Bauconzept peilt einen „Mietermix“ an

Erster Investor für Stöcken 17 steht fest

Wollen „Stöcken 17“ gemeinsam gestalten (v. l.): Frank Balkenhol, Sven Heyden, Tim Kurzbach und Achim Willke vor der früheren Rasspe-Lehrwerkstatt.  
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Wollen „Stöcken 17“ gemeinsam gestalten (v. l.): Frank Balkenhol, Sven Heyden, Tim Kurzbach und Achim Willke vor der früheren Rasspe-Lehrwerkstatt.  

Die sächsische Bauconzept Real Estate GmbH entwickelt die Bestandsgebäude auf dem Rasspe-Areal.

Von Manuel Böhnke

Das ist die Vision der Bauconzept Real Estate GmbH für die ehemalige Lehrwerkstatt auf dem Rasspe-Gelände.

Solingen. Auf dem ehemaligen Rasspe-Areal geht es voran. Seit Montag ist der erste Investor für das geplante Gewerbegebiet „Stöcken 17“ bekannt. Die Bauconzept Real Estate GmbH aus dem sächsischen Lichtenstein hat den Zuschlag für die Bestandsgebäude auf der mehr als 60.000 Quadratmeter großen Fläche erhalten. Geschäftsführer Sven Heyden gab bei einem Pressegespräch am Montag als Ziel aus, zunächst die ehemalige Lehrwerkstatt zu sanieren. Der Umbau könnte in der zweiten Jahreshälfte 2023 fertiggestellt werden.

2015 setzte sich die Wirtschaftsförderung in einem Bieterverfahren um das Gelände durch. „Wir waren der Überzeugung, dass wir uns das nicht aus der Hand nehmen lassen dürfen“, erinnerte Tim Kurzbach (SPD). Für Solingens Oberbürgermeister ist Stöcken 17 ein regionales Projekt. Entstehen soll „das bergische Gewerbegebiet der Zukunft“.

„Wir haben einen Hang zu alten Industriegebäuden.“

Sven Heyden, Bauconzept Real Estate GmbH

Für dieses Konzept brauche es kreative Investoren. Dieses Attribut treffe auf Bauconzept zu. Seit rund 20 Monaten befindet sich die Wirtschaftsförderung mit dem Unternehmen in Gesprächen. Es sei einer von drei „ernstzunehmenden Interessenten“ gewesen, berichtete Frank Balkenhol, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung. Der Kontakt kam über Achim Willke, Projektleiter von Stöcken 17, zustande. Bei seiner vorherigen Station, der Wirtschaftsförderung Leverkusen, war er für die Vermarktung der Neuen Bahnstadt Opladen zuständig. Dort hat die Bauconzept-Gruppe das frühere Ledigenwohnheim saniert.

„Wir haben einen Hang zu alten Industriegebäuden“, sagte Sven Heyden. Denkmalschutz und -pflege spiele für das Unternehmen eine große Rolle. Diese Expertise möchten die Sachsen in Solingen einbringen, wenngleich der Geschäftsführer einräumt, dass das Vorhaben herausfordernd sei, insbesondere als Vorreiter auf der Fläche. Die Idee sei, den Charme der Gebäude zu erhalten – und gleichzeitig innovative Akzente zu setzen.

Die ehemalige Lehrwerkstatt verfügt über eine Mietfläche von rund 1400 Quadratmetern, die in vier Einheiten aufgeteilt werden soll. Mit ersten Interessenten, darunter eine „kommunale Gesellschaft“ fänden bereits Gespräche statt. Bauconzept plant neben dem Innenausbau und der Fassadensanierung, Aufzugsturm und Treppenhaus zu erneuern. Es sei notwendig, die Technische Gebäudeausrüstung vollständig auszutauschen. Teil der Entwürfe sind außerdem umfangreiche Maßnahmen zur energetische Sanierung. 4,2 Millionen Euro sind insgesamt veranschlagt.

Wohl deutlich teurer und komplexer wird die Instandsetzung des denkmalgeschützten Lager- und Verwaltungsgebäudes an der Straße Stöcken. Auf einer Bruttogeschossfläche von mehr als 6000 Quadratmetern seien neben Büros auch Angebote für Sport, Gastronomie sowie eine Betriebs-Kita denkbar. „Es soll als Servicefläche für den Rest des Geländes dienen“, führte Sven Heyden aus. Die Fertigstellung ist für 2026 geplant.

In beiden Gebäuden peilt Bauconzept laut eigenen Angaben einen „Mietermix“ an. Nicht zum Konzept gehöre, das Projekt nach Fertigstellung zeitnah abzustoßen: „Wir leben davon, Häuser langfristig in unserem Bestand zu halten.“ Es gebe sogar Überlegungen, eine Niederlassung in Solingen zu eröffnen.

Die Entwicklung der Bestandsgebäude soll maßgeblich für die weiteren Schritte auf dem Rasspe-Areal sein. Die Vermarktung der freien Flächen startet noch nicht, betonte Frank Balkenhol. Sie könne frühestens 2023 beginnen. „Vorher müssen wir noch einige Rahmenbedingungen schaffen“, erklärte Achim Willke. Dazu zählt in erster Linie das Bebauungsplanverfahren. Sind diese Hürden genommen, könne die Suche nach weiteren Investoren starten. Wichtig sei dabei, dass die Unternehmen die Vision für Stöcken 17 teilen.

Geschichte

Bis 2009 fertigte die Firma Rasspe an der Straße Stöcken Bestandteile landwirtschaftlicher Maschinen sowie Sägen und Messer. Seit 2015 ist die Fläche Eigentum der Wirtschaftsförderung. Sie plant Tim Kurzbach zufolge nahe der L 74 ein „Gewerbegebiet vollkommen neuen Zuschnitts“: „Nachhaltige Flächennutzung in Kombination mit Mikromobilität, E-Ladesäulen und weiteren Services werden verschiedene Mobilitätsformen bündeln.“

Standpunkt: Einmalige Chance

Von Manuel Böhnke

manuel.boehnke@solinger-tageblatt.de

Es ist in Sachen Gewerbeentwicklung das spannendeste Projekt in der Region. Auf dem früheren Rasspe-Areal stehen mehr als 60.000 Quadratmeter zur Verfügung, um etwas Neues zu schaffen. Solche Chancen dürften sich angesichts der Diskussionen über Flächenverbrauch und -versiegelung in absehbarer Zukunft nicht mehr allzu häufig ergeben. Vor diesem Hintergrund war es vor mehr als sieben Jahren eine weitsichtige Entscheidung der Stadt, in das Bieterverfahren um das Grundstück einzusteigen. Wird sie sich auszahlen? Das lässt sich mit Gewissheit erst in einigen Jahren sagen, wenn feststeht, wer die freien Flächen wie besiedelt. Doch ein erster Schritt ist gemacht. Mit der Bauconzept Real Estate GmbH konnte ein erster Investor gewonnen werden, der auf seine Expertise beim Umbau alter Industriegebäude verweist. Kann die sächsische Firma das auch in der Klingenstadt unter Beweis stellen, wäre das eine wichtige Initialzündung. Die alte Rasspe-Lehrwerkstatt, die als erstes Objekt fertiggestellt werden soll, befindet sich nicht nur in der Mitte des Grundstücks. Sie ist auch zentral für den weiteren Projektverlauf. Gelingt es, dort eine Duftmarke zu setzen, dürfte das Interesse weiterer Investoren steigen.

Vorabmeldung von 11.30 Uhr

Erster Investor auf Stöcken 17 unterzeichnet Vertrag

Neuer Eigentümer des 1903 erbauten ehemaligen Verwaltungs- und Lagergebäudes sowie der ehemaligen Lehrwerkstatt auf dem Rasspe Areal wird die Bauconzept Real Estate GmbH.

Solingen. Die Planungsgesellschaft mit Sitz im sächsischen Lichtenstein saniert seit 30 Jahren denkmalgeschützte Industriegebäude.

Das neue Gewerbegebiet Stöcken 17 soll ein Labor für Elektromobilität werden.

Für Solingens Oberbürgermeister Tim Kurzbach nimmt die Vision eines Gewerbegebietes der Zukunft jetzt Gestalt an: „Das ehemalige Rasspe-Areal wird sich zu einem Gewerbegebiet vollkommen neuen Zuschnitts entwickeln: Nachhaltige Flächennutzung in Kombination mit Mikromobilität, E-Ladesäulen und weiteren Services werden verschiedene Mobilitätsformen mit der Möglichkeit von Parken, Halten, Umsteigen und Umladen bündeln.“

Als erstes soll  bis Sommer 2023 zunächst die ehemalige Lehrwerkstatt saniert werden. Der markante Aufzug soll dabei erhalten bleiben, sodass das Gebäude barrierefrei erschlossen werden kann. Die vollständige Sanierung des denkmalgeschützten Verwaltungs- und Lagergebäudes wird wegen der höheren Komplexität etwas länger dauern. red

Projekte der Bauconzept-Gruppe

Unter anderem war die Gruppe bereits im Deutschen Uhrenmuseum Glashütte, im Johannisbad Zwickau oder auch im ehemaligen „Ledigenwohnheim“ der Neuen Bahnstadt Opladen (NBSO) aktiv. 

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