Lockerungen der Corona-Schutzverordnung

Gastronomen genießen neue Freiheiten

Gastwirtin Berita Schwarz kontrolliert im Birkenweiher sorgfältig die Impfnachweise ihrer Gäste. Foto: Christian Beier
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Gastwirtin Berita Schwarz kontrolliert im Birkenweiher sorgfältig die Impfnachweise ihrer Gäste.

Seit dem 1. Oktober gelten neue Corona-Regeln. Diese eröffnen den Betrieben wichtige Möglichkeiten.

Solingen. Seit einigen Tagen ist die neue Corona-Schutzverordnung in Kraft, die erneut zahlreiche Lockerungen bei den Schutzmaßnahmen beinhaltet. Davon profitiert unter anderem die Gastronomie – so entfällt etwa in der Innengastronomie die Abstandspflicht und auch Trennwände zwischen den Tischen sind jetzt nicht mehr zwingend notwendig. Dies sorge bei den Gastronomen im Bergischen überwiegend für Freude, berichtet Isabel Hausmann, stellvertretende Geschäftsführerin des Dehoga Nordrhein (Regierungsbezirk Düsseldorf).

„Der Wegfall der Abstände erlaubt wieder mehr Tische, was wiederum zu höherem Umsatz führt. Insbesondere, wenn wir daran denken, dass die Nutzung der Außengastronomie im Herbst und Winter sehr stark eingeschränkt und meist unmöglich ist, werden drinnen alle verfügbaren Plätze gebraucht.“

Zwangsläufig einfacher mache die nun geltende Regelung die Kontrollen der Gastwirte aber nicht. So darf die Maske am Tisch und am „festen Stehplatz“, sofern sich dieser so genau definieren lässt, zwar abgenommen werden, muss auf den Laufwegen aber weiterhin getragen werden. „Es ist häufig gar kein böser Wille des Gastes“, hält Hausmann fest. „Man feiert, entspannt, genießt den Kneipen- oder Restaurantbesuch, sitzt zwei Stunden am Tisch. Auf dem Weg zur Toilette kann man schnell vergessen, die Maske wieder aufzusetzen.“ Ein freundlicher Hinweis des Gastwirts löse dann dennoch gelegentlich eine unangenehme Diskussion mit dem Gast aus.

Ordnungsamt appelliert: 3-G-Regel einhalten

Die Schwierigkeit, speziell in Kneipen mit Stehplätzen entsprechende Kontrollen durchzuführen, bestätigt auch Rathaussprecher Thomas Kraft für die Stadt: „Das ist so gut wie nicht umsetzbar. Daher ist es eben umso wichtiger, dass die 3G eingehalten werden, um ein Ansteckungsrisiko so weit wie möglich zu minimieren.“

Deshalb appelliere das Ordnungsamt nochmals an alle betroffenen Bereiche, die 3-G-Regel konsequent zu prüfen und „beim fehlenden Nachweis auch vom Hausrecht und damit verbunden von einem Verweis aus dem Betrieb Gebrauch zu machen“. Auch Betriebe, die 2G eingeführt hätten, seien weiterhin verpflichtet, die Anforderungen der Corona-Schutzverordnung zu beachten, betont Kraft.

Während Kontrollen im öffentlichen Raum im Zuge der weitreichenden Lockerungen mittlerweile quasi gänzlich entfallen, überprüfe das Ordnungsamt auch vor dem Hintergrund der nun gültigen Verordnung weiterhin vereinzelt Betriebe auf die Einhaltung der 3-G-Regel – also auf die Zugangsvoraussetzunge geimpft, getestet oder genesen. Mit der Polizei stehe die Ordnungsbehörde dabei nach wie vor im engen Austausch, wenngleich die Kontrollen in der Gastronomie vorrangig von der Stadt übernommen würden.

Die 3G müssen konsequent eingehalten werden.

Thomas Kraft, Rathaussprecher

Die Solinger Gastwirtin Berita Schwarz, die neben dem Mumms in der Innenstadt auch die Gaststätte Birkenweiher an der Birkerstraße betreibt, hat sich in beiden Kneipen für die 2-G-Regelung entschieden. „Es war ungewohnt, aber schön, jetzt wieder weitgehend unbeschwert feiern zu können“, sagt sie über die neuen Möglichkeiten – auch wenn sich ihr die Sinnhaftigkeit von einzelnen Details der Verordnung nicht erschließe: „Was bringt es, wenn die Leute auf dem Weg zur Toilette die Maske aufsetzen, wenn sie vorher schon den ganzen Abend zusammen an der Bar saßen?“ Dennoch freue sie sich über die neuen Freiheiten.

Hier finden Sie die Regeln der neuen Corona-Schutzverordnung.

Gastronome in Solingen hatten es in der Pandemie nicht leicht.

2G-Optionsmodell

Regelung: Die Gastronomen können in Solingen selbst entscheiden, ob sie in ihrem Betrieb auf eine 2G- oder eine 3G-Regelung setzen. Das bestätigt die Stadt Solingen am Mittwochvormittag in einer Pressemitteilung. Bei der 3G-Regelung ist ein 48 Stunden alter Schnelltest gültig, allerdings muss die Maske dann bis zum Sitzplatz getragen werden. Bei der 2G-Regel darf der Schnelltest nur noch sechs Stunden alt sein, in der Gaststätte gilt dann keine Maskenpflicht mehr. So entfällt die Maskenpflicht in Restaurants.

Dieses sogenannte 2G-Optionsmodell gilt zurzeit in den meisten Bundesländern, Hamburg führte dieses als erstes Bundesland am 28. August ein. Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) Nordrhein lehnt eine flächendeckende 2G-Lösung aber ab, weil er eine „Impfpflicht durch die Hintertür“ befürchtet.

Standpunkt: Entscheidung überlassen

Kommentar von Kristin Dowe

kristin.dowe@ solinger-tageblatt.de

Die Gastwirte dürften die weiteren Lockerungen der neuen Corona-Schutzverordnung wohl als Befreiungsschlag empfinden. Denn ihr Kapital sind keineswegs die Speisen und Getränke, die sie servieren. Es ist das gesellige Beisammensein, das gemütliche Ambiente eines Restaurants und all das, was gute Gastronomie eben ausmacht. Wie keine andere Branche haben die Gastwirte unter den pandemiebedingten Einschränkungen der vergangenen Monate gelitten. Vielen erscheint da 2G als eine attraktive Möglichkeit, Sicherheit für ihre Gäste und unbeschwertes Feiern zugleich zu ermöglichen. Betriebe, die sich für diese Möglichkeit entscheiden, sind zuweilen aber auch Anfeindungen von Impfgegnern ausgesetzt. Dies zeigte zuletzt etwa ein Vorfall, bei dem an einer Solinger Kneipe Hinweisschilder auf 2G in Brand gesetzt wurden. Grundsätzlich ist es nur folgerichtig, den Gastronomen die Entscheidung über die jeweilige Zugangsregelung zu ihrem Lokal zu überlassen. Sie wissen selbst am besten, was in ihrem Betrieb funktioniert. Unstrittig bleibt in der Diskussion die schlichte Tatsache, dass jede Impfung uns der Normalität wieder einen Schritt näher bringt.

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