Gedenken

Fensterrose soll jüdisches Leben sichtbar machen

Der Künstler Michael Bauer-Brandes (v. l.) gab gemeinsam mit OB Tim Kurzbach, Stadtsprecher Lutz Peters sowie Ralf Rogge vom Stadtarchiv Solingen und dem Historiker Armin Schulte einen Ausblick auf das Kunstprojekt und den Festakt.
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Der Künstler Michael Bauer-Brandes (v. l.) gab gemeinsam mit OB Tim Kurzbach, Stadtsprecher Lutz Peters sowie Ralf Rogge vom Stadtarchiv Solingen und dem Historiker Armin Schulte einen Ausblick auf das Kunstprojekt und den Festakt.

Ein Werk des Künstlers Michael Bauer-Brandes erinnert an die ehemalige Synagoge, die in diesem Jahr 150 Jahre alt geworden wäre.

Von Kristin Dowe

Solingen. Dicht mit Efeu bewachsen ist heute der trutzige Hochbunker an der Malteserstraße, an der sich einst eine Synagoge als kraftvolles Symbol jüdischen Lebens mitten in Solingen befand. Am 8. März wäre das Gotteshaus, das die jüdische Gemeinde 1872 gemeinsam mit Vertretern der Stadt Solingen eingeweiht hatte, 150 Jahre alt geworden. Zerstört wurde der Bau, der damals auch als Zeichen des friedlichen Miteinanders der Religionen galt, in der berüchtigten Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 durch die Hand der Nationalsozialisten.

„Wir haben uns gefragt, wie wir jüdisches Leben öffentlich wieder sichtbarer machen können“, sagte Oberbürgermeister Tim Kurzbach (SPD) gestern bei einem Pressegespräch im Theater und Konzerthaus. „Dann sind wir auf die Idee gekommen, dass der Bunker auch eine wunderbare Projektionsfläche wäre.“ Am Ende griff man die Idee einer Fensterrose auf, die die Künstlerin Jaqueline Hen 2018 bereits als Lichtinstallation auf Anregung des Solinger Kunstvereins gestaltet hatte. Dieser begrüßte die Fortführung der Ursprungsidee ausdrücklich.

Ich mag die Veränderung des Materials.

Michael Bauer-Brandes, Künstler

Denn eine solche Fensterrose befand sich damals an der früheren Synagoge. Der Solinger Künstler und Schmied Michael Bauer-Brandes realisierte die Grundidee schließlich mit einem eigenen Entwurf, der sich durch klare, geometrische Formen auszeichnet: Ein kleiner Kreis ist in dem Werk von sechs weiteren Kreisen umgeben, die jeweils einen Davidstern einschließen. OB Kurzbach sieht darin vor allem ein klares Bekenntnis zu jüdischem Leben der Stadt Solingen, „den Davidstern groß und deutlich sichtbar in einer Großstadt aufzuhängen“. In Zeiten des wieder erstarkenden Antisemitismus sei dies ein wichtiges Signal.

Bei einem Festakt am 12. März werden ab 19.30 Uhr Kurzbach und der Rabbiner Chaim Kornblum die Fensterrose am Bunker Malteserstraße einweihen. Anschließend ist ein Programm mit geladenen Gästen im Bürgersaal der Stadtkirche am Fronhof geplant, bei dem unter anderem Abraham Lehrer, Vizepräsident des Zentralrats der Juden, einige Nachfahren der bekannten jüdischen Solinger Familien Coppel und Feist sowie Vertreter der Jüdischen Kultusgemeinde Wuppertal erwartet werden. Am Sonntag, 13. März, werden außerdem um 10 Uhr die Stolpersteine der Familien Siegfried und Albert Feist im Beisein von Angehörigen zunächst an der Katternberger Straße 37 und anschließend an der Kölner Straße 18 verlegt.

So wird die Fensterrose am Bunker aussehen.

„Es gibt heute nur noch wenige Fotos von der Synagoge“, ergänzte Daniela Tobias vom Max-Leven-Zentrum – der zu Ehren des von den Nazis ermordeten Journalisten Max Leven gegründete Gedenkverein setzt sich für das Gedenkzentrum in der neuen Sparkasse am Neumarkt ein. Die Verlegung der Stolpersteine habe coronabedingt verschoben werden müssen, der Festakt zu 150 Jahren Synagoge sei ein passender Anlass, dies nun nachzuholen, so Tobias.

Der im Durchmesser vier Meter breite Entwurf greift die Gestalt der originalen Fensterrose der Synagoge auf und abstrahiert deren Form durch Ringe. „Wir möchten damit nicht nur retrospektiv an die Synagoge erinnern, sondern auch prospektiv in die Zukunft schauen“, betont Kurzbach.

Für Michael Bauer-Brandes sei der Auftrag „eine besondere Ehre“ gewesen, für die er dankbar sei. „Eine Gestaltungsaufgabe war das für mich nicht, denn am Originalbauwerk gab es ja schon eine Fensterrose.“ Dabei habe er der Vorlage gerecht werden und ein Werk schaffen wollen, „das deutlich aus der Form hervortritt“, ähnlich wie eine behauene Steinfläche. „Ich mag Rost und die Veränderung des Materials“, erklärte er. Mit Cortenstahl habe der Schmied ganz bewusst „die Unvergänglichkeit des Materials“ betonen wollen.

Straßensperrung

Für die Veranstaltung am 12. März an der Malteserstraße gilt von 10 bis 0 Uhr ein Halteverbot und die Malteserstraße wird zur Durchfahrt für den Abend in Teilen gesperrt. Interessierte können den Festakt auch online verfolgen, ein entsprechender Link wird noch bekanntgegeben. Gegen 21 Uhr wird die Veranstaltungstechnik wieder abgebaut.

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