Mobilität

9-Euro-Ticket: Als Autofahrerin in Bus und Bahn unterwegs

Michaela Hösterey ist leidenschaftliche Autofahrerin, dank des 9-Euro-Tickets blieb das Auto zuletzt aber oft stehen. Mehr als 40 Euro würde sie für ein Folgeticket allerdings nicht ausgeben.
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Michaela Hösterey ist leidenschaftliche Autofahrerin, dank des 9-Euro-Tickets blieb das Auto zuletzt aber oft stehen. Mehr als 40 Euro würde sie für ein Folgeticket allerdings nicht ausgeben.

Ein Porträt zum Abschied vom 9-Euro-Ticket, das nur noch heute für den ÖPNV in ganz Deutschland gilt.

Von Jutta Schreiber-Lenz

Solingen. Heute ist der letzte Tag des 9-Euro-Tickets. Wie groß der Erfolg war, darüber streiten sich die Gelehrten. Der Interessenverband Agora Verkehrswende erklärte Anfang August aufgrund erster Zahlen, dass zwar mehr Fahrten mit dem ÖPNV gemacht würden, das Auto aber nicht weniger genutzt werde. Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen verweist dagegen darauf, dass 17 Prozent von anderen Verkehrsmitteln auf Bus und Bahn umgestiegen seien und jeder Zehnte mindestens einmal täglich sein Auto stehen ließ.

Für Michaela Hösterey war und ist das Auto viel mehr als nur ein Fortbewegungsmittel. Die Vertriebsmitarbeiterin des Tageblatts bezeichnet sich als „leidenschaftliche Autofahrerin“ und baut zu jedem ihrer Autos eine Beziehung auf. Dennoch ist sie großer Fan des 9-Euro-Tickets. Dass sie dieses seit der Einführung im Juni konsequent genutzt hat und auf den ÖPNV umgestiegen ist, sei für alle in ihrem Umfeld eine große Überraschung gewesen. „Meine Tochter zum Beispiel war völlig perplex, als ich sie in Bonn – dort studiert sie – erstmals mit der Bahn besucht habe“, sagt die 48-Jährige mit einem Schmunzeln.

Der niedrige Preis sei wirklich ein Riesen-Argument gewesen, das geliebte Auto in der Garage zu lassen, sagt sie. „Ich wohne nicht weit von der nächsten Bushaltestelle – und direkt vor dem Tageblatt-Haus an der Mummstraße kann ich aussteigen, das ist gut machbar.“ Kleine Einkäufe oder Besorgungen in Ohligs erledigt sie sowieso gerne mit dem Rad. „Der Umweltschutz-Gedanke ist auch bei mir als Autofahrerin längst da.“

Nicht nur der niedrige Preis überzeugte: „Das Ticket gilt überall im Regionalverkehr, egal welches Bundesland, nirgends musste man sich zusätzlich schlaumachen.“ Ein Umstand, den sie und ihr Partner auch im Urlaub gut genutzt hätten. „Statt ein teures Hotel mitten in Leipzig zu buchen, sind wir außerhalb abgestiegen und von dort mit dem ÖPNV in die City gependelt, das hat gut funktioniert.“ Auch privat hat sie Geschmack daran gefunden, zum Beispiel zu Konzerten in Köln mit der Bahn zu fahren. „Man ist gleich mittendrin und muss keinen Parkplatz suchen.“

Dennoch: Komplett auf das Auto zu verzichten, ist keine Option. „Dafür bedeutet mir der eigene Wagen zu viel Freiheit und Unabhängigkeit. Es ist für mich ein großer Unterschied, ob ich Bahn und Bus fahren möchte. Oder ob ich es muss, weil keine Alternative da ist.“

Schließlich habe der Nahverkehr auch Schattenseiten, etwa Verspätungen. „Bei privaten Fahrten kommt es meist nicht so auf die Zeit an. Aber wenn man beruflich pendelt, muss man pünktlich sein.“ Sie möge es auch nicht, so gedrängt mit vielen Menschen auf engem Raum zu sein und zwangsläufig laute Handygespräche des Sitznachbarn mitzuerleben, sagt Hösterey. „Das habe ich mir für dieses Experiment abverlangt und auch gemeistert. Klasse fand ich es trotzdem nicht.“

Dass sie sich gut mit den Apps auskennt, die ihr die Verbindungen nennen, verbucht sie als Bereicherung. Ohne sei man unterwegs oft aufgeschmissen, Verzögerungen und Zugausfälle erforderten Flexibilität in der Planung. Sollte sich der Preis eines Nachfolgetickets drastisch erhöhen und das Konzept komplizierter werden, sei sie künftig „raus“. Maximal 30 bis 40 Euro sei sie bereit, auszugeben. „Auch, weil ich einen Wagen in jedem Fall behalten werde.“

Das Ticket

Das 9-Euro-Ticket gilt deutschlandweit im Nahverkehr – eingeführt wurde es Anfang Juni und kostete 9 Euro monatlich. Heute läuft es aus. Eine Nachfolgeregelung gibt es noch nicht. Ideen jedoch einige, wie die des Bundestagsabgeordneten Jürgen Hardt. Der Abgeordnete Ingo Schäfer wirbt für die SPD-Idee.

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