50. Forum Gesundheit

Früh entdeckt, ist Darmkrebs gut heilbar

Das Forum Gesundheit fand am Donnerstagabend als nicht-öffentliche Veranstaltung statt. V.l.: Prof. Dr. Boris Pfaffenbach, Dr. Kai Uwe Rehbehn, ST-Redakteurin Simone Theyßen-Speich, Dr. Viola Fox und Privatdozent Dr. Peter Schenker. Foto: Michael Strahlen
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Das Forum Gesundheit fand am Donnerstagabend als nicht-öffentliche Veranstaltung statt. V.l.: Prof. Dr. Boris Pfaffenbach, Dr. Kai Uwe Rehbehn, ST-Redakteurin Simone Theyßen-Speich, Dr. Viola Fox und Privatdozent Dr. Peter Schenker.

Forum Gesundheit von ST und Klinikum fand ohne Besucher statt.

Von Simone Theyßen-Speich

Solingen. Eigentlich hätte am Donnerstagabend im Klinikum Solingen das 50. Forum Gesundheit in Kooperation mit dem Solinger Tageblatt stattfinden sollen. Angesichts der rasant steigenden Infektionszahlen haben die Veranstalter die Präsenzveranstaltung kurzfristig abgesagt. Weil das angekündigte Thema „Darmkrebs“ aber so wichtig ist und vor allen Dingen die Vorsorge auch während der Corona-Pandemie nicht in Vergessenheit geraten darf, haben die für das Forum eingeladenen Ärzte das Thema in einem internen Zusammentreffen behandelt.

„62.000 Menschen erkranken jedes Jahr in Deutschland an Darmkrebs, 26.000 davon versterben“, betont Prof. Dr. Boris Pfaffenbach, Chefarzt der Klinik für Gastroenterologie am Klinikum, die Bedeutung der Vorsorgeuntersuchungen. Die werden beim Darm in der Regel als Darmspiegelung (Koloskopie) vorgenommen. In der Regel geschieht das beim niedergelassenen Facharzt, bei Patienten mit Vorerkrankungen auch im Krankenhaus.

Nur ein Viertel bis Fünftel der Menschen gehen zur Vorsorge

Der niedergelassene Gastroenterologe Dr. Kai Uwe Rehbehn möchte die Angst vor dieser Vorsorge-Untersuchung nehmen. „Das ist eine sehr sichere Technik.“ Leider sei die Bereitschaft zur Vorsorge-Untersuchung noch sehr gering. Nur 15 bis 20 Prozent der Männer über 50 Jahre und 25 bis 27 Prozent der Frauen über 55 Jahre nehmen das Angebot wahr.

Dabei zahlen die Krankenkassen für diese Altersgruppen zweimal alle zehn Jahre diese Untersuchung. „Ein weiterer wichtiger Bestandteil der Vorsorge sind die immunologischen Stuhltests, die jeder einfach zu Hause machen kann“, so Dr. Rehbehn.

Der große Vorteil der Darmspiegelung sei, dass nicht nur eine Krebserkrankung im frühen Stadium entdeckt werden kann, sondern auch die zunächst noch gutartigen Vorstufen. „Bei der Koloskopie können kleinere Polypen direkt abgeknipst werden“, erklärt Dr. Rehbehn.

Bei etwa einem Prozent der Darmspiegelungen werde ein Karzinom gefunden, nennt Prof. Pfaffenbach die Zahlen. Bei sechs Prozent der Untersuchten finde man Polypen im fortgeschrittenen Stadium. Wichtig sei, wie bei allen Krebserkrankungen, die frühe Entdeckung. „70 Prozent der bei der Spiegelung entdeckten Karzinome sind noch in den frühen Stadien 1 oder 2“, ergänzt Dr. Viola Fox, Chefärztin des Zentrums für Hämatologie und Onkologie. Bei früh entdeckten Karzinomen gebe es gute Chancen auf Heilung.

Ein großer Teil der Patienten komme über die Vorsorge, bestätigt Privatdozent Dr. Peter Schenker, Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie. Andere Patienten kämen schon mit Beschwerden wie Blutarmut, Veränderung der Stuhlgewohnheit und Leistungsabfall – allesamt Symptome für Darmkrebs. In fortgeschrittenen Stadien oder beim Darmverschluss seien eine minimalinvasive Operation und die Vermeidung eines künstlichen Darmausgangs dann nicht mehr möglich. „In frühen Stadien operieren wir 90 Prozent der Fälle mit der Schlüsselloch-Chirurgie“, so Dr. Schenker. In der Regel sei der Dickdarm, der etwa einen Meter lang ist, von Karzinomen betroffen. Krebserkrankungen in dem vier bis fünf Meter langen Dünndarm sind deutlich seltener.

Das Thema Vorsorge sei durch Corona verschärft worden, so Dr. Viola Fox. Im vergangenen Jahr habe es weniger Diagnosen im frühen Stadium gegeben, weil Patienten den Gang zum Arzt scheuten. „Dadurch sind Erkrankungen jetzt oft fortgeschritten, Therapien zögern sich hinaus und das Sterberisiko wächst“, so Fox.

Forum Gesundheit

Veranstaltung: Das Forum Gesundheit wird seit 2008 von ST und Klinikum Solingen angeboten.

Termin: Die nächsten Termine mit Besuchern sind abhängig von der pandemischen Lage.

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