Familienzeit

Schule: Es geht um Zeit für Hausaufgaben und Gespräche

Der Start in die Schule ist ein neuer und großer Schritt für die Sechsjährigen. Foto: Christian Beier
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Der Start in die Schule ist ein neuer und großer Schritt für die Sechsjährigen.

Hier gibt es Antworten auf Fragen von neuen Schulkindern und deren Eltern

Von Daniela Neumann

Solingen. Zur Einschulung der neuen Solinger i-Dötzchen am vergangenen Donnerstag haben wir Fragen gesammelt, die Eltern wie Kinder in diesen Tagen möglicherweise umtreiben. Dieser Fragen hat sich hier für uns die Solinger Familienberaterin Andrea Daun angenommen. Rund um die Einschulung seien weiterhin Wohlwollen, Geduld und Zuversicht gefragt, betont die Kita-Leiterin. Erwartungen bremsten hingegen die Chance, dass Kinder sich selbst kennenlernen und sich zurechtfinden in diesem neuen Lebensabschnitt.

Was bedeutet es für mich und mein Kind, dass es in die Schule kommt?

„Eine schöne Frage, die man sich für zwei oder drei Wochen zur Seite legen sollte“, findet Andrea Daun: „Es zu erleben ist die Antwort.“ Das Kind sei ja nicht spontan schulreif und von der Einschulung überrascht worden, sondern alle seien vorbereitet, voller Vorfreude und Spannung.

Einmal verschnaufen und abwarten sei angesagt. Dann sensibel spüren, wenn das Kind von der Schule heimkommt, was es braucht. Warten, bis es bereit ist, von den erlebten Geschichten zu erzählen: Das sei ein Prozess, der Zeit und Übung brauche. Und wenn das Kind zu Hause nicht weiter Schulkind sein will? Vertrauen haben und unter Erwachsenen besprechen, wie es gehen kann.

Wie wird die Zeit angenehm?

„Da bin ich schon in der Erwartungshaltung“, erklärt Andrea Daun. „Vielleicht wird es ja auch ruckelig. Es ist wie es ist. Nehme ich den Zustand einfach mal als gegeben und überlege, wie ich helfen kann, wenn Ängste oder Sorgen das Kind plagen.“ Dann sich nicht einmischen in das Erzählte, „denn aus Kindersicht ist das Erlebte individuell und entspricht der eigenen Wahrnehmung“.

Also nicht gegenargumentieren und verbessern, das motiviere nicht, künftig Erlebnisse zu berichten. Und den Absprung schaffen: „Genug über Schule gesprochen, jetzt würde ich gern noch ein Spiel mit dir spielen, du darfst wählen.“ Das Kind fühlt sich ungerecht behandelt? „So was gibt‘s“, ist eine konstruktive Antwort, damit es von selbst wieder in Balance kommt.

Andrea Daun ist Kita-Leiterin, Familienberaterin und gibt Seminare zum Thema. Archivfoto: MA

Was machen wir konkret, wenn mein Kind Sorgen hat oder ich Bedenken bei einem Sachverhalt habe?

„Die Sorgen der Eltern sind nicht immer auch gleich die Sorgen der Kinder. Hier bitte aufpassen, ob es eher die eigenen Befindlichkeiten sind“, betont die Beraterin. Fragen wie „Gibt es etwas, was dir gar nicht gefällt?“ und „Ich habe den Eindruck, dass dich etwas bedrückt, brauchst du meine Hilfe?“ signalisierten, dass da jemand aufmerksam ist und bereit sei zuzuhören. Ansonsten die Lehrkraft kontaktieren.

Wie reagieren bei Hänselei, Ausgrenzung, Pöbelei?

„Hier schaffen Kinder keinen Ausweg ohne Hilfe der Erwachsenen. Auch Eltern können von zu Hause hier wenig machen. Die Verantwortung für diese Konflikte liegt bei den Lehrkräften und dürfen auch nicht ins Elternhaus verlagert werden“, resümiert Andrea Daun. Hier sei Zeit für ein intensives Gespräch zwischen den Betroffenen und der Lehrkraft nötig. „Wie geht es euch und gibt es Gründe für euren Streit?“ sei die Grundlagenfrage für notwendige Beziehungsarbeit. Reine Korrektur der „Sache“ oder Bestrafung wäre ein Bumerang: „Mobbing entsteht durch ein Führungsvakuum.“

Was ist bei Problemen wie „keine Lust auf Hausaufgaben“?

„Das Problem ist erstmal, dass Lust ein Indikator ist. Lust braucht man nicht für Pflichtaufgaben, die kann man auch ohne Lust machen. Klar definieren: ,Die Hausaufgaben sind Pflicht, darüber kann ich nicht bestimmen. Ich kann dir helfen herauszufinden, wann der beste Moment für dich ist, sie zu machen, oder ich kann dich erinnern, bevor es Abendbrot gibt. Doch eins will ich nicht: Mit dir über Hausaufgaben streiten. Für mich ist wichtig, dass du hier in der Familie auftanken kannst für den nächsten Schultag.‘ Bestehe eine totale Verweigerung, sei der Ansatz ein Gespräch zwischen Schulkind und Lehrkraft mit einer neutralen Person, die das Gespräch führe.

Kontakte für Hilfe

Serie: Mit diesem Artikel endet die siebenteilige Serie zum Thema „Die Schule beginnt“.

Hilfe: Verschiedene Stellen in der Stadt bieten Hilfe für Familien an: Coppelstift der Stadt, Mail an coppelstift@solingen.de oder P 2313 48-11

Parisozial-solingen.de Caritas-wsg.de awo-solingen.de mehrgenerationenhaus.org youtube.de, Stichwort Andrea Daun

Charlotte freut sich schon auf die Schule.

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