Qualitätssicherheit

FFP2-Masken sind nicht immer geprüft

Apotheker Christian Veithen sieht für die Produktsicherheit der FFP2-Masken vor allem die Hersteller in der Verantwortung. Foto: Christian Beier
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Apotheker Christian Veithen sieht für die Produktsicherheit der FFP2-Masken vor allem die Hersteller in der Verantwortung.

Solingerin hegte Zweifel an der Sicherheit ihres Produkts und schaltete die Bezirksregierung Düsseldorf ein.

Von Kristin Dowe

Solingen. Wer in der Coronazeit statt zu einer gewöhnlichen Mund-Nase-Maske aus Stoff zu einer FFP2-Maske greift, mit der etwa auch medizinisches Personal arbeitet, verspricht sich davon wohl einen besonderen Schutz. Doch halten die in der Apotheke als FFP2-Masken ausgewiesenen Produkte auch, was sie versprechen? Eine Solingerin, die ungenannt bleiben möchte, hat in Bezug auf eine Maske, die sie in der Mühlenhof-Apotheke gekauft hat, da ihre Zweifel.

„Ich habe kürzlich gelesen, dass in Münster minderwertige Masken aus China an die Uniklinik geliefert worden sind. Diese trugen die gleiche Kennzeichnung wie meine Maske, die ich in der Solinger Apotheke gekauft habe – KN95.“ Eine CE-Kennzeichnung mit einer Prüfnummer, bei der es sich um ein europäisches Qualitätssiegel handelt, habe ihre Maske hingegen nicht aufgewiesen. Nachdem sie in der Apotheke mit ihrem Hinweis zunächst auf Unverständnis gestoßen sei, wandte sich die Leserin an die für Produktsicherheit zuständige Bezirksregierung Düsseldorf, welche die Masken aus der Mühlenhof-Apotheke daraufhin untersuchen ließ. Das Ergebnis dieser „Prüfung durch eine unabhängige Prüfstelle“ stehe noch aus, heißt es dazu auf Nachfrage aus der Pressestelle.

„FFP2-Masken müssen entweder ein CE-Kennzeichen gefolgt von der Kennnummer der benannten Prüfstelle tragen, oder einen Schnelltest gemäß Prüfgrundsatz für Corona-Atemschutzmasken vorweisen können“, teilt die Bezirksregierung weiter mit. Dieser Schnelltest sei speziell zu Beginn der Pandemie eingeführt worden, um auch Produkte, die streng genommen nicht dem europäischen Standard entsprechen, für den europäischen Markt zuzulassen. So habe man gleichzeitig den dringenden Bedarf decken und die Produktsicherheit der Masken gewährleisten können. Dann könnten beispielsweise auch Masken mit dem chinesischem Siegel KN95 für den Verkauf in Deutschland zugelassen werden, deren Qualität in etwa mit europäischen Standards vergleichbar sei. Weise das Produkt beim Schnelltest hingegen Mängel auf, müsse der Importeur einen Rückruf durchführen.

Peter Scholl, Inhaber der Mühlenhof-Apotheke, wirbt auf Tageblatt-Nachfrage um Verständnis für die Situation der Apotheker: „In der Hochzeit der Coronakrise haben wir die Masken bei unserem Großhändler gekauft. Wir mussten die Nachfrage schnell bedienen, um unseren Kunden die Masken zur Verfügung stellen zu können. Wir wollten schnelle Hilfe leisten und nichts lag mir ferner, als aus der Krise Profit zu schlagen“, versichert Scholl. Zudem sei die erforderliche CE-Kennzeichnung zwar nicht auf den Masken, wohl aber auf den Kartons aufgedruckt gewesen, weshalb er auch nicht skeptisch geworden sei.

Christian Veithen, Sprecher der Solinger Apotheken, äußert Verständnis für Scholls Situation: „Es ist uns Apothekern unmöglich, jede einzelne Maske zu prüfen, zumal die Corona-Pandemie ganz plötzlich über uns hereingebrochen ist. Wenn wir einen Karton mit 1000 Masken erhalten, können wir uns nur auf die Angaben des Herstellers verlassen.“

„Es ist Apothekern unmöglich, jede einzelne Maske zu prüfen.“
Christian Veithen, Apotheker

Und dieser hat nach Angaben der Bezirksregierung neben dem Importeur als Hauptverantwortlichen – sofern der Hersteller außerhalb der EU ansässig ist – auch dafür Sorge zu tragen, dass nur sichere Produkte auf den Markt gelangen. Wenn ein Schnelltest an dem Produkt vollzogen worden sei, werde in NRW allerdings von der zuständigen Marktüberwachungsbehörde eine Bestätigung erstellt, die der Apotheker dem Kunden in Kopie aushändigen müsse.

Doch die Masse an Produkten, die größtenteils auf dem chinesischem Markt hergestellt wird, dürfte für alle Beteiligten schwer zu kontrollieren sein. Von der Bezirksregierung heißt es dazu: „FFP2-Masken erfüllen erfahrungsgemäß die Schutzleistung. Aktuell ist es eher so, dass Produkte fälschlich mit der Qualität FFP2 beworben werden, obwohl eine entsprechende Prüfung gar nicht vorliegt.“

Verbrauchertipp

FFP2-Masken müssen nach europäischem Standard eine CE-Kennzeichnung mit einer Kennnummer tragen. Masken mit einer anderen Kennzeichnung müssen zusätzlich für die Zulassung für den europäischen Markt geprüft werden. Eine Bescheinigung des Herstellers muss dem Händler vorliegen.

In unserem Live-Blog finden Sie aktuelle Informationen zu Entwicklungen rund um das Coronavirus in Solingen.

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