Hasseldelle

Stadt Solingen begrüßt Rügen des Presserats gegen Medien

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Viele Solinger nahmen Anteil an dem tragischen Tötungsdelikt in der Hasseldelle.

OB Tim Kurzbach kritisiert die Berichterstattung über die fünffache Kindstötung.

Von Kristin Dowe

Solingen. Bei der Stadt stoßen die vier vom Deutschen Presserat ausgesprochenen Rügen einzelner Medien für ihre Berichterstattung über die fünffache Kindstötung in Solingen auf Zustimmung. Konkret richtete sich die Kritik gegen die Online-Portale Bild.de und Süddeutsche Zeitung sowie gegen die Rheinische Post.

Hintergrund war die tragische Tat einer 27-jährigen Mutter aus der Siedlung Hasseldelle, die mutmaßlich fünf ihrer sechs Kinder getötet und anschließend versucht hat, sich selbst das Leben zu nehmen. Die Beschuldigte hat sich nach Angaben der Staatsanwaltschaft bislang nicht zu den Vorwürfen geäußert und befindet sich weiter in Haft.

Wie berichtet, hatten alle drei Zeitungen Passagen aus einem WhatsApp-Chat zwischen dem einzigen überlebenden elfjährigen Sohn und dessen zwölfjährigem Freund beziehungsweise einer Freundin veröffentlicht. Oberbürgermeister Tim Kurzbach (SPD) zeigte sich gestern „froh, dass die Selbstkontrolle der Medien in der Bundesrepublik funktioniert“. „Die öffentliche Rüge ist der schärfste Ordnungsruf, der dem Presserat zur Verfügung steht, weil sie von den gerügten Medien veröffentlicht werden muss. Damit erreicht sie dann auch die Leserinnen und Leser. Es ist also nicht einfach ein Stück Papier, das die Chefredakteure irgendwo abheften können“, so Kurzbach. Er hoffe, dass die Rügen bei den betroffenen Medien zu mehr Sensibilität und Selbstreflexion führe.

„Der Presserat sah in den Veröffentlichungen des privaten Chatverlaufs zweier Kinder vor dem Hintergrund eines traumatisierenden Ereignisses eine Verletzung ihrer Menschenwürde nach Ziffer 1 des Pressekodex“, teilt der Presserat mit. Die Redaktionen hätten zudem gegen eine Richtlinie des Pressekodex verstoßen, „wonach über einen seelisch leidenden Menschen nicht in einer über das öffentliche Interesse hinausgehenden Art und Weise berichtet werden soll“, heißt es in der Begründung weiter. Allein aufgrund der Online-Berichterstattung von „Bild“ waren 171 Beschwerden eingegangen, darunter auch eine der Stadt Solingen.

„Die Bild ist unser Rügen-Kandidat Nummer Eins“, sagt Sonja Volkmann Schluck, Sprecherin des Deutschen Presserates, auf Nachfrage. Alle Medien, die sich dem Pressekodex freiwillig verpflichtet hätten, darunter auch die drei gerügten, seien gleichzeitig verpflichtet, eine Rüge auch abzudrucken.

Eine weitere Rüge erhielt „Bild“ für Artikel, in denen Fotos zahlreicher Details vom Tatort-Haus bis hin zur Hausnummer veröffentlicht waren. Die Süddeutsche Zeitung hatte gar die komplette Adresse des Tatorts genannt. Nach Ansicht des Presserats „überwogen hier die schutzwürdigen Interessen der mutmaßlichen Täterin und der Opfer“.

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