Zwölf Stelen wurden aufgestellt, zwölf weitere sollen folgen

Friedhof lädt Besucher zum Verweilen sein

Udo Boos (l., stellvertretender Presbyteriumsvorsitzender) und Pfarrer Bernd Reinzhagen zeigen eine der zwölf Stelen, die bereits auf dem evangelischen Friedhof Wald aufgestellt sind. Foto: Christian Beier
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Udo Boos (l., stellvertretender Presbyteriumsvorsitzender) und Pfarrer Bernd Reinzhagen zeigen eine der zwölf Stelen, die bereits auf dem evangelischen Friedhof Wald aufgestellt sind.

Evangelische Kirche Wald hat Edelstahl-Stelen mit biblischen und weltlichen Texten aufgestellt.

Von Simone Theyßen-Speich

Solingen. „Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist bei uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag.“

Das bekannte Zitat von Dietrich Bonhoeffer ist einer von insgesamt zwölf Texten – von Goethe über Hemingway oder Albert Schweitzer bis zu Bibeltexten –, die jetzt auf dem evangelischen Friedhof in Wald zum Lesen, Nachdenken und Verweilen anregen sollen. Eingraviert auf Edelstahl-Stelen sind sie am Eingang des Geländes, auf leeren Grabstellen, an Hauptwegen und Kreuzungen des Friedhofs an der Wiedenkamper Straße zu finden. Zwölf Stelen sind es derzeit schon, möglichst zwölf weitere sollen noch folgen, finanziert von der Kirchengemeinde.

„Die Idee kam mir, weil ich tagtäglich erlebe, dass Menschen nicht nur zum Friedhof kommen, um das Grab der Angehörigen zu besuchen. Wir möchten ihnen mit den Texten Anregungen geben, und sie können in den Hoffnungstexten Trost finden“, betont Pfarrer Bernd Reinzhagen. Beim Presbyterium kam die Idee des Pfarrers gut an. „Der Tod gehört zum Leben dazu, und im Leben macht man es sich ja auch schön – warum also nicht dafür sorgen, dass es auch rund um das Thema Tod schön ist“, betont der stellvertretende Presbyteriumsvorsitzende Udo Boos.

Aus alten Gruften entstehen mehrere kleinere Urnengräber

Friedhofskultur erlebe einen Wandel, so Bernd Reinzhagen. Das habe schon vor Jahren mit dem Rückgang der großen Grabstätten begonnen. „An vielen Stellen, an denen Liegezeiten auslaufen, werden aus einer großen Gruft beispielsweise kleine Urnengräber mit Wegen dazwischen“, skizziert er einen Trend. Als Reinzhagen 1997 Pfarrer in Wald wurde, habe es beispielsweise etwa zehn Prozent Urnenbestattungen gegeben, jetzt seien es etwa 60 Prozent aller Bestattungen. Auch das Kolumbarium oder die Wiesenflächen für pflegefreie Gräber gehören zu diesen neuen Entwicklungen der Friedhofskultur. Um kleine, neu gepflanzte Bäume, sind zukünftig auch jeweils acht Baumbestattungen möglich.

Die Flächen rund um die neuen Stelen, die von dem Solinger Stahlbauer und Künstler Stephan Mensler gestaltet wurden, sind unterschiedlich und individuell bepflanzt. Auch freie Grabstellen werden dadurch aufgewertet, und tragen somit zum gepflegten Gesamtbild des konfessionellen Friedhofs bei. „Unser Friedhofsgärtner zeigt auch auf Mustergräbern, wie schöne Grabgestaltungen ohne viel Pflegeaufwand möglich sind“, so der Pfarrer.

Auch durch andere Maßnahmen möchte der evangelische Friedhof in Wald zum Ort der Begegnung werden. So wurden bereits zwei Insektenhotels im unteren Bereich des Geländes aufgebaut, drei weitere sollen folgen. Auch 25 neue Bänke laden zum Verweilen ein.

Ein Großprojekt steht am Rand des Friedhofs an. Weil die Gebäude von Breuer & Schmitz der neuen geplanten Wohnbebauung weichen, verschwindet auch die Friedhofsbegrenzung hinter der Kapelle bis zur Locher Straße. „Diese Grenze muss neu gestaltet werden“, so Bernd Reinzhagen.

Ev. Friedhof Wald

Historie: 1890 kaufte die evangelische Kirchengemeinde Wald das etwa 120 000 Quadratmeter große Grundstück am Wiedenkamp („das der Kirche gewidmete Feld“). 1919 wurde der Friedhof erweitert.

Größe: Der Friedhof hat heute 10 000 Grabstellen, vergangenes Jahr gab es 109 Beisetzungen.

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