Aktion für Geflüchtete in der Fauna

Statt Uniform trägt Sergej aus der Ukraine heute Tierfutter

Geflüchtete Menschen aus der Ukraine hatten in der Fauna diese Woche generell freien Eintritt. Es gab darüber hinaus auch einen Gruppenausflug mit Gräfrath hilft. Foto: Michael Schütz
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Geflüchtete Menschen aus der Ukraine hatten in der Fauna diese Woche generell freien Eintritt. Es gab darüber hinaus auch einen Gruppenausflug mit Gräfrath hilft.

Gräfrath hilft besucht mit 40 Flüchtlingen die Fauna – Gräfrather Tierpark bot Ukrainern eine Woche freien Eintritt.

Von Andreas Römer

Solingen. Die Initiative Gräfrath hilft hat in dieser Woche einen Ausflug für Geflüchtete aus der Ukraine in die Fauna organisiert. Etwa 20 Ukrainerinnen mit 18 Kindern besuchten den Tierpark gemeinsam. Zwischen zwei und acht Wochen sind die Menschen schon in Solingen. Geflüchtete aus der Ukraine lädt die Fauna auch noch am heutigen Donnerstag und morgigen Freitag ein, die Anlage in Gräfrath kostenfrei zu besuchen.

Beim Gruppenausflug mit dabei: Kinder in allen Altersstufen. Einige Kleinkinder noch im Kinderwagen, viele Schulkinder – aber auch Sergej, der gerade 18 Jahre alt geworden ist. Seine Mutter und er sind bewusst kurz vor seinem Geburtstag geflüchtet. Statt jetzt die Fauna zu besuchen, hätte er nämlich sonst die Uniform an - und in den Krieg ziehen müssen.

„Danke an all die Menschen, die uns so herzlich aufgenommen haben.“

Inna Tyshkevych aus der Ukraine

Alle freuen sich über die Einladung von Vera und Ulrich Schramm von der Fauna. Die Mütter lächeln, wenn sie die Freude in den Kinderaugen sehen. Lamas streicheln, Erdmännchen beobachten, ein Eis essen – so vergessen alle für einen Augenblick die schrecklichen Ereignisse in der Heimat.

„Ich möchte einmal Danke sagen. Danke an all die Menschen in Deutschland, die uns so herzlich aufgenommen haben und uns jeden Tag helfen,“ sagt Inna Tyshkevych. Die gelernte Fotografin hat sich mit ihren zwei Kindern Ilja (10) und Sofia (6) auf die Flucht gemacht. Ihre Heimat ist Mykolajiw, etwa 150 Kilometer nordöstlich von Odessa. Von Solingen bis nach Hause sind es rund 2 300 Kilometer. „Die Situation in meiner Heimat ist einfach nur schrecklich“, erzählt sie.

Nicht alle ukrainischen Frauen wissen, wo ihre Männer sind und wie es ihnen geht

Sie sei sehr froh, dass die Familie in Solingen aufgenommen wurde. Ilja und Sofia haben schon ihre ersten Ferien hier – ab Montag gehen sie wieder in die Schule, lernen wie die Mutter fleißig Deutsch. Inna ist dankbar, dass sich die Kinder im Tierpark wohlfühlen und lachen können.

Tierpflegerin Claudia Höfer macht eine kleine Führung. Verständigung? Wenige sprechen Englisch, Deutsch lernen sie zwar alle, aber viel mehr als „Super“ und „Danke“ ist vielleicht auch noch nicht zu erwarten. Mohammed Zakwan Darwish übersetzt, nicht nur die Erläuterungen der Tierpflegerin, auch die vielen Fragen der kleinen ukrainischen Besucher. Na klar, ihnen haben es die Tierbabys angetan.

Solingen zeigt sich solidarisch mit der Ukraine - So können Sie jetzt helfen

Eine Dose Futter muss her. Die Kleinen wollen los, die Tiere in der Fauna füttern. Die Lamas lassen sich streicheln, die Ziegen auch. Es ist ganz schön wuselig, die Kinder staunen, rennen von einem Gehege zum nächsten, blicken aber immer wieder zurück – nur nicht die Mama aus den Augen verlieren. Die Situation ist noch immer fremd, es ist schön, aber eben doch nicht Heimat.

Bei anderen Familien ist es umgekehrt: Immer wieder rennen deutsche Eltern hinter ihren Kindern her, müssen sie einfangen. Sonst kann man kaum einen Unterschied feststellen. Mütter fotografieren ihre Kinder vor Tieren, freuen sich über das schöne Wetter, teilen die Freude mit den anderen. Nur wem sie dann die Bilder schicken, ist nicht ganz klar: Die Männer und Väter sind in der Ukraine – und längst nicht alle ukrainischen Frauen wissen, wo die Männer sind, wie es ihnen geht.

So ist der gut zweistündige Besuch im Tierpark Fauna eine willkommene Ablenkung, von den Sorgen um die Daheimgebliebenen, von den vielen Fragen, die die Flüchtlinge jeden Tag auch mit der deutschen Bürokratie haben. Die Kinder können einfach mal wieder Kinder sein, herumtollen, Tiere bestaunen. Dass dann doch noch ein Kind weint, hat dann tatsächlich mit der Sprachbarriere zu tun. Katja hatte so viel Spaß, die Ziegen zu streicheln, dass sie das auch ein paar Meter weiter bei den Minischweinen versuchte. Die mögen das aber gar nicht und beißen – diesmal in Katjas Zeigefinger. Das Schild, das auf diese Gefahr hinweist, hängt nur in Deutsch am Zaun. Aber es ist nicht wirklich etwas passiert: Mit ein wenig kaltem Wasser ist der Schmerz schnell vergessen.

Gräfrath hilft

Gräfrath hilft ist eine ehrenamtliche Initiative zur Unterstützung von Zuwanderern aus Kriegs- und Bürgerkriegsgebieten. Sie setzt sich zusammen aus der Bezirksvertretung, den Kirchengemeinden, Vereinen und zahlreichen Bürgern aus Gräfrath. Die Führung in der Fauna hatte Georg Schubert, ein Ehrenamtler der Initiative, mit dem Tierpark organisiert.

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