Alternative zur klassischen Berufsberatung

Experten beraten am Freitag zu Ausbildungen auf dem Neumarkt

An Wäscheleinen hingen die freien Ausbildungsstellen auf dem Neumarkt. Dagmar Drost und Sascha Halscheid von der Agentur für Arbeit versuchten, in der City passende Interessenten zu finden. Foto: Christian Beier
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An Wäscheleinen hingen die freien Ausbildungsstellen auf dem Neumarkt. Dagmar Drost und Sascha Halscheid von der Agentur für Arbeit versuchten, in der City passende Interessenten zu finden.

Durch Corona waren die klassischen Wege der Berufsberatung nicht möglich. Deshalb braucht es andere Alternativen.

Solingen. Es war eine ernüchternde Erkenntnis. „Auf digitalen Kanälen kommen wir nur bedingt an die jungen Menschen heran“, erklärte Carmen Bartl-Zorn. Sie ist die für Aus- und Weiterbildung zuständige Geschäftsführerin der Bergischen Industrie- und Handelskammer (IHK). Doch es brauchte Alternativen zur klassischen Berufsberatung in der Schule, die genau wie Jobbörsen und Praktika aufgrund der Corona-Pandemie gar nicht oder nur eingeschränkt stattfinden konnte. Die Verantwortlichen des Bergischen Ausbildungskonsenses haben deshalb entschieden, neue Wege zu gehen: Am Donnerstag Nachmittag waren sie auf dem Neumarkt präsent, um Betriebe und Bewerber zusammenzubringen. Am Freitag wird die Aktion fortgesetzt.

„Wir möchten dorthin, wo sich unsere Zielgruppe aufhält“, erklärte Maria Carroccio Ricchiuti von der Stabsstelle Kein Abschluss ohne Anschluss (KAoA). Sie war für die Organisation der Aktion in der Innenstadt verantwortlich. Dort standen unter anderem Ansprechpartner der Kreishandwerkerschaft, Clearingstelle, IHK, Agentur für Arbeit, des Arbeitgeberverbandes und des Kommunalen Integrationszentrums Rede und Antwort. Vor den Sommerferien waren die Expertinnen und Experten unter dem Motto „Abflug in Ausbildung“ bereits auf einigen Schulhöfen unterwegs.

Der Bedarf ist groß. Die Zahl der Bewerberinnen und Bewerber auf einen Ausbildungsplatz ist im bergischen Städtedreieck im Vergleich zum Vorjahr um acht Prozent zurückgegangen. Das zeigen Auswertungen der Agentur für Arbeit Solingen-Wuppertal. Diese Entwicklung ist laut Maria Carroccio Ricchiuti zum einen auf die coronabedingte Unsicherheit der Schulabgänger zurückzuführen. Auf der anderen Seite gebe es in diesem Jahr eine demografische Delle und damit schlicht weniger junge Menschen, die für eine Ausbildung infrage kommen, ergänzte Carmen Bartl-Zorn. „Die Voraussetzungen, eine Lehrstelle zu finden, sind momentan wirklich gut. Die Konkurrenz wird im nächsten oder übernächsten Jahr größer sein.“

Freie Ausbildungsstellen gibt es noch genug

Freie Stellen gibt es selbst für das bereits gestartete Ausbildungsjahr noch genug. Ende Juli lag die Zahl in Remscheid, Solingen und Wuppertal noch bei knapp 1250, davon rund 280 in der Klingenstadt. Einige hingen am Donnerstag ausgedruckt an Wäscheleinen vor dem Hofgarten. Gesucht wurden beispielsweise Zerspanungsmechaniker, Verkäufer, Hotelfachleute und Kaufleute im E-Commerce. „Wichtig ist, dass sich unversorgte Jugendliche zeitnah bei uns melden“, betonte Carmen Bartl-Zorn.

Eine achtseitige Liste mit allen in der Region verfügbaren Ausbildungsplätzen hatte Dagmar Drost dabei. Die Ausbildungsstellenvermittlerin der Agentur für Arbeit Solingen-Wuppertal war mit der Resonanz am gestrigen Nachmittag zufrieden. Fünf Beratungsgespräche konnte sie innerhalb der ersten Stunde führen, den Schulabgängern konkrete Hinweise geben.

Und wenn es in diesem Jahr nicht mehr mit dem passenden Ausbildungsplatz klappt? Dann gebe es Alternativen, betonte Drost. Eine Möglichkeit sei eine Einstiegsqualifizierung. Dabei absolvieren die jungen Menschen ein mindestens sechs, höchsten zwölf Monate langes, vergütetes Praktikum in einem Betrieb. Wer im Anschluss eine Ausbildung im gleichen Beruf beginnt, kann die Ausbildungszeit verkürzen, wenn der Ausbildungsbetrieb und die zuständige Kammer damit einverstanden sind.

Am Freitag, 20. August, sind die Vertreter des Bergischen Ausbildungskonsenses wieder in der Innenstadt zu finden. Zwischen 15 und 18 Uhr stehen sie auf dem Neumarkt.

Konsens

Die Federführung beim Bergischen Ausbildungskonsens hat die hiesige Industrie- und Handelskammer. Zu den Partnern gehören unter anderem Kreishandwerkerschaft, Arbeitsagentur, Jobcenter sowie Kommunen.

Tipps zum Ausbildungsstart finden Sie hier.

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