitgeholfen haben, die Wirtschaft voranzutreiben“, sagte sie. Die Abschlussveranstaltung der kleinen Reihe gestaltete sich danach als Mix aus Information und Unterhaltung. Die Düsseldorfer Band Akustolia verband orientalische und europäische Klangfarben zu einem neuen Stil, der das „Wir“ erklingen ließ.

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