Jugendhilfeausschuss

Erziehung: Mehr Eltern brauchen Hilfe

Erziehung kann Stress bedeuten und mitunter Eltern derart fordern, dass ihnen der Geduldsfaden reißt.
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Während der Corona-Pandemie ist die Belastung in den Familien groß. So steigt nun wieder die Zahl der ambulanten Hilfen.

Im Corona-Jahr 2020 benötigten wieder mehr Eltern Hilfe bei der Erziehung. Einige Kinder müssen auch in einem Heim untergebracht werden.

Von Anja Kriskofski

Solingen. Fünf von 100 jungen Solingern bis 20 Jahre brauchten 2020 Hilfen zur Erziehung. Das geht aus einem Vergleich hervor, den der Allgemeine Soziale Dienst (ASD) jetzt im Jugendhilfeausschuss vorgelegt hat. Seit 2016 (6,6 pro 100 Einwohner unter 21) war die Zahl der unterstützten Kinder und Jugendlichen kontinuierlich gesunken und blieb zuletzt stabil. Die Hilfemaßnahmen reichen von ambulanter Unterstützung für die Eltern bei der Erziehung bis hin zur Heimunterbringung. Seit einigen Jahren zieht Solingen dazu einen Vergleich, ein Benchmarking, zu neun anderen Städten in NRW, darunter Remscheid und Mülheim an der Ruhr.

Während sie in den vergangenen Jahren stets sank, stieg die Zahl der ambulanten Hilfen 2020 wieder leicht. Das sei auf die hohe Belastung der Familien durch die Corona-Pandemie zurückzuführen, erläuterte Mike Wetzel vom ASD. Ziel sei, möglichst früh ambulante Hilfen zu geben, um ein Zusammenleben von Eltern und Kindern zu ermöglichen.

Tipps: So verhindern Eltern, dass der Geduldsfaden reißt

Einen kontinuierlichen Rückgang gab es weiterhin bei den stationären Hilfen, die die Unterbringung in einer Pflegefamilie ebenso umfasst wie in einem Kinderheim. Das betraf 2020 knapp zwei von 100 jungen Solingern und Solingerinnen. Ein Grund: Es müssen weniger unbegleitete minderjährige Flüchtlinge untergebracht werden. Bei den Jugendlichen und Kindern, die stationär betreut werden müssen, sprechen die Fachleute des Jugendamts jedoch von „zunehmend komplexeren Problemlagen“. „Wir haben verstärkt Kinder und Jugendliche, die schon früh so auffällig sind, dass sie in eine stationäre Einrichtung müssen“, erklärte Wetzel. Mitunter müssten sie durch Intensivgruppen und zusätzliche Hilfen betreut werden.

Wir haben verstärkt Jugendliche, die schon früh auffällig sind.

Mike Wetzel ASD

Mit Hochdruck werde zudem versucht, weitere geeignete Pflegefamilien zu finden. Das gestalte sich jedoch immer schwieriger, heißt es in der Vorlage. Die Motivation, als Bereitschaftspflege tätig zu werden, nehme ab. „Bedingt durch die Corona-Pandemie, hat sich die Situation noch verschlechtert. Diese Entwicklung zeigt sich landesweit in allen Jugendämtern.“

Eine weitere Folge der Pandemie: Die Ausgaben für Hilfen zur Erziehung seien 2020 nach jahrelangem Rückgang wieder gestiegen: von 1039 Euro (2019) pro Einwohner unter 21 Jahren auf 1064 Euro. Das sei in fast allen Städten der Fall. Grund: Bei komplexen Problemlagen von Familien seien ambulante Hilfen entsprechend teurer, stationäre Hilfen müssten öfter als Intensivangebote erbracht werden. Diese müssten bisweilen teuer eingekauft werden.

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