Nach der Flutkatastrophe

Die Camper in Glüder sind wieder am Start

Anna und Bastian Liedgens sind glücklich darüber, dass auf dem Campingplatz in Glüder wieder Leben eingezogen ist.
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Anna und Bastian Liedgens sind glücklich darüber, dass auf dem Campingplatz in Glüder wieder Leben eingezogen ist.

Neun Monate nach der verheerenden Überschwemmung sind fast alle Spuren beseitigt.

Von Jutta Schreiber-Lenz

Solingen. Idylle pur in Glüder: Auf dem Campingplatz bringt die Aprilsonne Tulpen, Vergissmeinnicht, Narzissen und erste blühende Polsterstauden zum Leuchten. Siestastimmung: Türen und Fenster der Wagen sind geöffnet, Tische und Stühle stehen im Freien, aber niemand ist zu sehen. Zwei Jungs spielen Tischtennis. Vögel zwitschern, die vorbeifließende Wupper schafft Wohlfühlatmosphäre. Kaum mehr vorstellbar, dass sie sich vor einem guten Dreivierteljahr binnen weniger Stunden in einen reißenden Strom verwandelt hatte, der 15 Wohnwagen mit sich riss und auf der Ferien-Anlage Chaos und Zerstörung hinterließ.

Bastian Liedgens kann sich noch gut an die Flutnacht erinnern, die von jetzt auf gleich nicht nur die Urlauber auf dem Platz bedrohte, sondern auch die Existenz seiner Familie als Betreiber aufs Spiel setzte. „Noch immer werden wir bei einsetzendem Starkregen unruhig“, sagt er und meint damit auch die Dauer-Camper, die ihre Wohnwagen rund ums Jahr auf der Anlage stehen haben. „Das traumatische Erlebnis sitzt tief.“

Der Campingplatz Glüder liegt an der Wupper, die vergangenen Sommer zu einem reißenden Strom wurde.

Zum 1. März haben er und seine Frau Anna die Leitung des Campingplatzes von seinen Eltern Silvia und Thomas übernommen, die seit 2003 in Glüder dafür gesorgt haben, dass sich die dort mit ihren Wohnwagen stehenden Gäste wohlfühlten. Der mit diesem Staffelstab-Wechsel verbundene Häusertausch auf der Anlage konnte übrigens wegen der Hochwasserschäden auch erst deutlich später als geplant stattfinden: Die Fluten hatten die Grundplatte des Bungalows zerstört, in den Silvia und Thomas Liedgens ziehen wollten.

Betroffene kämpfen weiter mit den Folgen des Hochwassers

16 Wohnwagen waren vom Wasser mitgerissen worden

„Jetzt ist eigentlich alles wieder so wie vorher“, sagt Bastian Liedgens mit Blick auf die wieder hergerichtete „erste Reihe“, direkt am Wupperufer, die mit ordentlichen Schotterwegen, sorgfältig verlegten Grundsteinen und frisch gemähtem Rasen nicht erzählt, was ihr vor neun Monaten widerfahren war. 16 Wohnwagen waren damals vom Wasser mitgerissen worden, weitere zerstört, der Platz überflutet und nach Ablaufen des Wassers heillos verschlammt. „Wir konnten nur noch hilflos, auf der Brücke in Sicherheit, wie paralysiert zusehen, was sich da abspielte“, erinnert er sich.

Genauso intensiv ist die Erinnerung an die große Hilfsbereitschaft aus Solingen. „Der Oberbürgermeister hat damals blitzschnell für Container gesorgt, in die wir den angeschwemmten Unrat entsorgen konnten, schweres Gerät wie Radlader halfen beim Aufräumen und zahllose Menschen packten mit Schaufeln und Besen mit an“, erzählt er.

Das alles sieht man dem Platz nicht mehr an. Ein Schild an der Balkhauser Straße mit „Herzlich willkommen“ lädt Wanderer und Ausflügler zum Imbiss in die von Anna Liedgens betriebene gemütliche Gastronomie. Die Dauerplätze seien wieder alle belegt und es herrsche wieder rege Nachfrage nach kurzen Verweilmöglichkeiten. „Es kommen viele auf der Durchreise nach Süden oder Norden, aber durchaus auch Gäste, die eine ganz Woche oder sogar vierzehn Tage bleiben und hier richtig Urlaub machen“, sagt Liedgens. So wie vorher – vor der Flut.

Camping liegt im Trend – nicht erst seit Corona

Camping

Adresse: Waldcamping Glüder, Balkhauser Weg 240. Der Platz ist ganzjährig geöffnet.

Kontakt:
Tel.: 02 12 / 24 21 20
Fax: 02 12 / 24 21 234
info@camping-solingen.de

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