Medizin

Fiebersäfte und andere Arzneimittel sind Mangelware

Sylvia Weber-Erz ist stellvertretende Kreisvertrauensapothekerin.
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Sylvia Weber-Erz ist stellvertretende Kreisvertrauensapothekerin.

Apotheker appellieren, Medikamente nicht zu horten.

Von Simone Theyßen-Speich

Solingen. Es sind vor allen Dingen Fiebersäfte und andere Kinder-Arzneimittel, die derzeit in den Apotheken kaum zu bekommen sind. Grund für den Medikamentenmangel ist dabei nicht alleine die große Nachfrage durch die aktuelle Erkältungs- und Grippewelle. „Viele Medikamente sind schlicht nicht oder nur in kleinen Mengen lieferbar“, erklärt Sylvia Weber-Erz, stellvertretende Kreisvertrauensapothekerin in Solingen.

„Paracetamol-Zäpfchen etwa in der 125er-Größe für etwas ältere Babys sind solingenweit nicht lieferbar“, nennt Weber-Erz ein Beispiel. Bei anderen Engpässen, etwa Insulin für Diabetiker, nehmen die Apotheker in der Stadt über eine Whatsapp-Gruppe Kontakt auf, um sich über Bestände auszutauschen.

Die Apothekerin betont: „Für den akuten Bedarf finden wir immer eine Lösung, dafür ist es aber wichtig, dass Eltern die Medikamente nicht horten.“ In der Apotheke sei sie einen Großteil der Zeit damit beschäftigt, die gängigen Präparate, die gerade nicht lieferbar sind, abzurufen und alle Hersteller durchzugehen. „Manchmal ist etwas für eine Stunde verfügbar, dann wieder vergriffen“, skizziert sie die Situation. ACC-Brausetabletten beispielsweise gebe es nicht, weil schlicht die Alu-Verpackung fehle.

Sind Medikamente vorrätig, dann oft zu einem mittlerweile erhöhten Preis. „Beim Ibuprofensaft von Ratiopharm etwa müssen Eltern jetzt zuzahlen, weil der Preis über dem Festbetrag der Krankenkassen liegt.“ Diese Festbeträge müssten seitens der Politik erhöht werden, fordert sie. Sonst würden Pharmahersteller die Produktionen einstellen. Einige hätten sich schon aus der aufwendigen Saftproduktion zurückgezogen. „Neben Preissteigerungen bei den Wirkstoffen spielen beim Saft Dinge wie die energieaufwendige und damit teure Herstellung von Glasfläschchen mit rein.“

„Bei einfachen Medikamenten Festpreise erhöhen“

Tabletten seien deutlich einfacher herzustellen. Aber auch da müsse es sich für den Hersteller rechnen. „Wenn Paracetamol laut Krankenkasse in der 1000-mg-Stärke für Erwachsene 4,70 Euro kosten darf und in der 125-mg-Stärke für Kinder nur 1,10 Euro, lohnt sich die Herstellung für die Kinder-Präparate nicht mehr. Oft müsse auf Alternativen ausgewichen werden, bestätigt auch Sajra Dzamastagic, Apothekerin in der St. Michael-Apotheke. „Auch das bedeutet viel Zeitaufwand für Gespräche mit den Kunden, bei etwa jedem fünften führen wir Sondergespräche wegen der Lieferausfälle.“

Dazu kämen Rücksprachen mit den Ärzten, um alternative Präparate zu verordnen. „Da hängt man dann lange in der Warteschleife der Praxen“, nennt Sylvia Weber-Erz ein weiteres Problem. Zudem suchten, so Dzamastagic, viele Eltern die Apotheke für eine Beratung auf, weil sie den Gang zum Kinderarzt angesichts der Infektionswelle scheuten.

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