Praktische Fahrerlaubnisprüfungen

Solinger Fahrschüler sollen jetzt auch samstags geprüft werden

Fahrschüler und -lehrer müssen weiterhin lange auf einen Termin für die praktische Prüfung warten.
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Fahrschüler und -lehrer müssen weiterhin lange auf einen Termin für die praktische Prüfung warten.

Stimmung zwischen Tüv und Fahrschulen ist seit langem angespannt.

Von Manuel Böhnke

Solingen. Seit vergangenem Samstag nimmt der Tüv Rheinland in Solingen und anderen Teilen NRWs auch samstags praktische Fahrerlaubnisprüfungen ab. Das soll die ausufernden Wartezeiten auf Termine eindämmen. Bei den Solinger Fahrlehrern stößt der Schritt auf geteiltes Echo. Zwar gehe die Maßnahme in die richtige Richtung, sei aber nur ein „Tropfen auf den heißen Stein“, sagt Thomas Rademacher, Obmann des Fahrlehrer-Verbandes. Der Tüv bekämpfe die Symptome, die Ursache des Problems bleibe.

Immer wieder hat das ST über die angespannte Situation bei den Führerscheinprüfungen berichtet, zuletzt im Juni. Seinerzeit betrug der Vorlauf für einen Termin nicht mehr die gewohnten zwei bis drei Wochen, sondern vier bis sechs. Seitdem hat sich die Situation zugespitzt, berichtet Markus Harscheidt. „Wer aktuell bestellt, bekommt teilweise Daten im kommenden Jahr zugewiesen“, sagt der Inhaber der gleichnamigen Fahrschule.

„Corona war ein Brandbeschleuniger.“

Markus Harscheidt, Fahrlehrer

Das sei derzeit vor allem für angehende Zweiradfahrer kritisch. Sie müssen ihre Prüfung vor dem Wintereinbruch ablegen. Deshalb behandelt der Tüv die Gruppe an den kommenden Samstagen prioritär. Rademacher erwartet sich davon auch an anderer Stelle Entlastung – unter der Woche stehen mehr Kapazitäten für andere Klassen zur Verfügung.

Ähnlich schätzt Harscheidt die Lage ein. Er tritt jedoch auf die Euphoriebremse: „Wie gut das funktioniert, wird die Praxis zeigen.“ Für einen der kommenden Samstage habe er vier Termine beantragt – und für zwei den Zuschlag erhalten. Der Tüv erklärt, den sechsten Prüfungstag „bis auf Weiteres“ anbieten zu wollen, perspektivisch in ganz NRW. Ziel sei, auf Dauer wieder die angestrebten drei Wochen Vorlauf zu erreichen.

Die angespannte Lage führt der Tüv vor allem auf die Pandemie zurück. Wegen der Lockdowns schiebe man eine Bugwelle an Schülern vor sich her. Hinzu komme, dass 15 Prozent der Prüfungen wegen Corona-Erkrankungen ausfallen. Nichtsdestotrotz habe man zwischen Januar und Ende September 2022 mehr praktische Prüfungen abgenommen „als jemals zuvor in diesem Zeitraum“.

Zudem verweist der Tüv auf eine „stark gestiegene Nachfrage“, unter anderem wegen Umschreibern mit ausländischen Führerscheinen und einer gestiegenen Durchfallquote. Ein weiteres Problem: Dem Unternehmen zufolge gehen Fahrschulen verstärkt dazu über, Termine auf Vorrat zu buchen. Die Rückgabequote liege bisweilen bei mehr als 50 Prozent. Häufig erfolge die Absage seitens der Fahrschulen zu kurzfristig, um den Termin anderweitig zu vergeben.

Thomas Rademachers Meinung nach ist das ein „hausgemachtes Problem: „Die Fahrschulen haben sich daran gewöhnt, dass sie nicht alle Termine bekommen, die sie benötigen. Deshalb bestellen manche vorsorglich mehr.“ Markus Harscheidt kennt solche Fälle. Seine Fahrschule lasse in der Regel keine Termine verfallen: „Wenn ein Prüfling kurzfristig ausfällt, vergeben wir die Termine anderweitig.“ Er regt an, Betriebe, die selten Prüfungen verfallen lassen, bevorzugt zu behandeln.

Die Beziehung zwischen Tüv und Solinger Fahrschulen ist angespannt. Dementsprechend kontrovers ging es bei einer gemeinsamen Sitzung in der vergangenen Woche zu, erzählt Thomas Rademacher. Der Obmann bemängelt die Kommunikation mit den Fahrschulen. Und dass der Tüv um Ausreden nie verlegen sei. „Mir fehlt diesbezüglich einfach auch etwas Demut und Einsicht beim Tüv, eine Mitschuld an der Situation zu tragen.“ Freilich habe die Corona-Situation die Arbeit erschwert, doch habe die Fehlplanung lange vor der Pandemie begonnen. Es seien zu wenige Prüfer ausgebildet worden. Hier sei auch der Gesetzgeber in der Pflicht – die Hürden seien zu hoch. Wer Prüfungen abnehmen möchte, muss Ingenieur sein. „Das ist nicht zeitgemäß.“ Ein „Brandbeschleuniger“ sei Corona gewesen, fasst Markus Harscheidt zusammen. „Die Lage war schon vorher knapp, irgendwie hat es aber funktioniert.“ Jetzt nicht mehr.

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