Transformation der Arbeitswelt

Experten: Digitales Arbeiten birgt auch Gefahren

Moderatorin Corinna Schlechtriem leitete die Online-Veranstaltung vom Kleinen Konzertsaal des Theaters und Konzerthauses aus. Foto: Christian Beier
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Moderatorin Corinna Schlechtriem leitete die Online-Veranstaltung vom Kleinen Konzertsaal des Theaters und Konzerthauses aus.

Beim 8. „Solinger Zukunftsdiskurs“ der Friedrich-Ebert-Stiftung ging es um den Wandel in der Arbeitswelt. Digitalisierung ist dabei ein Fluch und Segen.

Von Holger Hoeck

Solingen. Der rasante digitale Wandel in der Arbeitswelt bringt nicht nur Vorteile. Er birgt auch Gefahren. Dies wurde beim „Solinger Zukunftsdiskurs“ der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung deutlich. Experten und Politiker gingen bei der achten Auflage – zum zweiten Mal online – der Frage nach, wie die Transformation der Arbeitswelt gelingen kann.

7. Solinger Zukunftsdiskurs nimmt das Verhältnis von Politik, Wissenschaft und Medien in den Blick.

Oberbürgermeister Tim Kurzbach (SPD) gab zu Beginn gegenüber den 60 zugeschalteten Teilnehmern zu bedenken, dass nicht nur digitale Möglichkeiten des Arbeitens wichtig seien. Eine mindestens genauso große Bedeutung habe, dass Menschen eine für sie sinnstiftende Tätigkeit finden. Darüber hinaus komme auch dem Verhältnis zur Führungskraft und zu den Kollegen sowie dem Gesamtbild des eigenen Arbeitslebens eine immer größere Bedeutung zu.

Unter der Leitung der freien Moderatorin Corinna Schlechtriem erörterten die Experten zu Beginn den Aspekt der von zu Hause stattfindenden Arbeit. IT-Unternehmer Mirko Novakovic zeigte sich beeindruckt, wie schnell die digitale Annäherung an die neue Situation gelang. „Das zeigt, welch hohe Anpassungsfähigkeit die Menschen besitzen.“

Professor Dr. Lutz Becker, Studiendekan an der Kölner Hochschule Fresenius, betonte jedoch, dass der Umgang mit digitalen Formaten noch gelernt werden müsse. „Zu viele Online-Sitzungen sind nicht gut. Das Optimum sollte drei wöchentliche Sitzungen nicht überschreiten.“ Er lobte hingegen die ökologischen Nebeneffekte. „Digitalisierung bedeutet weniger Verkehr und weniger Stau.“

Viele Arbeitnehmer arbeiten zu Hause länger als im Büro

Laut Professorin Dr. Bettina Kohlrausch, Direktorin des wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Instituts der DGB-nahen Hans-Böckler-Stiftung, schätzen die Menschen, „die zeitliche und örtliche Flexibilität, im Idealfall an festen Tagen von zu Hause arbeiten zu können“. Dies berge jedoch auch Gefahren, etwa bezüglich des Arbeitsschutzes. Kohlrausch: „Es braucht bessere Rahmenbedingungen, denn viele arbeiten nun mehr, als wenn sie ihre Arbeitsstätte besuchen. Die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeitleben verschwinden. Ganz wichtig finde ich, dass der Betrieb als sozialer Ort und Begegnungsstätte der Mitarbeiter nicht aus den Augen verloren geht.“

Die SPD-Landtagsabgeordnete und ehemalige Arbeitsvermittlerin Marina Dobbert bemängelte derweil: „Es hakt immer noch an Bildung und an alten Berufen, die durch die Digitalisierung wegfallen. Wer hierbei aus unterschiedlichen Gründen bei Bildung und Qualifizierung nicht mitgegangen ist oder nicht mitgehen kann, gehört zu den Abgehängten.“

Professorin Kohlrausch pflichtete ihr bei. „Menschen mit wenig Bildung haben wenig Weiterbildung. Dies gilt auch für Frauen und Personen in Teilzeitanstellung. Es muss sich ändern, dass Leute in tendenziell schwächeren oder gefährdeteren Berufspositionen weniger Möglichkeiten zur Fortbildung haben. Überhaupt sollte der Weiterbildungssektor gründlich überdacht werden, denn viele wissen gar nicht, welche Weiterbildung für ihre individuelle Entwicklung überhaupt Sinn ergibt.“

Der Vorsitzende der SPD-Landtagsfraktion, Thomas Kutschaty, teilte diese Einschätzung. „Die meisten Veranstaltungen werden von Personen besucht, die schon sehr gut qualifiziert sind. Weiterbildung und Qualifizierungsmaßnahmen müssen jedoch generell frühzeitig einsetzen.“ Hier seien in erster Linie die Unternehmen gefordert, die Weiterbildung ihrer Mitarbeiter zu organisieren.

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