Notfall

Feuerwehr profitiert von Ortungssystem

Bei einem Notruf geht es für den Betroffenen um Sekunden. Eine Ortungssoftware macht es den Rettungskräften leichter, den Einsatzort zu finden, wohingegen sie früher oft mit ungenauen Angaben arbeiten mussten. Foto: Michael Schütz
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Bei einem Notruf geht es für den Betroffenen um Sekunden. Eine Ortungssoftware macht es den Rettungskräften leichter, den Einsatzort zu finden, wohingegen sie früher oft mit ungenauen Angaben arbeiten mussten.

Mit einer speziellen Software können Einsatzkräfte Verletzte über deren Smartphone besser auffinden.

Von Kristin Dowe

Solingen. Ein Sturz beim Waldspaziergang oder ein Unfall beim Sport in der Natur – es gibt viele Situationen, in denen Menschen in Not geraten können und die Hilfe der Feuerwehr benötigen, aber nicht genau wissen, wo sie sich befinden. Die Suche nach der verletzten Person kann die Rettungskräfte wertvolle Minuten kosten, wenn eine präzise Ortsangabe zunächst nicht möglich ist. Seit anderthalb Jahren arbeitet auch die Feuerwehr Solingen deshalb mit der Ortungssoftware „Advanced Mobile Location“ , kurz AML.

Wanderwege haben keine Hausnummer.

Michael Pölcher, Feuerwehrleitstelle Wuppertal

Die Technologie leiste für die Arbeit der Rettungskräfte wertvolle Dienste, so das Fazit von Michael Pölcher, Teamleiter für operative Leitstellenarbeit bei der Feuerwehrleitstelle in Wuppertal, über die bisherige Nutzung. „Mit Hilfe der Ortung per AML wissen wir nun sehr genau, wie wir die Rettungskräfte zum Einsatzort dirigieren müssen. Aufgrund der Verletzungsmuster ist hier meist höchste Eile geboten.“ Dies gilt besonders für Notlagen wie Kopfverletzungen, innere Blutungen, Herzinfarkte oder großer Blutverlust.

Neuere Smartphones benötigen keine extra App für die Ortung

Das Prinzip hinter AML ist simpel: Wer mit seinem Mobiltelefon die 112 wählt, sendet automatisch seine genauen Standortdaten an die zuständige Feuerwehrleitstelle. Erforderlich dafür ist ein Smartphone mit den Betriebssystemen IOS 13.3, Android 2.3 oder einer aktuelleren Version. Bereits bei 75 Prozent der Notrufe wird laut Feuerwehrangaben der Standort übermittelt – Tendenz steigend. Eine zusätzliche App muss für die Nutzung nicht installiert werden. „Ältere Smartphones besitzen mitunter nicht die Leistungsfähigkeit für die neuen Betriebssysteme, hier erwarten wir mit der natürlichen Lebenserwartung dieser Geräte eine Verbesserung der Statistik“, hofft Pölcher.

Auch funktioniert AML nicht im sogenannten „limited service mode“. Dieser tritt ein, wenn ein Mobilfunkanbieter den Notruf 112 wählt, aber sein Netz am Standort nicht verfügbar ist. Ist dies der Fall, ist der Mobilfunkbetreiber zumindest verpflichtet, einen Notruf über sein Netz als Sprachanruf kostenlos zu ermöglichen. „Für die Ortungsdaten muss das Handy aber zusätzlich eine SMS senden können“, betont Michael Pölcher. Diese werde nur bei einem Notruf im eigenen Mobilfunknetz gesendet.

Feuerwehr rät, Standort immer genau angeben zu können

Im Alltag beobachte die Feuerwehr, dass viele Menschen sich blind auf ihr Navigationssystem verlassen – selbst mit ungefähren Ortsangaben könnten die Rettungskräfte im Ernstfall allerdings nur unzureichend arbeiten. Michael Pölcher nennt ein Beispiel: „Sie haben einen Notfall am Klingenmuseum und wissen im konkreten Moment nicht ausreichend genau, wo Sie sind. Wenn Sie Ihren Standort nur auf 100 Meter genau angeben können, ergibt sich eine mögliche Fläche von circa 3,5 Fußballfeldern, die wir absuchen müssen.“

Am Beispiel Klingenmuseum schließe dies acht umgebende Straßen mit unterschiedlichen Höhenprofilen, Sichtbehinderung durch Gebäude und eingeschränkter Befahrbarkeit durch Einbahnstraßen ein. „Da kann wertvolle Zeit verloren gehen.“ Auch sei längst nicht bei jedem Einsatz eine konkrete Adresse verfügbar: „Gerade Freizeitsportler dringen immer tiefer in die Natur ein und nicht selten stürzen sie dabei. Und Wanderwege haben keine Hausnummer.“ Umso mehr zähle für die Rettungskräfte im Ernstfall jede Sekunde.

Rechtslage

Richtlinie: Im Dezember 2018 trat eine Richtlinie der Europäischen Union in Kraft. Danach sind die Mitgliedsstaaten verpflichtet, dafür Sorge zu tragen, dass den Leitstellen Informationen zum Anruferstandort des Notrufenden zur Verfügung gestellt werden. Diese Daten werden an die Leitstelle übermittelt und aus Datenschutzgründen nicht auf dem Handy gespeichert.

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