ST-Wirtschaftsbeilage

Firmen müssen Stresstest aushalten

IHK-Präsident Henner Pasch fordert einen selbstbewussteren Umgang mit den Stärken Solingens.
+
IHK-Präsident Henner Pasch fordert einen selbstbewussteren Umgang mit den Stärken Solingens.

Die ST-Beilage „Die Bergische Wirtschaft: Gemeinsam stark“ erscheint am kommenden Mittwoch.

Von Manuel Böhnke

Solingen. Corona, Krieg, Inflation – seit rund zweieinhalb Jahren jagt eine Krise die nächste. Für die Unternehmen in Solingen und der Region bedeutet das Stress, betont Henner Pasch. In der umfangreichen Wirtschaftsbeilage, die am kommenden Mittwoch, 10. August, im ST erscheint, äußert sich der Präsident der Bergischen Industrie- und Handelskammer (IHK) ausführlich zu den aktuellen Herausforderungen.

„Die Bergische Wirtschaft: Gemeinsam stark“ lautet der Titel der Veröffentlichung. Er ist nicht zufällig gewählt: Auf 32 Seiten gibt es zahlreiche Beispiele von gelungener Zusammenarbeit in der Stadt und darüber hinaus. Darauf wird es auch in Zukunft ankommen, selbst unter Mitbewerbern. Denn für viele Betriebe sitzt die Konkurrenz nicht mehr in der Nachbarschaft, sondern am anderen Ende der Welt.

Im Interview äußert sich Pasch zu den großen Herausforderungen der Zeit. Als Folge des russischen Angriffs auf die Ukraine sei „die Lieferkettensituation in einigen Bereichen katastrophal“. Hinzu kommen die Unsicherheiten hinsichtlich der Gasversorgung. Diese treffen die Region empfindlich: „Besonders Remscheider und Solinger Firmen sind stark geprägt davon, dass sie Metall erhitzen und in eine andere Form bringen. Das geht nur mit viel Strom oder Gas.“

Die für die Wertschöpfung benötigten Mengen könne man nicht vom einen auf den anderen Tag ersetzen. Auch Wasserstoff, häufig als Alternative genannt, verspreche keine kurzfristige Abhilfe. Pasch führt das Beispiel einer Firma in der Nachbarstadt Remscheid an, die „den Großteil der aktuellen deutschen Wasserstoffproduktion komplett für sich benötigen“ würde.

„Wir brauchen verdammt viele Meister.“

Henner Pasch, IHK-Präsident

Derweil müssen sich die Betriebe in der Region zusätzlich mit Problemen auseinandersetzen, die absehbar waren – seit Jahren. Eines davon ist der Fachkräftemangel. „Damit haben wir uns zu lange zu wenig beschäftigt und Warnungen der Wissenschaft verdrängt“, ist Henner Pasch überzeugt. Nun sorge der demografische Wandel für eine angespannte Situation. Das sei vor allem für die Unternehmen in Remscheid, Solingen und Wuppertal, die vielfach von Innovationen leben, kritisch. Paschs Appell: „Wir müssen darauf achten, dass es unseren Wohlstand nicht gefährdet.“

Gleichzeitig gefährde die Entwicklung den nachhaltigen Wandel, der sich ohne Fachkräfte nicht umsetzen lasse. Ganz praktisch zeigt sich das an Handwerkern, die benötigt werden, um Photovoltaikanlagen zu installieren. „Wir brauchen Bachelor und Master, wir brauchen aber auch verdammt viele Meister“, unterstreicht der 41-jährige IHK-Präsident.

Grundsätzlich sieht der gebürtige Solinger seine Heimat auf einem guten Weg. Er würde sich allerdings wünschen, dass die Stadt offensiver mit ihren Stärken umgeht. Bisweilen wirke es, „ als hätten wir Angst, dass andere es hier auch schön finden, hier hinkommen und Geld bei uns ausgeben“. Dies sei nicht der richtige Ansatz. Mit Blick auf die wirtschaftliche Entwicklung in der Stadt sieht Pasch mehrere Handlungsfelder. Da sind zum einen drastisch zurückgehende Einzelhandelsflächen und der große Bedarf an Wohnraum. Gleichzeitig betont er: „So lange wir so industriegeprägt sind, wird es neue Flächen für Gewerbe geben müssen. Das müssen wir zusammenbringen mit dem berechtigten Interesse, möglichst wenig Flächen zu versiegeln.“

Genau um diese Gratwanderung geht es in der ST-Wirtschaftsbeilage in einem Doppelinterview. Christian Busch, Hauptgesellschafter der Walbusch-Gruppe, und der Remscheider Landwirt und Geflügelhalter Frieder Kottsieper diskutieren über Flächenversiegelung, Wachstumszwang, die Nachfrage nach Freilandeiern und Turnschuhe aus dem 3D-Drucker.

Wirtschaftsbeilage

„Die Bergische Wirtschaft: Gemeinsam stark“ liegt am Mittwoch, 10. August, dem Solinger Tageblatt bei. Auf 32 Seiten beschäftigt sich die Veröffentlichung mit Herausforderungen und Chancen für die Betriebe in der Region. Unter anderem beschreiben kleine und große Solinger Arbeitgeber, wie sie sich in den vergangenen zweieinhalb Jahren auf die zahlreichen Krisen eingestellt haben. Zudem kommen die Innungen der hiesigen Kreishandwerkerschaft zu Wort. Die Wirtschaftsbeilage wird auch online verfügbar sein.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Notfall: 15-jähriger Solinger tut das einzig Richtige
Notfall: 15-jähriger Solinger tut das einzig Richtige
Notfall: 15-jähriger Solinger tut das einzig Richtige
Solinger Polizei soll Taser erhalten
Solinger Polizei soll Taser erhalten
Solinger Polizei soll Taser erhalten
Stadt Solingen wartet bei Trinkwasserbrunnen ab
Stadt Solingen wartet bei Trinkwasserbrunnen ab
Stadt Solingen wartet bei Trinkwasserbrunnen ab
Corona: Weiterer Todesfall in Solingen
Corona: Weiterer Todesfall in Solingen
Corona: Weiterer Todesfall in Solingen

Kommentare