Wirtschaft

Experten diskutieren Zukunft des Handels

Die Stadt- und Stadtteilzentren wie hier in Ohligs gaben während der coronabedingten Lockdowns ein tristes Bild ab. Die Einschränkungen haben die Lage vieler Händler verschärft. Archivfoto: Michael Schütz
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Die Stadt- und Stadtteilzentren wie hier in Ohligs gaben während der coronabedingten Lockdowns ein tristes Bild ab. Die Einschränkungen haben die Lage vieler Händler verschärft. Archivfoto: Michael Schütz

Am 18. August erscheint die diesjährige ST-Wirtschaftsbeilage

Von Sven Schlickowey und Manuel Böhnke

Solingen. Wie ist es dem Einzelhandel während der Pandemie ergangen, welche Perspektiven hat er nach der Corona-Krise? Diese Fragen sind nicht nur für die Branche selbst von großer Bedeutung. Denn die Anbieter sind ein wichtiger Wirtschaftsfaktor sowie Arbeitgeber für viele Solingerinnen und Solinger. Gleichzeitig haben sie einen großen Einfluss auf das Gesicht unserer Stadtzentren. Gründe gibt es also genug, über die Themen zu diskutieren.

Genau das hat das ST gemacht. Für die diesjährige Wirtschaftsbeilage, die am Mittwoch, 18. August, erscheint, haben sich drei Experten zu einem digitalen Streitgespräch getroffen. Ralf Engel, der Leiter der Geschäftsstelle Wuppertal und Bergische Region des Handelsverbands Nordrhein-Westfalen – Rheinland, tauschte sich mit Frauke Pohlmann und Harro Schmidt aus. Erstere ist Goldschmiedemeisterin mit Werkstatt an der Düsseldorfer Straße und Vorstandsmitglied der Ohligser Werbe- und Interessengemeinschaft. Schmidt hingegen betreibt mit dem Schreibwaren- und Geschenkladen Gottl. Schmidt das älteste inhabergeführte Geschäft an der Alleestraße, Remscheids Haupteinkaufsstraße.

Auf verschiedenen Wegen hielten sie in der Corona-Pandemie Kontakt zu ihren Kunden. Schmidt durfte durchgehend Briefmarken verkaufen und Pakete annehmen, Pohlmann nahm Anfragen teilweise über „etwas skurrilen Kanälen“ entgegen: „Über Facebook, per E-Mail, telefonisch oder per Whatsapp, da muss ich unsere Kunden wirklich loben.“ Mit normalen Zeiten seien die Umsätze allerdings nicht vergleichbar gewesen.

Geschäftsschließungen haben die Branche schwer getroffen

In dieser Situation hätten sich die Einzelhändler mehr Fingerspitzengefühl vonseiten der Entscheidungsträger gewünscht. „Ich habe mich zum Beispiel reichlich darüber aufgeregt, dass Teile meines Sortiments bei der Deutschen Post oder im Drogeriemarkt weiter verkauft werden durften. Und das häufig im Gedränge, während bei mir 200 Quadratmeter leer geblieben sind“, erklärte Harro Schmidt exemplarisch.

Die Geschäftsschließungen im vergangenen Jahr und in den ersten Monaten 2021 haben die Branche schwer getroffen, vor allem die Bereiche Mode und Textil. Mehr als 8000 Einzelhandelsbetriebe im Bergischen gab vor der Corona-Krise. Ralf Engel hofft, dass sich die Zahl der pandemiebedingten Insolvenzen im niedrigen dreistelligen Bereich bewegt.

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Doch bereits vor März 2020 habe der Handel Probleme gehabt, räumt der Verbandsvertreter ein. Auf eigene Online-Shops zu setzen, sei ein Rezept, um diese zu lösen – aber kein Allheilmittel. „Die sogenannten Kleinen müssen dazu kommen, dass es eine Beratungssituation vor Ort bei ihnen im stationären Geschäft gibt. Sonst konkurriert man mit den Großen. Und mit deren technischen Möglichkeiten kann man meist nicht konkurrieren“, betonte Engel.

Trotz aller Schwierigkeiten mahnte Frauke Pohlmann zu mehr Selbstbewusstsein: „Wenn wir nicht wollen, dass die Innenstädte veröden, dürfen wir uns nicht immer als halbtotes, jammerndes Pferd präsentieren.“

Zudem verrieten Pohlmann, Schmidt und Engel, mit wem sie gerne shoppen gehen würden.

Wirtschaftsbeilage

Die diesjährige Wirtschaftsbeilage erscheint am Mittwoch, 18. August im ST. In der 32-seitigen Sonderveröffentlichung stehen die Menschen und Macher der bergischen Wirtschaft im Mittelpunkt. Das Motto: „Gestärkt aus der Krise“. Unter anderem erklären Expertinnen und Experten, welche Jobs in Zukunft gefragt sein werden, welche Unterstützung die Kommunen benötigen, um die Folgen der Corona-Pandemie abzudämpfen, und welche Zukunftsperspektiven es für Stadtzentren wie die Solinger Innenstadt gibt. Darüber hinaus geben zahlreiche Unternehmen Einblicke, welche Lehren sie aus den zurückliegenden eineinhalb Jahren gezogen haben.

Die Wirtschaft steuert auf ein wichtiges Halbjahr zu.

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