Fachkräftemangel

Erzieher werden dringend gesucht

Die Auszubildenden Jens Strobel (l.) und Kim Lipovsek (r.) zeigen mit Bereichsleiterin Cornelia Cürten und Schulleiterin Gabriele Stobbe-Dibbert das Projekt „Stomp“, Musik auf Alltagsgegenständen, das am Mildred-Scheel-Berufskolleg ein Teil der kreativen Erzieherausbildung ist. Foto: Christian Beier
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Die Auszubildenden Jens Strobel (l.) und Kim Lipovsek (r.) zeigen mit Bereichsleiterin Cornelia Cürten und Schulleiterin Gabriele Stobbe-Dibbert das Projekt „Stomp“, Musik auf Alltagsgegenständen, das am Mildred-Scheel-Berufskolleg ein Teil der kreativen Erzieherausbildung ist.

Das Mildred-Scheel-Kolleg bietet neben Vollzeit- und PIA-Ausbildung auch wieder Teilzeit-Unterricht in Abendform an.

Von Simone Theyßen-Speich und Björn Boch

Solingen. In den Solinger Kitas herrscht Fachkräftemangel – und das Problem könnte sich noch verschärfen. „Wir brauchen künftig ganz viel pädagogisches Personal – für die Kitas, den Ausbau des Offenen Ganztags und den Stadtdienst Jugend“, so Dezernentin Dagmar Becker (Grüne). In der Klingenstadt fänden derzeit stadtdienstübergreifende Gespräche statt, wie die Lage perspektivisch verbessert werden könnte.

Solingen ist kein Einzelfall, beim Deutschen Städtetag ist der Fachkräftemangel bei Erzieherinnen und Erziehern Thema, so Becker. Die Ausbildung sei auch ein Landesthema: Es brauche ja überdies ausreichend Hochschulplätze für die Menschen, die kommende Erziehende ausbilden.

In Solingen gibt es auch die praxisintegrierte und Teilzeit-Ausbildung

Angesiedelt ist die schulische Ausbildung in Solingen am Mildred-Scheel-Berufskolleg. Dort startet jedes Jahr eine Klasse in die dreijährige Vollzeit-Ausbildung. Zudem gibt es mittlerweile jährlich zwei Klassen für die Praxisintegrierte Ausbildung (PIA). Für diese Ausbildung mit dem Schwerpunkt in der Kita samt Vergütung hat auch die Stadt ihre Plätze in den städtischen Kitas auf 25 erweitert.

Um den wachsenden Bedarf an qualifizierten Erzieherinnen und Erziehern zu erfüllen, bietet das Mildred-Scheel-Kolleg zum Schuljahr 2022/2023 auch wieder die Teilzeit-Ausbildung in der Abendform an. „Dieses vierjährige Angebot – drei Ausbildungsjahre und ein Anerkennungsjahr – startet alle vier Jahre“, erklärt Schulleiterin Gabriele Stobbe-Dibbert. Für den kommenden Sommer können sich Interessierte noch anmelden, dann endet wieder ein vierjähriger Durchgang und ein neuer beginnt.

Diese spezielle Ausbildung, die landesweit nur von wenigen Berufskollegs angeboten wird, gebe es in Solingen schon seit über 25 Jahren – aber in der aktuellen Situation sei es besonders wichtig, auch Männer und Frauen, die bereits im Beruf stehen, für den Erzieherberuf zu begeistern. Angesprochen werden etwa Kinderpfleger oder Krankenschwestern, aber auch Menschen aus anderen Berufen, die eine Fachoberschulreife und 240 Stunden Praktikum vorweisen können.

Teilzeit-Ausbildung ist an drei Abenden pro Woche

„Die Ausbildung an drei Abenden pro Woche ist natürlich eine Herausforderung“, skizziert Cornelia Cürten, Bereichsleiterin für die Erzieher-Ausbildung an der Schule. Aber sie ermögliche eine Qualifizierung für diejenigen, für die das tagsüber wegen des eigenen Berufes oder der Kindererziehung nicht möglich ist.

Wie groß der Bedarf an Fachkräften ist, zeige sich durch regelmäßige Anfragen und Stellen-Aushänge der Kitas im Mildred-Scheel-Kolleg – und die Tatsache, dass ein Kinder-Jahrgang in Solingen auf mittlerweile 1550 Kinder angewachsen ist. „Wer die Ausbildung abschließt und geeignet ist, der wird übernommen“, erklärt Becker die guten Berufsaussichten. Etwa 90 Prozent der Absolventen blieben nach dem Abschluss direkt in ihrem Ausbildungsbetrieb. Für die übrigen gebe es beste Chancen auf eine Anstellung.

Auch immer mehr Männer und Zugewanderte werden Erzieher

Am Mildred-Scheel-Kolleg freut man sich, dass der Erzieher-Beruf längst keine rein weibliche Domäne mehr ist. „In einigen Klassen haben wir schon bis zu einem Drittel Männer“, erklärt Cornelia Cürten. Ebenso wichtig sei es auch, Personal mit Zuwanderergeschichte zu haben – auch deren Zahl wachse weiter an.

Generell seien die pädagogische Arbeit und die Anforderungen in den Einrichtungen im ständigen Wandel. „Auch deshalb ist die Aus- oder Weiterbildung für die Absolventen spannend“, so Stobbe-Dibbert. Viele praxisnahe Projekte seien eine gute Vorbereitung für die Arbeit in der Kita, im Offenen Ganztag oder in der stationären Jugendhilfe.

Gerne würde man am Mildred-Scheel-Kolleg noch mehr ausbilden – wenn es ausreichend Lehrer dafür gäbe. „Die Teilzeit-Ausbildung am Abend entspannt zumindest die Raumsituation in der Schule“, so die Schulleiterin.

Bewerbung

Teilzeit-Ausbildung am Abend: Unterricht ist dienstags, mittwochs und donnerstags von 18 bis 22 Uhr.

Infoabend: 1. Dezember, 18 Uhr, Mildred-Scheel-Berufskolleg, Raum A25, Beethovenstraße 225.

Berufskolleg: Infos zu allen drei Solinger Berufskollegs gibt es beim „Tag der 3 Berufskollegs“ am 27. November, 10 bis 13 Uhr, im Mildred-Scheel-Kolleg, dem Friedrich-List-Kolleg und dem Technischen Berufskolleg.

Standpunkt: Bildung setzt in Kita an

Ein Kommentar von Simone Theyßen-Speich

simone.theyssen-speich@solinger-tageblatt.de

In die Bildung und damit in unser aller Zukunft zu investieren – das ist eine immer wieder gerne formulierte Forderung. Aber diese Bildung setzt nicht erst mit Beginn der Grundschule an. Gerade wenn Kinder die deutsche Sprache noch nicht ausreichend sprechen, wenn sozialpädagogische oder andere Förderungen notwendig sind oder auch, wenn soziales Verhalten in der Gruppe grundsätzlich noch erlernt werden muss, spielt die Arbeit in den Kindertagesstätten eine immer wichtigere Rolle. Hier gut qualifizierte Erzieherinnen und Erzieher am Start zu haben, ist unabdingbar. Um diese zu finden und für eine Ausbildung oder Weiterbildung zu motivieren, müssen aber auch die Rahmenbedingungen stimmen. Mit dem Mildred-Scheel-Berufskolleg hat Solingen eine Schule, die verschiedene Ausbildungsangebote anbietet – Vollzeit, praxis-integriert und Teilzeit als Abendform. Wichtig ist zudem, dass auch die Vergütung und die gesellschaftliche Anerkennung die Wichtigkeit des Berufes widerspiegeln. Denn die ersten Lebensjahre der Kinder sind prägend fürs ganze Leben.

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