Solingen feiert Karneval und den „Hoffeditz“

Die Prinzengarde Blau-Gelb Solingen-Ohligs 1936 veranstaltet traditionell das Hoppeditz-Erwachen. 2020 fiel das pandemiebedingt aus, weshalb der Hoppeditz 624 Tage in seiner Tonne verharren musste. Fotos: Michael Schütz
+
Die Prinzengarde Blau-Gelb Solingen-Ohligs 1936 veranstaltet traditionell das Hoppeditz-Erwachen. 2020 fiel das pandemiebedingt aus, weshalb der Hoppeditz 624 Tage in seiner Tonne verharren musste.

Närrische Jahreszeit startete in der Ohligser Festhalle.

Von Jutta Schreiber-Lenz

Solingen. Die Solinger Jecken können noch feiern, trotz der langen Pause: Das bewiesen sie am Donnerstagabend in der Ohligser Festhalle, als sie gemeinsam mit der Prinzengarde Blau-Gelb Solingen-Ohligs den Hoppeditz aus der Tonne befreiten. Dort hatte er – von Präsident Joachim Junker akribisch ausgerechnet – 624 Tage auf sein Erwachen warten müssen.

Dabei war im Inneren des „Kübels“, wie der Hoppeditz seinen Aufenthaltsort schmunzelnd nannte, eine wundersame Wandlung geschehen: Beerdigt als Ordnungsdezernent Jan Welzel am 26. Februar 2020, erwachte nun Thorsten Kabitz als Symbolfigur der närrischen Jahreszeit – und zwar als „Kab-Hoppe-(d)itz“, wie er sich selbst betitelte.

Gut gelaunt teilte er im Elf-Kostüm munter Gags auf Kosten der anwesenden Prominenz aus. So sagte er beispielsweise breit grinsend in Richtung des Ehepaars Dragana und Mirko Novakovic, dass Ohligs bald in „Ohlikovic“ umbenannt werde. Die beiden hatten nach diversen Investitionen im Stadtteil jüngst die Festhalle von der Stadt erworben und wollen mit Hilfe einer Stiftung dafür sorgen, dass der Veranstaltungsort wieder Kommunikationszentrum und Treffpunkt für „alle Solinger“ werden kann.

Thorsten Kabitz ist der neue Hoppeditz.

Oberbürgermeister Tim Kurzbach musste die Vermutung des Hoppeditz einstecken, er wolle deshalb so viele Kindertagesstätten in Solingen bauen lassen, weil er mit Ehefrau Uli noch so viel Nachwuchs zu zeugen gedenke, dass der eine Einrichtung alleine fülle.

Aber Kabitz hatte nicht nur muntere Kalauer dabei, die von den Gästen im Saal mit viel Applaus quittiert wurden und Saal-Musiker Horst Rathmann immer wieder zu einem Tusch animierten. Er sehe sich als „Hoffeditz“, sagte Kabitz, der den Karneval als Chance des Miteinanders für alle begreife. „Ohne Diskriminierung, Rassismus, Intoleranz und Ausgrenzung“ – so wie es einer demokratischen Gesellschaft entspreche.

Den jecken Countdown zählte der ganze Saal runter

Damit hatte er den Nerv von OB Kurzbach getroffen, der als „Geburtshelfer“ des neuen Hoppeditz die Stichworte nutzte, um seinerseits gegen Hass, Egozentrik und Verantwortungslosigkeit anzureden. Das gelte im Großen, aber auch im Kleinen, speziell im Karneval: „Sagt allen, dass sie sich impfen lassen sollen – und haltet euch an die Regeln, damit das gut geht“, rief er am Eingang – dort wurde sorgfältig auf 3G-plus kontrolliert.

Den jecken Countdown von 11 Sekunden bis zum Abheben des Tonnen-Deckels auf der Bühne der Ohligser Festhalle hatte der ganze Saal lautstark runtergezählt. Sämtliche Solinger Vereine hatten Abordnungen geschickt, Prominenz aus Politik und Gesellschaft war gekommen um als Teufel, Biene oder in schicker Garde-Uniform die „Rückkehr des Karnevals“ zu begrüßen. So hatte es Joachim Junker, spürbar glücklich, in seinen Begrüßungsworten an die Gäste formuliert – auch wenn deutlich weniger Menschen gekommen waren als in früheren, pandemiefreien Zeiten.

Dass das Ganze zudem wieder in der Festhalle – dem „Wohnzimmer“ der Ohligser Karnevalisten – stattfinden konnte, sei wunderbar, so Junker. Und räumte schließlich mit der Karnevals-Prominenz die Bühne, um Tanzgarden und Musik das Feld zu überlassen. Auch sie zeigten eifrig, dass sie nichts verlernt haben.

Festhalle

Seit 2015 springt der Hoppeditz in der Festhalle aus der Tonne. 2014 war der heutige OB Tim Kurzbach als Fraktionschef der SPD der letzte Hoppeditz, der morgens um 11.11 Uhr in der Ohligser City geweckt wurde, um die Karnevalssession zu eröffnen. 2020 fiel pandemiebedingt der Karneval komplett aus.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Welches Gebäude suchen wir in dieser Woche?
Welches Gebäude suchen wir in dieser Woche?
Welches Gebäude suchen wir in dieser Woche?
Solinger Händler ziehen gemischte Bilanz
Solinger Händler ziehen gemischte Bilanz
Solinger Händler ziehen gemischte Bilanz
Corona: St. Lukas - Noch keine OP-Verschiebungen
Corona: St. Lukas - Noch keine OP-Verschiebungen
Corona: St. Lukas - Noch keine OP-Verschiebungen
Solinger Mediziner: Kinder nicht vorschnell impfen
Solinger Mediziner: Kinder nicht vorschnell impfen
Solinger Mediziner: Kinder nicht vorschnell impfen

Kommentare