Das Friseurhandwerk befindet sich in stetigem Wandel

Friseur Olaf Dinger feiert das 100-jährige Bestehen seines Salons

Olaf Dinger mit dem Meisterbrief seines Großvaters, der vor 100 Jahren einen Friseursalon an der Brühler Straße eröffnete. Foto: Manuel Böhnke
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Olaf Dinger mit dem Meisterbrief seines Großvaters, der vor 100 Jahren einen Friseursalon an der Brühler Straße eröffnete.

Sein Salon befindet sich an der Brühler Straße.

Solingen. Ein Zufall war es nicht, dass Olaf Dingers Großvater seinen Friseursalon im August 1921 an der Brühler Straße eröffnete. „Zwischen Brühl und dem Stadtzentrum gab es damals sehr viele Firmen. Und wo viele Menschen arbeiten, gibt es auch viele Kunden“, erklärt sein Enkel rückblickend. Paul Dinger scheint den richtigen Riecher gehabt zu haben. Denn ein Jahrhundert später existiert der von ihm gegründete Salon noch immer – und hatte seinen Sitz in den vergangenen 100 Jahren durchgehend an der Brühler Straße.

Dass sich der Betrieb bis heute in Familienhand befindet, ist einer im Nachhinein glücklichen Fügung zu verdanken. Olaf Dingers Vater Heinz war eigentlich gelernter Kaufmann. Nur weil der wirtschaftliche Erfolg ausblieb, sattelte er auf das Friseurhandwerk um. Und auch sein Sohn, der das Geschäft seit den 1980er Jahren in dritter Generation führt, hatte eigentlich andere Pläne, interessierte sich für Technik. Doch spätestens während seiner Lehre merkte er, dass es die auch fürs Haareschneiden braucht. „Geometrie, räumliches Sehen und ein Sinn fürs Künstlerische sind unabdingbar“, betont Olaf Dinger.

In den vergangenen 40 Jahren konnte der Meister unmittelbar mitverfolgen, wie sich das Handwerk verändert hat. Immer neue Trends und Techniken bestimmen den Alltag. Eine allgemeine Entwicklung in der Branche: „Die Zeit der großen Betriebe ist vorbei. Die meisten sind ganz klein.“ Das trifft auch auf seinen Salon zu: Seit zehn Jahren ist Olaf Dinger dort der einzige Friseur.

Noch denkt Olaf Dinger nicht ans Aufhören

Die Beobachtung des Solingers lässt sich mit Zahlen belegen. Mehr als 85 400 Betriebsstätten zählte der Zentralverband des Friseurhandwerks im Jahr 2018. Zwölf Jahre zuvor waren es noch 72 300. Derweil hat sich die Zahl der sogenannten Kleinstbetriebe, die mit Jahresumsätzen unter 20 000 Euro von der Umsatzsteuer befreit sind, seit dem Jahr 2000 fast verdoppelt. 2017 machten sie fast ein Drittel aller Salons in Deutschland aus.

Kurz vor der Gründung des Friseursalons Dinger grassierte die Spanische Grippe auf der Welt. „Seitdem haben wir viele Krisen überlebt“, sagt der Inhaber. Auch die coronabedingten Schließungen konnten daran nichts verändern, wenngleich die wirtschaftlichen Folgen noch spürbar seien.

1983 absolvierte Olaf Dinger die Meisterschule. Wer einmal in seine Fußstapfen treten könnte, weiß der Solinger noch nicht. Diese Frage drängt sich für ihn allerdings auch gar nicht auf. Denn ans Aufhören denkt der 61-Jährige noch nicht. „111 wäre doch auch ein toller Geburtstag für den Salon“, sagt er grinsend.

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