Jobcenter

Jobcenter hat viel zu tun - deshalb wird Wohnungssuche für Geflüchtete schwieriger

Joachim und Agnes Wagner (Mitte) hoffen, dass Daria (v.l.), Angelina Emma und Mutter Karina Arutiunian bald in ihre Wohnung einziehen können.
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Joachim und Agnes Wagner (Mitte) hoffen, dass Daria (v.l.), Angelina Emma und Mutter Karina Arutiunian bald in ihre Wohnung einziehen können.

Personalmangel und Bürokratie sorgen dafür, dass die Bearbeitungsdauer für Anträge deutlich länger geworden ist.

Von Kristin Dowe

Solingen. Bei der Wohnungsvermittlung für Geflüchtete aus der Ukraine müssen sich die Betroffenen derzeit auf längere Wartezeiten beim Jobcenter einstellen. Die gestiegene Zahl der Anträge und personelle Engpässe in der Behörde führten aktuell zu längeren Bearbeitungszeiten, berichtet Rathaussprecher Daniel Hadrys. „Der Fachkräftemangel macht sich natürlich auch im Jobcenter bemerkbar. Es ist schwieriger, Verstärkung mit Vorerfahrung zu finden.“ Somit seien längere Einarbeitungszeiten erforderlich, was ebenfalls Personal binde.

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Und diese Situation stellt nicht nur die betroffenen Geflüchteten, sondern auch die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer vor Herausforderungen, schildert ST-Leser Joachim Wagner seine Erfahrung: Seit März hat der Solinger gemeinsam mit seiner Frau eine ukrainische Familie bei sich zu Hause aufgenommen – eine Mutter mit ihren drei Töchtern. „Nach langem Hin und Her habe ich endlich eine Wohnung für die Familie gefunden, in die die Vier aber immer noch nicht einziehen können.“

Zwar habe er den Mietvertrag für seine Schützlinge schon längst beim Jobcenter eingereicht und bereits am 15. September einen Antrag auf Erstausstattung für die Familie gestellt, doch müsse das Jobcenter bei dieser Erstausstattung noch immer den Bedarf prüfen. „Dazu muss ein Mitarbeiter des Jobcenters rausgeschickt werden, um sich den Bedarf der Familie zum Beispiel mit Blick auf Möbel vor Ort anzuschauen. Das ist aber immer noch nicht geschehen“, hält er fest. Auch eine Eingangsbestätigung für den Antrag habe die Familie nicht erhalten.

Jobcenter bietet regelmäßigen Online-Austausch mit Helfern

Dies sei auch mit Blick auf Vermieter ein Problem, die naturgemäß ein Interesse daran haben, ihren Wohnraum schnell zu vermitteln. Eigentümer, die bereit sind, an Geflüchtete zu vermieten, könnten leicht abgeschreckt werden, wenn eine zeitnahe Vermittlung an bürokratischen Hürden scheitert, befürchtet Wagner.

Nach Flucht aus der Ukraine: Sie baut sich ein neues Leben in Solingen auf

Zudem sei es für die Geflüchteten derzeit äußerst schwierig, an Möbel und weitere notwendige Haushaltsgegenstände zu kommen. „Die Märkte für Gebrauchtmöbel sind leer gefegt“, beobachtet er. Ähnliche Probleme bei der Wohnungsvermittlung schildern auch andere Leser dem Tageblatt.

Grundsätzlich sei das Jobcenter den Ehrenamtlichen für die Unterstützung der Ukrainer dankbar und sei an einer guten Zusammenarbeit interessiert, betont Daniel Hadrys. Deshalb führe die Behörde jeden dritten Dienstag im Monat einen Online-Austausch mit den Helferinnen und Helfern durch. Angesichts der aktuellen Herausforderungen wirbt er allerdings um Verständnis: „Eine Bearbeitungszeit von drei Wochen ist nicht unzumutbar lange, sondern realistisch – gerade auch vor dem Hintergrund der Flüchtlingssituation, die zudem nicht nur Solingen betrifft“, macht der Sprecher deutlich.

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